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Beratung | K-Geld 5/2004

Was ist faul an Schenkkreisen?

Ich war kürzlich auf Drängen einer Kollegin an einer sehr dubiosen Veranstaltung. Es ging um Schenkkreise. Wir wurden dabei aufgefordert, der Person in der Mitte eines solchen Kreises 15 000 Franken zu schenken. Drei Runden später würden wir dann je 120 000 Franken erhalten. Da ist doch etwas faul, oder?

Da ist tatsächlich etwas faul. Erst kürzlich wurden in Zürich und im Kanton Baselland Schenkkreise aufgehoben. Die Polizei im Kanton Baselland hatte aufgrund anonymer Hinweise bei Hausdurchsuchungen 55 000 Franken beschlagnahmt.
Schenkkreise sind nämlich verboten. Es geht im Übrigen - trotz des irreführenden Namens - weder ums Schenken noch um das Wohlergehen der Teilnehmenden, auch wenn bei den Treffen oft Lebenskraft, Liebe, Heilung oder Erfüllung angepriesen wird. Im Vordergrund steht vielmehr das Geldverdienen der Initianten. Zurück bleiben die vielen Geprellten.

Ein solcher Schenkkreis ist wie eine Pyramide aufgebaut und besteht aus vier einzelnen Kreisen. Wer alleine in der Mitte steht, muss sich Mitspieler suchen und wird danach von den Mitgliedern des äussersten Kreises beschenkt. Anschliessend teilt sich der Schenkkreis in zwei Kreise und wird durch neue Personen, die zum Schenken bereit sind, ergänzt. So entstehen immer mehr Kreise. Das Spiel geht aber nicht auf - denn bereits in der 15. Runde müsste eine halbe Million Menschen mitmachen, um die Gewinne zu garantieren.

Statistisch gesehen verlieren 87,5 Prozent aller Mitspieler ihren Einsatz. Dieses Schneeballsystem führt somit sehr rasch zu hohen Verlusten für die meisten Beteiligten. Zudem werden oft Verwandte und Bekannte für die Teilnahme an einem Schenkkreis gewonnen. Neben dem finanziellen Schaden kommt es deswegen häufig zu heftigen Auseinandersetzungen im Familien- oder Freundeskreis.

(plü)

27. Oktober 2004


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