|
(0) |
Fotos aus dem Labor oder vom eigenen Tintenstrahldrucker? Der saldo-Test zeigt: Laborfotos können sich qualitativ kaum mehr abheben.
Mit dem Siegeszug der Digitalkamera werden Fotos immer öfter nur am Computer-Bildschirm angeschaut oder mit dem eigenen Farbdrucker zu Hause ausgedruckt.
Wer einen Drucker kauft, will aber nicht nur Fotos ausdrucken, sondern auch kopieren, scannen und faxen. Deshalb sind Multifunktionsdrucker heute beliebt. Doch schaffen es diese Alleskönner auch, schöne Fotos zu drucken? Und können sie sich gegen reine Farbdrucker behaupten?
saldo wollte es genau wissen und hat deshalb sechs Multifunktionsdrucker und zwei reine Farbdrucker im deutschen Labor LGA Qualitest untersuchen lassen (siehe «So wurde getestet» unten). Zusätzlich verglich das Prüfinstitut die Bilder mit Abzügen, die saldo von den Fotolabors Migros und Ifolor anfertigen liess.
Der LGA-Fachzentrumsleiter Bernd Rippel zieht eine positive Bilanz: «Alle Drucker sind für den Fotodruck brauchbar.» Am besten schnitt der A4-Farbdrucker Epson Stylus R 285 ab. Er erreichte bei den Kriterien Kontrast, Farbwiedergabe und Darstellung der Hautfarbe die höchsten Bewertungen. Doch ist er ein reiner Farbdrucker ohne Zusatzfunktionen.
Wasserspritzer: Ruinierte Prints bei drei Druckermodellen
Reine Farbdrucker liefern aber nicht grundsätzlich bessere Bilder als Multifunktionsdrucker: So erreichte der zweite Farbdrucker im Test, der Deskjet 6940 von HP, keine genügende Bewertung bei der Bildqualität. Fairerweise muss man aber erwähnen, dass HP für diesen Drucker auch nicht mit Fotofunktionen wirbt.
Gross sind die Unterschiede bei der Beständigkeit. Ein paar Wasserspritzer ruinierten die Bilder von Lexmark X 2550, Photosmart C 4280 und Deskjet 6940 völlig, während die Prints von Canon Pixma und Epson Stylus DX 4400 dies ohne Schaden überstanden.
Schwächen haben einige Drucker auch bei der Lichtechtheit, das heisst der Dauer, bis die Bilder zu vergilben beginnen: Hier reichen die Ergebnisse von «sehr gut» beim Epson Stylus DX 4400 bis zu «ungenügend» beim Canon Pixma, HP Photosmart C 7280, Lexmark und Epson Stylus R 285.
Laborbilder: Bei der Lichtechtheit auch keine guten Noten
Für eine negative Überraschung bei der Lichtechtheit sorgten aber auch die Abzüge aus dem Labor. Früher konnten sie sich vor allem in diesem Punkt gegenüber den gedruckten Bildern abheben, heute nicht mehr. Im Gegenteil: Die Fotos des Labors Ifolor schnitten gerade noch genügend, jene aus dem Migros-Labor gar ungenügend ab. Nur die gute Beständigkeit gegen Wasser verhilft den Labors zu passablen Resultaten im Kriterium Beständigkeit.
Die Migros ist «von den Werten bei der Lichtbeständigkeit überrascht». Nach eigenen Qualitätsmessungen seien die Fotos aus dem Migros-Fotolabor weniger lichtempfindlich als solche von Tintenstrahldruckern. Die Ausnahme seien sogenannte Pigmentfarben, wie sie für den Epson DX 4400 verwendet werden. Auch Ifolor hat keine schlüssige Erklärung.
Kosten pro Bild im Labor nach wie vor am günstigsten
«Der Test zeigt, dass die Laborbilder nicht mehr das Mass aller Dinge sind», so Bernd Rippel. Das gilt nicht nur für die Beständigkeit, sondern auch für die Bildqualität: Mit Noten von 4,5 (Ifolor) und 4,6 (Migros) schnitten die Labors ähnlich ab wie die meisten Drucker im Test.
Der Hauptvorteil der Labor-bilder ist der weiterhin tiefere Preis pro Bild. Im Vergleich zu den günstigsten Druckerfotos des Testsiegers Canon Pixma MP 520 ist die Preisdifferenz zu den Laborbildern von Migros (15 Rappen) und Ifolor (24 Rappen) aber relativ gering. Bei den Laborkosten pro Bild sind aber auch der Versandkostenanteil und die Verrechnung für das Handling der eingesandten CD eingeschlossen. Der Preis pro Bild lässt sich hier senken, wenn man die Bilder direkt übers Internet ins Labor schickt.
Kostentreibend sind bei den Druckern die Farbpatronen, vor allem bei Systemen mit Tank: Sobald eine Farbe aufgebraucht ist, muss die ganze Patrone ersetzt werden. Beim Lexmark-Drucker kostet so ein einzelnes Bild Fr. 1.57 – mehr als doppelt so viel wie beim Canon Pixma MP 520.
Schlecht schneiden viele Modelle schliesslich beim Stromverbrauch ab. 4 von 8 verbrauchen im ausgeschalteten Zustand, also im Standby-Modus, 4,1 bis 6,2 Watt. Zum Vergleich: Laut Berechnungen der Agentur für Energieeffizienz lässt sich mit einem jährlichen Standby-Verbrauch von 6,2 Watt ein kleinerer Haushalt ein ganzes Jahr lang mit Sparlampen beleuchten. Neben dem Lexmark-Modell schnitten beim Energieverbrauch alle Geräte aus dem Hause HP schlecht ab. Wie unnötig dieser Standby-Verbrauch ist, zeigen die beiden Epson-Modelle, der Canon Pixma und der Brother DCP-150 C: Sie nehmen im Standby-Modus überhaupt keinen Strom auf.
So wurde getestet
Das Prüflabor LGA Qualitest in Nürnberg (D) hat für saldo acht Tintenstrahldrucker getestet und die Bilder mit Abzügen aus dem Labor verglichen.
Kaufkriterien: Der richtige Drucker für schöne Fotos
Tintenstrahl- oder Laserdrucker? Oder gar ein kleiner Kompakt-Drucker? Die wichtigsten Überlegungen zum Kaufentscheid.
24. August 2008 | Rolf Muntwyler
