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Test | saldo 09/2009

Schwarze Schokolade

Schwermetalle und krebserregende Stoffe: Kaum eine schwarze Schokolade ist frei davon. Die teuersten Produkte im saldo-Test waren am stärksten belastet.

Die Schweizer sind Weltmeister im Schokolade-Essen: 12,4 Kilogramm pro Kopf waren es laut den Schokoladefabrikanten im letzten Jahr. Rund 20 Prozent davon waren schwarze Schokoladen. Das ist Schokolade mit 60 Prozent und mehr Kakaoanteil. Die Tendenz zu dunklen Schokoladen ist seit den Neunzigerjahren steigend. So lange ist auch bekannt, dass Kakao häufig mit krebserregenden Stoffen wie dem Schwermetall Cadmium und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet ist (siehe unten «So wurde getestet»). saldo wollte wissen, wie viele Schadstoffe heute in den Schokoladen stecken, und hat 16 dunkle Tafelschokoladen im Labor untersuchen lassen. Das Resultat: Kein einziges Produkt ist frei von Cadmium.


Dolfin und Michel Cluizel punkto Cadmium-Gehalt am besten

Immerhin: Die Hersteller der Edellinien Dolfin und Michel Cluizel zeigen, dass tiefe Cadmium-Werte, die der Gesundheit nicht schaden, möglich sind. Ihre Produkte weisen nur 0,06 respektive 0,03 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) Cadmium auf. In Suchard Sensations Noir und Sensations Noir Orange fand das Labor nur 0,1 und 0,11 mg/kg Cadmium – das sind ebenfalls unbedenkliche Mengen. 


Schlechte Note für die teure Sprüngli-Schokolade

Fast 5-mal mehr Cadmium hat das Labor in der Rio Napo Waldschokolade entdeckt. Diese Schokolade von Chocolatier Felchlin stammt aus einem Kleinbauernprojekt in Ecuador und ist mit einem Preis von Fr. 7.70 pro 100 Gramm das teuerste Produkt im Test. Schlusslicht der Tabelle (siehe pdf-Artikel) ist die zweitteuerste Schokolade: Die Grand Cru Maracaibo der Confiserie Sprüngli (Fr. 6.20 pro 100 Gramm) enthält fast 10-mal mehr Cadmium als die Massenprodukte der Marke Suchard. Sie erhält aufgrund dieses Wertes die Note «schlecht».

Pascale Brunet, Sprecherin von Sprüngli, weiss um das Cadmium-Problem der Maracaibo-Schokolade: «Der Edelkakao, der auf vulkanischer Erde wächst, weist tatsächlich einen höheren Cadmium-Wert auf.» Das Schwermetall gelange während des Wachstums der Pflanze über die Wurzeln in die Kakaobohnen und von dort in die Schokolade. «Deshalb können unsere Schokoladenspezialitäten nicht frei von Cadmium sein.» Dennoch will das Unternehmen aus geschmacklichen Gründen nicht auf Kakao aus Venezuela verzichten oder die Schokolade mit weniger aromatischen Sorten verdünnen: «Die Echtheit der Produkte ist uns wichtiger als tiefere Cadmium-Werte.»


Drei Schokoladen mit schädlichen Kohlenwasserstoffen

Während Cadmium meistens aus dem Boden in die Kakaopflanze gelangt, kommen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) über Verunreinigungen der geernteten Bohnen in die Schokolade. Über 200 solcher Kohlenwasserstoffe gibt es. 16 davon gelten als kritisch in Lebensmitteln. Sie können beim Menschen das Erbgut schädigen und Krebs auslösen. Zudem sind sie Umweltgifte, die beispielsweise nicht in Gewässer gelangen dürfen. Bei acht der getesteten Schokoladen lag die Summe der PAK-Werte unter 0,01 mg/kg, was unproblematisch ist. Bei fünf Produkten fand das Labor etwas mehr PAK. Drei Schokoladen enthielten viel von dieser Substanz, unter anderem auch Naphthalin, aus dem früher Mottenkugeln gemacht wurden. Michel Cluizel, Denner und Frey erhielten deswegen eine Note Abzug bei der Bewertung.

saldo hat die Hersteller mit den Ergebnissen konfrontiert. Produzent Michel Cluizel wollte  nicht Stellung nehmen, weil seine Spezialisten abwesend waren. Denner verweist auf die unklare Rechtslage: «Für PAK in Schokolade gibt es keine gesetzlichen Höchstwerte», hält Sprecherin Grazia Grassi fest. Giovanni Balimann von Chocolat Frey spielt die Bedeutung von PAK in Schokolade herunter: «Hauptquelle für diese Substanz in der Nahrung ist Geräuchertes.»


Kakaobutter: Ausnahmeregelung für hochgiftigen Stoff

Gemäss der Gewässerschutzverordnung dürfen von jedem der über 200 PAK nicht mehr als 0,001 Milligramm pro Liter im Trinkwasser vorkommen. Bei Lebensmitteln gibt es nur für ein einziges PAK einen Grenzwert, und zwar für das hochgiftige Benzoapyren (BaP): Speisefette dürfen maximal 0,002 mg/kg davon enthalten. Kakaobutter wurde von dieser Regelung ausdrücklich ausgenommen. Sabina Helfer vom Bundesamt für Gesundheit erklärt das damit, dass sich BaP – zumindest vorläufig – nicht aus der Kakaobutter eliminieren lasse.


So wurde getestet

Das Labor hat 16 schwarze Tafelschokoladen mit einem Kakaogehalt zwischen 60 und 78 Prozent getestet. 13 Produkte waren reine Schokoladen, die anderen mit Orangen oder Chili und Granatapfelsaft aromatisiert. Untersucht wurde der Cadmium-Gehalt der Schokoladen. Cadmium reichert sich im Körper an, ist ein Nierengift und kann Krebs auslösen. Die Schweiz kennt keinen Grenzwert für Cadmium in Schokolade. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt einen Cadmium-Höchstgehalt zwischen 0,1 und 0,3 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) Schokolade vor.

Mitte März hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA die empfohlene wöchentliche Höchstaufnahme von Cadmium in Lebensmitteln sogar auf ein Drittel herabgesetzt. Für einen Mann von 80 kg Körpergewicht sind das 0,2 mg Cadmium in der Woche. Für ein sechsjähriges Kind von 20 kg sind es 0,05 mg pro Woche. Beispiel: Ein Mann hätte mit zweieinhalb Packungen Sprüngli Grand Cru Maracaibo diesen Wert bereits überschritten. Und Cadmium steckt nicht nur in Schokolade, sondern auch in anderen Lebensmitteln wie Getreide, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten.

Das Labor hat auch geprüft, ob die Schokoladen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten. 16 Substanzen dieser Gruppe von Chemikalien gelten als besonders bedenklich. Sie können das Erbgut schädigen und im schlimmsten Fall Krebs auslösen.

10. Mai 2009 | Irène Mayr, Redaktion K-Tipp/saldo


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Getrübte Gaumenfreuden
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