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Test | K-Tipp 10/2009

Veloreifen

Ein guter Veloreifen soll vor Glasscherben, Reissnägeln und Konsorten schützen und erst noch langlebig sein. Im K-Tipp-Test schaffte das nur ein Modell mit der Note «sehr gut».

Für Velofahrerinnen und Velofahrer gibt es nichts Ärgerliches, als einen Plattfuss einzufangen. Wer sorgenfrei unterwegs sein möchte, wählt deshalb mit Vorteil einen möglichst pannenfesten Veloreifen. K-Tipp, «Velojournal» und «Kassensturz» testeten, welchen Reifen Scherben, Reissnägel und Dornen nichts anhaben. Weitere Kriterien im Test waren die Abnützung (Abriebfestigkeit) und das Gewicht.

Für den Test ausgewählt wurden elf Reifen der Grösse 37-622, passend auf 28-Zoll-Felgen, wie sie bei Alltags- und Tourenvelos zum Einsatz kommen. Ziel des Tests war auch, herauszufinden, ob es sich lohnt, einen teuren Reifen mit speziellem Pannenschutz zu kaufen, oder ob günstige Reifen ihren Dienst genauso tun. Deshalb wurden bei der Auswahl vielverkaufte Pneus berücksichtigt, unabhängig davon, ob sie sich durch eine spezielle Pannenfestigkeit auszeichnen oder nicht.

Das Gesamturteil «sehr gut» erreichte nur ein Reifen: der Vittoria Randonneur Cross. Er erzielte das beste Ergebnis bei der Pannenfestigkeit. Auch bei der Abriebfestigkeit und beim Gewicht erreichte der Vittoria-Reifen gute Noten. Und sein Preis kann sich sehen lassen: Mit 34 Franken bewegt er sich im Mittelfeld aller Pneus im Test. Deren Preise liegen zwischen 10 und knapp 60 Franken.

Der häufigste Grund für einen Plattfuss sind scharfkantige Glasscherben. Vier Reifen bieten sehr guten Schutz dagegen: Vittoria, Vredestein, Schwalbe Marathon und DuroTire. Zu den Pannen-Klassikern gehören auch Reissnägel oder andere feine Nägel. Sie haben beim Schwalbe Marathon Plus aufgrund seiner dicken Pannenschutzeinlage keine Chance. Auch Testsieger Vittoria hat damit keine Mühe. Neben einem guten Pannenschutz sollte ein Reifen auch langlebig sein. Der «Velojournal»-Experte hat geprüft, ob die Reifen schnell ihr Profil verlieren oder nicht. «Gut» punkto Abriebfestigkeit sind Testsieger Vittoria, Vredestein, Schwalbe Marathon Plus, Michelin und CST.


Pannenfeste Reifen sind oft schwerer

Häufig erkauft man sich die Pannenfestigkeit mit einem höheren Gewicht des Reifens. Denn die Hersteller bauen zum Teil sehr aufwendige Pannenschutzeinlagen ein. CST, der leichteste Reifen im Test, bringt gerade mal 610 Gramm auf die Waage, während der Schwalbe Marathon Plus 840 Gramm wiegt. Das beste Gewicht-Pannenschutz-Verhältnis hat der Vittoria: Dieser Reifen verfügt trotz seiner nur 650 Gramm über eine sehr gute Pannenfestigkeit.

Drei Reifen schnitten mit dem Gesamturteil «ungenügend» ab: Bike Equipment Scylla von der Migros, der über den Fachhandel vertriebene Reifen Hutchinson Globetrotter Protect-Air und der Coop-Reifen Fortune. Sowohl bei der Pannenfestigkeit wie auch beim Abrieb können sie nicht mit den übrigen Reifen im Test mithalten.


Migros will Qualität des Reifens überprüfen

Migros-Sprecherin Monika Weibel zeigte sich erstaunt über die schwachen Werte bei der Pannen- und Abriebfestigkeit. Man werde die Ergebnisse überprüfen und allenfalls die Qualität des Pneus überarbeiten oder ihn durch ein Alternativprodukt ersetzen. Allerdings gelte es den mit Fr. 14.90 günstigen Preis des Reifens zu beachten. Martin Brych, Product Manager bei Velok, welche die Hutchinson-Produkte in der Schweiz vertreibt, schreibt, dass sich dieser Reifen sehr gut bewährt habe. Dennoch werde Velok das Sortiment mit besseren Reifen erweitern.

Ähnlich tönt es bei Coop: Das getestete Modell habe keinen Pannenschutz und man werde das Sortiment mit entsprechenden Reifen erweitern. Continental schreibt, dass es sich bei Contact-Reifen um ein Allroundprodukt handle. Wer Wert auf Pannenschutz lege, sei mit dem Touring Plus besser bedient.


Pannen: Nicht immer ist der Reifen schuld

Tipps des «Velojournals», wie man sich vor einem Platten schützen kann:

  • Auf genügend Reifendruck achten und diesen regelmässig überprüfen. Ist zu wenig Luft im Pneu, kann der Schlauch beim Überfahren von Randsteinen oder Tramschienen zwischen Pneu und Felge gequetscht und beschädigt werden.
  • Oft sind schlechte Felgenbänder Grund für eine Panne. Das Felgenband schützt den Schlauch vor Verletzungen durch die Felge. Weil es von aussen nicht sichtbar ist, sparen die Hersteller oft an der Qualität. Wer also häufig einen Platten einfährt, sollte das Felgenband kontrollieren und es allenfalls auswechseln.
  • Auch Ventile können Pannen verursachen. Beim Bremsen verdreht sich der Pneu oft ganz leicht gegen die Felge. So kann es passieren, dass das in der Felge verankerte Ventil abreisst. Das kann verhindert werden, indem man den Schlauch vor dem Montieren kräftig mit Talkpuder einreibt.
  • Hat man einen Plattfuss eingefangen, sollte man den Pneu auf Fremdkörper kontrollieren und diese entfernen, bevor man den neuen Schlauch einsetzt.



So wurde getestet

  • Pannenfestigkeit: Der Reifen wurde auf der Testeinrichtung befestigt, danach prallten die «Eindringlinge» aus diversen Höhen auf den Reifen. Ermittelt wurde, bis zu welcher Fallhöhe der Reifen einem Durchstich standhält. Ein elektronischer Kontakt unter dem Reifen registrierte den Durchstich. Die Pannenfestigkeit wurde auf dem Profil und an den dünneren Stellen dazwischen ermittelt.

    Der Pannenschutz gegen Scherben wurde mit einer zwei Millimeter dicken, scharfkantig abgeknipsten Velospeiche getestet, ein Zahnstocher simulierte den Einstich von Dornen, mit einem 8 Millimeter langen und 1,1 Millimeter dicken Nägelchen wurde die Wirkung eines Reissnagels nachgeahmt. Stellvertretend für dicke und spitze Gegenstände kam ein 1,6 Millimeter dicker Stahlnagel zum Einsatz. Ob und wie rasch Glasscherben sich ins Profil eingraben und es durchdringen können, wurde getestet, indem wiederholt auf die abgeknipste Speiche geschlagen wurde. Schliesslich wurde auch die Pannenfestigkeit der Reifen getestet, nachdem diese bereits gebraucht waren. Die Kriterien Glasscherben und Reissnägel wurden für die Teilnote Pannenfestigkeit am stärksten gewichtet.
  • Abriebfestigkeit: Die Reifen wurden fest auf Holzformen aufgespannt und an einem Veloanhänger befestigt, sodass sie mit 500 Gramm auf den Boden drückten (Bild im pdf-Artikel). Danach wurden sie mit einer Geschwindigkeit zwischen 7 und 10 km/h über verschiedene Beläge wie groben und feinen Asphalt, Kies und Beton geschleift. Die Teststrecke betrug 10 Kilometer. Dies entspricht in etwa 5000 bis 7000 Kilometern Fahrstrecke unter Alltagsbedingungen.

19. Mai 2009 | Jeannette Büchel, Redaktion K-Tipp/saldo


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Nur ein Reifen ist rundum robust
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