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Er hat bei Time Life nie ein Buch bestellt. Trotzdem erhielt Flavio Stragiotti in den letzten zwei Jahren zwölf Rechnungen und Mahnungen.
Der Ärger begann Anfang 1998: Flavio Stragiotti hatte einen vierwöchigen Surftrip nach Südafrika gebucht. "Kurz vor der Abreise erhielt ich - welch ein Zufall - von Time Life ein Buch über Südafrika zugestellt", erinnert er sich. Dabei wollte ihm der international tätige Bücherdienst nicht nur den Band über das Land an der Südspitze Afrikas schmackhaft machen. "Das Schönste ist", stand im Schreiben vom 26. Februar 1998, "Sie können schon heute der Supergewinner sein und den riesigen Summe von 1,6 Millionen Dollar gewonnen haben!"
Diverse Mahnungen und Androhung von rechtlichen Folgen
Nicht nur das fehlerhafte Deutsch störte ihn, auch die Rechnung von Fr. 44.75 für das nicht bestellte Buch empfand Flavio Stragiotti als Frechheit.
Nichts Böses ahnend legte er Buch und Rechnung beiseite. Doch Flavio Stragiotti rechnete nicht mit der Unverfrorenheit von Time Life. Am 6. Mai erinnerte ihn der Bücherdienst an den ausstehenden Saldo.
Flavio Stragiotti reagierte nicht. Das veranlasste Time Life am 30. Juli zur zweiten Mahnung. Dann schaltete der Bücherdienst die Inkasso-Firma Intrum Justitia ein. "Fair Pay ... Bitte!", schrieb diese am 2. September und forderte den Betrag von Fr. 65.80. Weiter gings: Am 23. September verschickten die Geldeintreiber die "Letzte Mahnung". Mit der Drohung, die Unterlagen einem Anwalt zu übergeben.
Prompt erhielt Flavio Stragiotti am 21. Oktober eine vom Zürcher Anwalt Hans H. Schmid unterzeichnete Rechnung über Fr. 66.10. Gleichzeitig drohte ihm dieser gerichtliche Schritte an.
Noch immer kein Ende: Am 22. Januar 1999 meldete sich erneut die Intrum Justitia: "Ist es diese Forderung wert? Sie riskieren einen namentli-chen Eintrag im zentralen Negativdatenpool der Int-rum Creditcontrol AG und der KISSdirect AG." Um Stragiotti einzuschüchtern, setzten die Geldbeschaffer Druck auf: "Diese Bonitätsdatenbank wird von vielen Schweizer Unternehmen zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit ihrer Kunden benutzt. Tun Sie deshalb etwas für Ihre Kreditwürdigkeit!"
Flavio Stragiotti liess sich nicht beeindrucken. Was die Intrum Justitia am 22. März 1999 zu folgender Reaktion veranlasste: "Schade, dass Sie nicht reinen Tisch gemacht haben. Aber es ist noch nicht zu spät!"
Time Life lässt keine Möglichkeit aus, ans Geld zu kommen
Stragiotti blieb hart. Aber auch die Gegenseite bewies Ausdauer: Am 2. Juni bekam Stragiotti Post von Anwalt Schmid. Er verlangte Fr. 67.45 und drohte abermals mit Registrierung und Betreibung. Ende Juni war die Reihe wieder an der Intrum Justitia. Diesmal versuchte sie es auf die versöhnliche Art: "Es gibt Gläubiger, die es mit der Zeit aufgeben, ihrem Guthaben nachzurennen. Bei Bezahlung innert 30 Tagen gewähren wir Ihnen einen Per-Saldo-Rabatt von 20 Prozent!" Wenn er die 30-Tage-Frist verpasse, werde wieder der gesamte Forderungsbetrag fällig.
Stragiotti liess auch diese Frist verstreichen. Er war nicht überrascht, als am 25. August eine Rechnung über 68 Franken in seinem Briefkasten lag. Einen Monat später schrieb ihm die Inkasso-agentin Bettina Leuthard: "2000! Beginnen auch Sie neu, damit Sie frei und unbeschwert ins neue Jahrtausend gehen können. Beiliegend erhalten Sie einen Einzahlungsschein." Flavio Stragiotti denkt nicht daran, diesen zu benutzen.
Max Fischer
15. März 2000
