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Rund 750 000 Personen in der Schweiz leiden an Verdauungsproblemen - die Ursachen sind jedoch weitgehend unbekannt.
Berna Zwicky, 42, eine schlanke, gesund aussehende Spanien-Schweizerin, gehört zu den schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, die an Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung und Durchfall leiden. Ihr persönliches Problem: Verstopfung.
"Im Notfall hilft nur die dreifache Dosis von Abführmitteln"
"Für mich ist es normal, dass ich acht bis neun Tage lang nicht aufs WC kann, im Extremfall dauert es 14 Tage. Die ersten sechs Tage habe ich kaum Beschwerden, doch dann wird der Bauch dick und hart, ich fühle mich schwer und es ist mir nicht mehr wohl." Wenn es so weit ist, hilft sie sich mit Abführmitteln, die dreifache Menge der empfohlenen Dosis. Nach acht Stunden treten Bauchkrämpfe ein, dann schliesst sie sich für eine halbe Stunde in der Toilette ein. Nachher fühlt sie sich wieder "sauber".
Die zeitlichen Abläufe hat sie gut im Griff. Wenn sie etwas Wichtiges vorhat, sorgt sie rechtzeitig für die Darmentleerung. "Es ist mir allerdings auch schon passiert, dass ich beim Einkaufen von Krämpfen überrascht wurde. Dann muss ich sofort die nächste Toilette aufsuchen. Das ist wie ein Notfall."
Verstopfung und abwechselnd Verstopfung/Durchfall sind die meistverbreiteten Formen des Reizdarms. Das Syndrom ist nicht lebensbedrohlich, kann jedoch die Lebensqualität der Betroffenen einschränken.
Berna Zwicky hat sich mit ihrem Reizdarm abgefunden. Diese Gelassenheit hat sie aber erst, seit sie sich gründlich untersuchen liess - inklusive Darmspiegelung. Sie hat sich lange von ihrem Arzt missverstanden und wie eine Simulantin behandelt gefühlt. Ihr Appell an Ärzte: Patienten ernst nehmen und nicht zu lange warten mit weiteren Untersuchungen. "Für uns Patienten ist das ein dauernder Angstzustand. Es hilft sehr, wenn man weiss, was man hat." Die Diagnose Reizdarm wird erst gestellt, wenn man andere Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs, ausschliessen kann.
Dauernd Medikamente schlucken will Berna Zwicky nicht, da sie auch einen empfindlichen Magen hat. Von Diät hält sie wenig. Es ist nach wie vor nicht klar, ob das Essen an ihrer Verstopfung schuld ist. Erst verdächtigte sie die Umstellung von der spanischen auf die schweizerische Küche, was sich als unbegründet erwies. Sie strich Weissbrot von ihrem Menüplan und ass nur noch sehr wenig Salat. Salat verursachte bei ihr Blähungen. Sonst verzichtet sie auf nichts.
Berna Zwicky vermutet, dass ihre Veranlagung vererbt ist. Ihre Mutter litt auch an Verstopfung.
Keine grossen Hoffnungen auf Besserung
Die Frage nach Stress oder Überforderung als mögliche Gründe verneint sie. "Ich lasse lieber den Staubsauger einmal im Kasten, setze mich dafür hin und mache in aller Ruhe Handarbeiten." Fitnesstraining als Freizeitbeschäftigung? "Nichts für mich, dafür bin ich zu faul. Ich habe im Beruf genug Bewegung!" Sie arbeitet in einem lebhaften Molkereibetrieb.
Berna Zwicky hat sich bei der neu gegründeten Selbsthilfegruppe IGIBS angemeldet. "Ich möchte wissen, was andere machen, vielleicht haben sie Tipps für mich. Und in der Gruppe wird man sicher ernst genommen." Sie macht sich allerdings keine übertriebenen Hoffungen: "Ich glaube nicht, dass es in Zukunft besser wird, ich fürchte, eher schlechter. Aber ich richte mich damit ein."
Hildegard Bösch-Billing
01. März 2000
