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Jahrelang deckte ein Filialleiter der Credit Suisse die dubiosen Geschäfte der Zürcher Refintra AG. Jetzt läuft eine Strafuntersuchung gegen die Anlagefirma.
Für die Finanzhaie ist das Futter knapp geworden. Wer auf Kundenfang gehen will, muss schlauer sein als die anderen - und den richtigen Geschäftspartner finden. Dies ist der Refintra AG aus Zürich gelungen. Die Anlagefirma, die im letzten Dezember Konkurs gegangen ist, gab sich bei verunsicherten Kunden telefonisch als "Partnerbank der Credit Suisse" aus.
Kunden oft erst durch Referenz der CS überzeugt
Der CS ist das peinlich. 40 Gläubiger meldeten beim Konkursamt ihre Forderungen an - die Zürcher Bezirksanwaltschaft hat gegen die Refintra eine Strafuntersuchung eingeleitet. Jetzt wird immer deutlicher, wie schamlos ihre Methoden waren:
- Die Angestellten gaben sich falsche Namen und verfügten über keine Fachausbildung.
- Sie lockten mit unglaublichen Renditeversprechen (30 bis 40 Prozent pro Jahr).
- Die Abrechnungen waren undurchsichtig.
- Wenn ein Kunde aussteigen wollte, hat er nur noch Verluste erlitten.
Beispielsweise Kleinunternehmer Fritz von Ow aus Hinwil: Er hat zwischen 1998 und 1999 140 000 Franken in die Refintra investiert - nachdem er zuvor lange gezögert hatte. Überzeugt habe ihn eine telefonische Referenz des Leiters der CS-Filiale Zürich-Wiedikon, Christian Siegfried. "Er sagte, ich solle nicht so Angst haben. Die Refintra arbeite sehr gut. Wenn er Geld hätte, würde er es auch bei der Refintra investieren."
Michel Wehrli, der Anwalt von rund 24 Refintra-Geschädigten, hat aufgelistet, mit welchen Tricks die Firma ihre Kunden geködert hat. Immer wieder kommt dabei die Credit Suisse vor. In seiner Eingabe beschreibt er einzelne Fälle. Zum Beispiel: "Der Anleger hat seine Investition erst nach einer Referenz bei der CS-Filiale Zürich-Wiedikon getätigt." Oder: "Eine Anfrage über die Finanzlage der Refintra wurde durch Herrn Siegfried verharmlost."
Rolf Kränzlin vom Hauptsitz der Credit Suisse bestreitet die Vorwürfe. "Es ist zutreffend, dass sich vereinzelte Anleger bei Mitarbeitern der Geschäftsstelle Wiedikon nach der Refintra AG erkundigten. Es wurden jedoch zu keinem Zeitpunkt Empfehlungen betreffend der Refintra AG abgegeben."
Vorwurf an die CS: Unterlassene Risikoaufklärung
Allerdings: Kassensturz liegen über zehn Fälle vor, die das Engagement der CS-Filiale gegenüber dubiosen Anlagefirmen bekräftigen. Und dies nicht nur im Fall Refintra. Auch der dubiosen Anlagefirma Perfocon aus Cham ZG half die Grossbankfiliale, Vertrauen gegenüber den Kunden zu schaffen.
Ein Rentner aus Süddeutschland war zur Vertragsunterzeichnung extra in die CS nach Zürich-Wiedikon gefahren. Innerhalb von zwei, drei Minuten unterschrieb er die Papiere im Beisein von Christian Siegfried und wurde wieder hinauskomplimentiert.
Resultat: Innerhalb eines halben Jahres verlor der Anleger seine 100 000 Mark. Nun geht er mit einer Anwältin gegen die CS vor.
Vorwurf: Unterlassene Risikoaufklärung. Die CS beruft sich darauf, die Informationspflicht obliege dem externen Vermögensverwalter.
Klar ist: Die Rolle der Grossbankfiliale wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein. So jedenfalls steht es in der Eingabe des Anwalts, der die geprellten Refintra-Kunden vertritt.
Thomas Vogel
26. April 2000
