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Artikel | K-Tipp 8/2000

Mieses Geschäft mit Jobsuchenden

 

Die Firma Heim-Arbeit Index täuscht Interessenten mit irreführenden Inseraten.
Die Firma Heim-Arbeit Index Luzern macht Arbeitsuchenden Hoffnung. Doch wer sich meldet, wird erst einmal zur Kasse gebeten.

Die gelernte Zahntechnikerin Iris Fischer aus Flawil SG suchte gezielt eine Heimarbeit. Dabei fiel ihr das Inserat der Firma Heim-Arbeit Index Luzern auf: "Laufend Heimarbeit zu vergeben in der ganzen CH." Sie meldete sich.

Einen Job bekam Fischer nicht, dafür ein Anmeldeformular und einen Einzahlungsschein. Für 90 Franken, hiess es, würde ihre Adresse ein halbes Jahr lang im Internet publiziert. Dort könnten interessierte Firmen die Namen der Stellensuchenden abrufen.

Iris Fischer wartete auf ein Angebot. "Aber statt einer Arbeit bekam ich jetzt einen zweiten Einzahlungsschein fürs nächste halbe Jahr. Irgendwie kommt mir das komisch vor."

Nicht nur ihr. Auf die Tätigkeit der Heim-Arbeit Index ist auch der Schweizerische Verband für Heimarbeit (SVH) und das Luzerner Arbeitsamt (Kiga) aufmerksam geworden. Denn: Wer Stellen vermittelt, braucht dazu eine Bewilligung, die verschiedene Auflagen mit sich bringt. So dürfen Stellenvermittler zum Beispiel nicht mehr als 40 Franken Einschreibegebühr für ihre Tätigkeit verlangen.

Das jedoch passte der Postfach-Firma Heim-Arbeit Index nicht. Flugs verkaufte sie sich deshalb ins Liechtensteinische an die Firma Global Work Connection (GWC) - ebenfalls mit Postfachadresse - in Vaduz.


"Ich lasse mich nicht von Beamten gängeln"

Adam Krbalek aus Baar ZG, Hauptdrahtzieher der immer noch fleissig inserierenden Heim-Arbeit Index, begründet das so: "Ich lasse mich von Beamten nicht gängeln." Deshalb betreibe jetzt halt die GWC die Internet-Seiten mit den Stellensuchenden. Kein Wunder, sehen sich nun SVH und Kiga in ihrem Verdacht bestätigt: "Es geht nicht, dass Stellensuchende auf diese Weise ausgenützt werden", sagt Markus Studer vom Kiga in Luzern.

Recherchen des K-Tip unterstützen diesen Verdacht.

° Heim-Arbeit Index und die daran beteiligte NTL Noble Trade Ltd. (beide von Adam Krbalek gegründet) geben im Handelsregister als Adresse die Denkmalstrasse 7 in Luzern an. Nur: Dort kennt niemand die Firmen. Krbalek: "Ich habe dort als Büro halt nur ein kleines Zimmer ohne Telefon."

° Die NTL Nobel Trade Ltd. betreibt an der Bergstrasse 13 in Luzern ein Büro. Dort meldet sich allerdings seit Tagen nur ein Telefonbeantworter. Und mehrere persönliche Besuche endeten vor verschlossener Tür. "Das wundert mich", sagt Krbalek. "Da müsste eigentlich jemand sein."

° Vom laut Krbalek bereits am 1. November getätigten Verkauf der Heim-Arbeit Index an die GWC in Vaduz weiss das Luzerner Handelsregisteramt nichts. Die hätten dort halt nicht alles im Griff, kommentiert Krbalek.

° Er selbst offensichtlich auch nicht. Seine Kenntnisse über die GWC, für die seine Heim-Arbeit Index jetzt arbeitet, sind mehr als mangelhaft: "Tut mir Leid. Mir sind bei der GWC keine Namen bekannt. Ich weiss nicht, wer hinter dieser Firma steckt."

° Ebenso wenig kann Krbalek darüber Auskunft geben, wie erfolgreich seine Form der Stellenvermittlung per Internet ist. "Ich habe keine Zahlen, dafür aber Dankesbriefe, die zeigen, dass Leute durch uns Arbeit gefunden haben."

° Wenig Vertrauen weckt auch die Tarifpolitik der Heim-Arbeit Index. Mal schickt sie für den Internet-Eintrag Rechnungen von 90, mal von 120 Franken. Sein Unternehmen müsse die Schmerzgrenze abtasten, begründet Adam Krbalek dieses Vorgehen.

Diese seltsame Art der Rechnungsstellung war für Krbaleks Firmen bisher einträglich. Seit der Gründung der Heim-Arbeit Index im Sommer letzten Jahres haben sich über 1600 Menschen aus der ganzen Schweiz hoffnungsvoll auf deren Internet-Seiten eintragen lassen. Insgesamt flossen so mehr als 150000 Franken in die Kasse des dubiosen Stellenvermittlers.


Heim-Arbeit Index muss mit Strafanzeige rechnen

Beim Kiga Luzern hat man mittlerweile genug vom seltsamen Geschäftsgebaren der Heim-Arbeit Index. Unterstützt vom Bundesamt für Wirtschaft und Arbeit bereitet es jetzt eine Stra

19. April 2000


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