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Artikel | K-Tipp 4/2000

Bäume unten - Preise oben

Sturmholz: Konsumenten können von Tiefstpreisen auf dem Holzmarkt nicht profitieren.

Der Jahrhundert-Sturm "Lothar" hat uns Billigholz en masse beschert. Wer aber glaubt, dass jetzt die Preise für Möbel, Täferholz oder Parkettböden fallen, ist auf dem Holzweg.

Lothar" war ein tatkräftiger Holzfäller: 80 Millionen Kubikmeter Holz schlug der Orkan am 26. Dezember 1999 in Mitteleuropa zu Boden - davon 12 Mil-lionen Kubikmeter in der Schweiz. Prompt sind auch die Holzpreise im Grosshandel um 25 bis 50 Prozent gefallen. Sägereien, Spanplatten- und Papierfabriken können sich jetzt günstig eindecken.

Rund 600 Millionen Franken wollen Bund und Kantone für das Aufräumen und Aufforsten zur Verfügung stellen. Wenn so viel Steuergeld fliesst, wäre es nur recht und billig, wenn die Konsumenten davon profitieren könnten - mit Preisabschlägen bei Möbeln, Schränken, Einbauküchen oder Holzböden. Beim Schweizerischen Sägerei- und Holzindustrieverband (SHIV) winkt Generalsekretär Hanruedi Streiff jedoch ab: "Die Sägereien können die Preisabschläge nicht weitergeben, weil die Bearbeitung von Sturmholz einen höheren Aufwand nach sich zieht." Und es sei mit mehr Abfall zu rechnen.


Möbel-Hersteller: "Kaum Spielraum für Abschläge"

Auch Walter Kunz von der Spanplattenfabrik Kronospan in Menznau LU zeigt keine Bereitschaft, den Preissturz an die Konsumenten weiterzugeben: "Die Hersteller von Einbauschränken und -küchen kämpfen mit geringen Margen und haben kaum Spielraum für Preisabschläge." Und für edlere Möbel eigne sich das beim Sturm gefällte Holz ohnehin nicht.

Ein Fünkchen Hoffnung auf Preisreduktionen darf der Konsument bestenfalls "bei minderwertigen Holzprodukten" hegen, versichert Hansruedi Streiff. Billigeres Cheminéeholz also?

In der Migros wie bei Coop lautet das Verdikt: Kein Preisabschlag! Coop-Pressesprecher Karl Weisskopf begründet: "Bevor wir Chemi-néeholz verkaufen, muss es zwei Jahre lang getrocknet werden." Prognosen über den Preisstand im Jahre 2002 wollen die beiden Grossverteiler allerdings nicht abgeben.


Cheminéeholz: Der Direktkauf lohnt sich

Verheissungsvoller tönt es bei der Korporation Sempach LU. Förster Valentin Stäheli: "Wir werden in zwei Jahren das Ster Cheminée-holz - das entspricht 500 Kilo - fünf Franken billiger verkaufen."

Im Moment zahlt man für 500 Kilo zwei Jahre gelagertes Holz 125 Franken - ein vorteilhafter Preis, wenn man mit Migros und Coop vergleicht. Dort kosten nämlich 15 Kilogramm fürs Kaminfeuer getrocknetes Buchenholz 11 Franken (Migros) respektive Fr. 11.90 (Coop).

Die Rechnung ist schnell gemacht: In Sempach - wie übrigens auch im Direktkauf bei vielen anderen Waldbesitzern - kostet heute das Cheminéeholz nur gut -ein Drittel des Preises, den Grossver-teiler dafür verlangen. Da lohnt es sich immer noch, mit dem Auto direkt zum Lagerplatz zu fahren und beim Aufladen eventuell selber anzupacken.

23. Februar 2000


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