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Artikel | Gesundheits-Tipp 5/2000

Prävention: Krankenkassen-Gelder gehen zum Teufel

Millionen fliessen in umstrittene Gesundheitsförderung

Prämienzahler müssen 17 Millionen Franken jedes Jahr an die Volksgesundheit zahlen. So steht es im Gesetz. Die "Stiftung 19" verteilt das Geld. Doch wie sie das tut, stösst vielen Fachleuten sauer auf.

Kennen Sie "Dr." Luzi Fehr, den Teufel im weissen Doktorkittel? In Inseraten und Werbespots gibt er zynische Ratschläge - gegen die Gesundheit. Zum Beispiel: "Gehen Sie nie zu Fuss." Oder: "Friss das Doppelte." Oder: "Arbeiten Sie Tag und Nacht ohne Pause."

Nichts müssen Sie ihm glauben - sondern aus Trotz das Gegenteil tun. Genau das soll Luzi Fehr bewirken. Der teuflische Doktor ist Hauptdarsteller einer Kampagne der Stiftung für Gesundheitsförderung, kurz Stiftung 19. Sie hat vom Staat den Auftrag, die Gesundheit der Schweizerinnen und Schweizer zu verbessern.

Die Stiftung lebt von den Krankenkassenprämien. Jedes Jahr bezahlen alle Schweizer unfreiwillig Fr. 2.40 von ihren Prämien in die Stiftung ein. So will es das Krankenversicherungsgesetz. Ein kleiner Betrag zwar, aber auf diese Weise läppern sich jedes Jahr rund 17 Millionen zusammen.


Stiftung hockt auf über11 Millionen Franken

Doch wer den Ratschlag eines Doktors am dringendsten benötigt, ist die Stiftung selber. Die Kritik an ihr hört nicht auf. Fachleute aus dem Gesundheitswesen bemängeln, wie die Stiftung die Gelder aus den Krankenkassenprämien verwaltet.

Bis heute ist die Stiftung nicht in der Lage, das Geld effizient für gesundheitsfördernde Projekte zu investieren. Das meiste Geld muss sie als Reserven abbuchen und zurückhalten. Über 11 Millionen waren es 1998, im vergangenen Jahr war es ähnlich viel, wie Catherine Perrin, Mitglied der Stiftungs-Geschäftsleitung, bestätigt.

Für Gerhard Kocher von der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik ist unverständlich, dass überhaupt noch Geld übrig bleiben kann: "17 Millionen sind doch nicht zu viel für die Prävention. Es ist eher zu wenig. Die Stiftung muss mögliche Gesuchsteller viel aktiver einladen."

Catherine Perrin verteidigt sich: "Es ist nicht immer leicht zu bestimmen, was Gesundheitsförderung ist." Längst nicht alle Projekte, die mit Gesundheit zu tun hätten, seien auch gesundheitsfördernd: "Deshalb war es für die Stiftung schwierig, alles Geld für Projekte auszugeben."

Die Stiftung hat reagiert: Seit kurzem ist sie neu organisiert. Neben Perrin sitzen heute drei weitere Direktoren in der operativen Geschäftsleitung.

Doch die Kritiker sind nicht verstummt. Vielen stösst noch immer sauer auf, wie die Stiftung das Geld verwaltet. Vorwürfe kommen auch aus den eigenen Reihen. Stiftungsratsmitglied Ueli Müller vom Konkordat der Schweizerischen Krankenversicherer sagt: "So kann es nicht weitergehen. Die Stiftung war bis heute eine reine Geldverteilungsmaschine." Bis jetzt würden nämlich Gesuchsteller einfach ihre Projekte einreichen. So bestimme der Zufall mit. Um effizient und in Konzepten arbeiten zu können, so Müller, müsste die Stiftung selber Projekte ausarbeiten und diese dann gezielt ausschreiben. "Nur so kommt etwas Ganzes heraus."


Patientenorganisationengehen leer aus

Unzufrieden sind vor allem auch die Patientenorganisationen. Viele von ihnen müssen ums finanzielle Überleben kämpfen - ohne von den Millionen auch nur einen Rappen zu sehen. Dabei stehen sie unmittelbar mit den Betroffenen und Patienten in Kontakt. Auch in der Stiftung sind sie nicht vertreten.

Margrit Kessler von der Schweizerischen Patienten-Organisation sagt: "Das finde ich nicht richtig." Auch Ruth Dual Rüegg vom Dachverband der Schweizerischen Patientenstellen ärgert sich: "Wir beraten über 4500 Patienten im Jahr am Telefon und gehen ebenfalls leer aus. Das macht mich wütend." Präventivmediziner und Stiftungsratsmitglied Theo Abelin sagt dazu: "Diese Organisationen wirken nicht in erster Linie präventiv."

Bei anderen Projekten, welche die Stiftung 19 unterstützt, steht die Prävention allerdings auch nicht an erster Stelle. So kassiert zum Beispiel Fernsehdoktor Samuel Stutz für seine umstrittene Sendung "1xtäglich"

28. April 2000


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