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Artikel | saldo 8/2001

Entscheidende Unterschiede bei den Bremsen

Die neuen Inline-Skates haben mit den Urmodellen nichts mehr gemein. Sie sind viel komfortabler und bringen mehr Fahrspass. Im Qualit?tstest schneiden 12 von 16 Modellen gut ab.

Es hat sich in kurzer Zeit zu einer der beliebtesten Freizeitsportarten gemausert: das Inline-Skating. Die Mischung aus Fahrvergn?gen und gelenkschonendem Training begeistert nicht nur Freizeitsportler. Speed-Skater und Inline-HockeySpieler hoffen sogar, dass sie zu den Olympischen Spielen von 2008 zugelassen werden.

Die F?d?ration Romande des Consommateurs (FRC) hat sich an einem internationalen Gemeinschaftstest der europ?ischen Konsumentenorganisationen beteiligt. Gepr?ft wurden 13 Inline-Skates der Standardklasse und 3 Speed-Skates (f?r Hochgeschwindigkeitsl?ufe) mit Preisen zwischen 239 und 750 Franken. Das Resultat ist sehr erfreulich: Drei Viertel aller Skates passieren den Test mit der Note gut.

Die Testequipe von acht L?uferinnen und L?ufern pr?fte die Inline-Skates auf Herz und Nieren. Jeder Skate wurde auf verschiedenen Oberfl?chen wie feinem und grobem Asphalt, Betonplatten oder Bordsteinkantengefahren. Ob bergauf, h?gelab oder auf ebener Strecke – am Ende der Testphase betrug das Gesamtpensum f?r jedes Inline-Skate-Modell 200 Kilometer. Harte Arbeit also f?r die Testl?uferinnen und -l?ufer, zumal in Florida, wo der Praxistest im Januar durchgef?hrt wurde, hochsommerliche Temperaturen bis zu 30 Grad herrschten.


Schnelle Skates brauchen viel weniger Kraft

Im Praxistest wurde gemessen, wie schnell derselbe L?ufer bei genau gleicher Anstrengung mit unterschiedlichen Inline-Skates die Teststrecke hinter sich bringt. Denn mit schnellen Skates l?sst sich einiges an Zeit und Kraft sparen.

Die Schnellsten im Test waren die K2-Modelle Velocity Titanium und Cirrus, die Rollerblade-Modelle Core XTV und Pro 05 sowie Ultrawheels Rodeo. Am Schluss der Geschwindigkeits-Rangliste lagen Salomon Sequence und Roces LAX Los Angeles.

Gerade weil Inline-Skater schnell unterwegs sind, birgt der Sport auch Gefahren – sowohl f?r Fahrerinnen und Fahrer wie auch f?r andere Verkehrsteilnehmer. Wendigkeit und effektive Bremsen sind deshalb unabdingbare Eigenschaften guter Inline-Skates.

Rasche Ausweichman?ver sind nur mit wendigen Skates m?glich. Deshalb stand f?r die Testfahrer ein Hindernisparcours auf dem Programm. Dieser konnte zwar mit allen Testmodellen absolviert werden, jedoch nur in unterschiedlicher Geschwindigkeit und mit abweichendem Kraftaufwand der Fahrer. Am meisten M?he hatten die Testerinnen und Tester mit den Speed-Skates. Das zus?tzliche f?nfte Rad beeintr?chtigt die Wendigkeit der Skates erheblich. Deswegen wurden Tecnica Phantom 5 W und Bauer Speed 9.0 in diesem Kriterium nur mit «ausreichend» bewertet.

Ein weiterer Punkt: die Bremsen. Im Praxistest wurde die Distanz gemessen, welche die Fahrer aus Tempo 20 km/h bis zum Stillstand brauchten. Gebremst wurde mit der Fersenbremse; wo diese fehlte (Speed-Skates), mit der so genannten T-Brake, bei der man einen Fuss quer hinter sich herzieht und mit den Rollen bremst.

Die Fersenbremse funktionierte bei den meisten Modellen sehr gut. Die gemessene Bremsdistanz im Test variiert bei den Standardmodellen von 2,3 Metern (Fila Ft 81) bis zu 4,8 Metern (Ultrawheels XT 5). Ein ge?bter Inline-Skater kann mit der Mehrheit der getesteten Modelle innerhalb einer Distanz von 3 Metern anhalten.


Gummistopper: Zur Zeit die effektivste Bremsvariante

Ein Vergleich der Bremstechniken zeigt, dass es zum Gummistopper noch keine wirkliche Alternative gibt. Die T-Brake ist schwieriger anzuwenden und auch weniger wirksam als der Stopper. Zudem schleift man damit die Rollen ungleichm?ssig ab. Mit knapp 7 Metern haben die Bauer-Speed-Skates die schlechteste Bremsleistung im Test. (Die Speed-Skate-Modelle von Salomon und Tecnica k?nnen optional mit Gummistoppern nachger?stet werden.)

Selbst der schnellste Inline-Skate macht keinen Spass, wenn er keinen Fahrkomfort bietet. Das haben die Hersteller erkannt. Schwere Schalenschuhe geh?ren der Vergangenheit an. Heute sind Soft-Boots mit Schn?rsenkeln, Klettverschluss und verstellbaren Riemen angesagt. In der Kategorie Komfort und D?mpfung erzielten die meisten Inline-Skates denn auch gute Noten. Den besten Komfort bietet Rollerblade Core XTV. Mit dem Urteil gen?gend mussten sich Tecnica Mustang Luna, Ultrawheels XT 5 / XT 5 L, Tecnica Phantom 5 W und Bauer Speed 9.0 zufrieden geben. Eindeutig unbequem ist der Schuh des Roces-Modells. S?mtliche Testpersonen klagten ?ber Druckstellen bei den N?hten und der Fussspitze. Mit diesem Skate macht das Laufen definitiv keinen Spass – was ihm in Sachen Komfort ein «ungen?gend» einbrachte.


Bei drei Modellen brach im Labortest die Bremshalterung

Die Haltbarkeit der Skates wurde nach dem Praxistest ermittelt. Spuren der Abn?tzung zeigten sich bei den Modellen Salomon TR Vitesse und Bauer Speed 9.0. Weil bei diesen Speed-Skates mittels T-Brake gebremst werden musste, waren die Schuhe besch?digt. Bei den beiden Rollerblade-Modellen liessen sich die verstellbaren Riemen nicht mehr auf allen Stufen festmachen.

Schliesslich hatten sich alle Inline-Skates auch einer Laborpr?fung zu unterziehen. Hier wurden mechanische Festigkeit sowie Stopperverschleiss und Rollenabrieb ermittelt. Ein Dauerlauf auf der Noppenwalze und ein Schlagtest gegen die vordere Rolle und die Bremse simulierten allt?gliche Belastungen wie die Fahrt ?ber unebenes Gel?nde oder Trottoirkanten. Bei drei Modellen brach im Labor die Bremshalterung: Fila Ft 81, Ultrawheels Rodeo und Bauer X-Tra 6.0 wurden deshalb abgewertet.


Positiv aufgefallen: Schn?rsystem der Salomon-Modelle

Die Testerinnen und Tester beurteilten auch, wie gut sich die Schuhe an- und ausziehen lassen, wie bequem sie sind und wie gut sich Schnallen, B?nder und Riemen verstellen lassen. Mit einer Ausnahme erhielten s?mtliche Skates in diesem Bereich die Note gut. Einzig der Roces-Skate ?berzeugte die Tester nicht – er erhielt nur die Note gen?gend. Positiv aufgefallen ist den Testfahrern das Schn?rsystem der beiden Salomon-Modelle

Unter dem Testkriterium Handhabung wurde auch gepr?ft, wie leicht sich R?der und Stopper auswechseln lassen und welches Werkzeug dazu gebraucht wird. Nicht ganz einfach war das Auswechseln der Stopper bei den Rollerblade- und Tecnica-Modellen. Immerhin: Die R?der lassen sich bei s?mtlichen Testmodellen leicht wechseln.

Jeannette B?chel


Die franz?sische Version dieses Testberichts ist in der Mai-Ausgabe des FRC-Magazins «J’ach?te mieux» ver?ffentlicht. Diese ist f?r 7 Franken inklusive Porto zu beziehen bei FRC, Case postale 2820, 1002 Lausanne, Tel. 021 312 80 06



Tipps und Tricks - So finden Sie das richtige Modell

Um keine falsche Wahl zu treffen, gilt es beim Kauf von Inline-Skates einige wichtige Punkte zu beachten:

- Die Standardmodelle mit vier R?dern eignen sich f?r Freizeit, Spass und Sport. Speed-Skates mit f?nf R?dern eignen sich eher f?r Profis, die damit Hochgeschwindigkeitsl?ufe oder Marathons absolvieren.

- Harte Rollen (78A bis 82A) laufen auf glattem Asphalt am schnellsten, weiche Rollen (72A bis 76A) d?mpfen besser, was aber auf Kosten der Geschwindigkeit geht.

- Generell gilt: F?r lange Schienen eignen sich grosse Rollen (78 bis 82 Millimeter), f?r k?rzere Schienen kleinere Rollen (72 bis 76 Millimeter). Lange Schienen machen die Skates schneller, mit kleinen sind sie langsamer, daf?r wendiger.

- Die Lager sind in ABEC(Annular Bearing Engineers Commitee)-Klassen eingeteilt (siehe Tabelle). Diese Klassierung sagt lediglich etwas ?ber die Fehlertoleranzen aus. Wie gut ein Lager wirklich ist, h?ngt noch von Faktoren wie Rauheit und H?rte des Stahls und der Qualit?t von Schmierung und Dichtung ab. Beim Probelaufen l?sst sich mehr ?ber die Lager aussagen. Gefettete Lager drehen sich zu Beginn eher schwer – sie m?ssen zuerst eingelaufen werden.

- Kaufen Sie keine Skates ohne Gummistopper. Das ist die einfachste und wirkungsvollste Art, zu bremsen.

- Bei den meisten Standard-Skates gibt es Damen- und Herrenmodelle. Frauen haben zwar einen tieferen Wadenansatz und schmalere Leisten als M?nner. In der Praxis f?llt das aber wenig ins Gewicht, weil Inline-Skates nicht so hoch reichen wie beispielsweise Skischuhe. Deshalb: Kaufen Sie den Skate, der am besten sitzt. Egal, ob Damen- oder Herrenmodell.

- Zur Inline-Skate-Ausr?stung geh?ren Helm und Protektoren f?r Handgelenk, Knie und Ellenbogen. Damit l?sst sich bei einem Sturz das Verletzungsrisiko erheblich verringern. Protektoren sollten breite Befestigungsb?nder haben, luftdurchl?ssig sein und fest, aber nicht zu eng sitzen.

25. April 2001


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