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Kr?ftiges gesundes Haar mit der chinesischen Tinktur – wirkt auch bei fortgeschrittener Kahlheit»: Beim Lesen dieses Zeitungsinserats strich sich Hans Z. bek?mmert durch sein sch?tteres Kopfhaar und tr?umte von seinen vergangenen Locken. Ob sich der Versuch wohl lohnen w?rde?
Zwar kostete das Fl?schchen 189 Franken. Aber was war denn schon Geld im Vergleich zu einer prachtvollen M?hne! Hans Z. bestellte guten Mutes zwei Flaschen und begann die Kur, wobei er sorgf?ltig auf die genaue Anwendung nach Gebrauchsanweisung achtete. Doch er mochte seine Glatze polieren, wie er wollte. Es n?tzte so wenig wie der Mist auf d?rrem Boden.
Nach drei Monaten verlor Hans Z. neben seinen Haaren auch noch die Geduld und schickte die zweite Flasche – fast noch voll – an den Absender zur?ck.
Doch der Verk?ufer – es war nichts anderes zu erwarten – ignorierte den ?rger des Kunden. Dieser h?tte rechtlich auch kaum Chancen. So gelangte Hans Z. halt an saldo und forderte, L?gnern und Betr?gern dieser Sorte endlich den Mund zu stopfen.
An und f?r sich eine gute Idee – doch nicht einfach zu verwirklichen: Einmal g?be es f?r so viele L?genm?uler zu wenige Lappen, und zum anderen ist gegen solche Halbschwindeleien eh kein Kraut gewachsen.
Letztlich geht es mir nicht in erster Linie darum, M?uler zu stopfen, als viel mehr darum, denjenigen Ohren und Augen zu ?ffnen, welche blind an haarstr?ubende Wundergeschichten glauben.
Hans Ruedi Schmid
25. April 2001
