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Artikel | saldo 9/2001

Grossunternehmen - Auskünfte sind Mangelware

Sei es Maggi, Frisco oder Nestlé: alles bekannte Marken. Aber wie sozial und ökologisch verhalten sich ihre Hersteller? Eine Untersuchung gibt Auskunft.

Wer wissen wollte, wie sozial oder ökologisch sich Produzenten von Alltagsgütern verhalten, hatte es bis anhin nicht leicht. Untersuchungen oder eine vergleichende Auflistung von Firmen fehlten. Das Institut Ewiva - der Name steht für verantwortungsbewusstes Einkaufen, Investieren und Arbeiten - will dem nun abhelfen und hat als Erstes Nahrungsmittelhersteller durchleuchtet.

Konkret hat Ewiva 150 Unternehmen darum gebeten, einen Fragebogen auszufüllen und ihn zusammen mit Firmenunterlagen zurückzuschicken. 18 Unternehmen kamen der Aufforderung nach, weitere 11 stellten zwar Unterlagen zu, füllten aber den Fragebogen nicht aus. Dieser wollte in Erfahrung bringen, wie sich die Firmen in Bezug auf Ökologie, Arbeitsbedingungen sowie Gleichstellung verhalten.


Baer glänzt durch fortschrittliche Arbeitsbedingungen

Die Auswertung förderte Erstaunliches zu Tage. Am besten abgeschnitten hat die Maestrani AG: In Gleichstellung und Ökologie erfüllt sie umfassend die Kriterien, im Bereich Arbeit weit gehend. Noch vor wenigen Jahren sah es anders aus: Im Rahmen einer Nachdiplomarbeit an der Uni Zürich hat die Firma gar nicht gut abgeschnitten.

Auch die Baer AG hat die Nase vorn - aber nicht dort, wo man es erwartet. Die Firma, die für ihre ökologischen Anstrengungen bekannt ist, erfüllt zwar hier wie auch bei der Gleichstellung die Kriterien weit gehend, am besten steht sie aber bei den Arbeitsbedingungen da. Sie zeichnet sich bei der Orientierung und Bildung der Mitarbeiter sowie im Gesundheitsschutz aus.

Am schlechtesten schneidet die Olo Marzipan AG ab: Sie erfüllt die Kriterien überall nur unzureichend. Ein gutes Resultat erzielt sie einzig in der Bürostandort-Ökologie, beim Gesundheitsschutz sowie - in Sachen Gleichstellung - bei den Anstellungsbedingungen und ausserberuflichen Erfahrungen.


Selbstdeklaration: Angaben wurden nicht überprüft

Die Daten, welche der Auswertung zu Grunde liegen, basieren auf den Jahren 1998 und 1999. Das Institut Ewiva verliess sich auf die Selbstdeklaration der Befragten und prüfte die Angaben nicht nach. Besteht da nicht die Gefahr, dass Umstände beschönigt werden? Brigitta Hellat vom Institut Ewiva glaubt nicht, dass sich Firmen falsche Angaben leisten können, wenn die Resultate publik gemacht werden - weil das über kurz oder lang auffliegen würde. Jacqueline Bachmann, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, sieht das anders: «Durch Stichproben wird die Verlässlichkeit der Aussagen höher.»

Ein Beispiel dafür, dass die Angaben der Firma besser ausfallen können als die Wirklichkeit, ist die Bell Holding AG. Die Firma schneidet gemäss Befragung bei der Arbeit überdurchschnittlich gut ab. Tatsache ist aber, dass die Gewerkschaften im fraglichen Zeitraum für bessere Arbeitsbedingungen bei Bell kämpften. Beanstandet wurden die unter 3000 Franken liegenden Mindestlöhne, die vielen Feiertagseinsätze und Überstunden sowie die Praxis, das Ende der täglichen Arbeitszeit erst kurz vor Arbeitsschluss mitzuteilen.


Umfrage nicht ausgefüllt: Die Grossen klemmen

Unter jenen, die den Fragebogen nicht ausfüllten, befindet sich auch Denner. Die Firma beteilige sich an dieser Art von Umfragen nicht, teilte sie mit. Leitbilder und Geschäftsberichte seien vertraulich und würden nicht veröffentlicht. Die Nestlé-Töchter Frisco-Findus und Maggi verwiesen auf ihre Muttergesellschaft. Diese stellte zwar Broschüren zu, beantwortete aber die Fragen nicht, weil dies für die einzelnen Produktionsstätten schwierig sei. Und von der Migros hat nur die Bischofszell Nahrungsmittel AG den Fragebogen ausgefüllt: Nachdem die Chocolat Frey AG die Fragen nur mit Zustimmung der Zentrale beantworten wollte, hat die Migros die Weisung erlassen, dass ihre Unternehmen sich nicht an der Umfrage beteiligen.

Bernadette Scherer

Die Auswertung der Befragung kann bestellt werden bei: Institut Ewiva, Limmatauweg 9, 5408 Ennetbaden. Telefon 056 221 57 55, Fax 056 493 29 72, E-Mail institutewiva@gmx.ch

09. Mai 2001


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