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Artikel | saldo 9/2001

Vorverkauf - UBS-Tochter Ticketcorner kassiert gleich doppelt ab

Egal, ob Musical, Popkonzert oder Eishockeyspiel: Wer den Vorverkauf benützt, bestellt die Billette meist bei Ticketcorner. Und bezahlt dem Monopolisten zu hohe Gebühren.

Fans von Livemusik müssen tief ins Portemonnaie greifen. Nur noch selten sind Topstars unter 70 Franken zu sehen. Im kommenden Juni füllen zwei Grosse der Rockmusik das Zürcher Letzigrund-Stadion mit 40 000 Fans: AC/CD und Bon Jovi. Die günstigsten Karten kosten 82 Franken für AC/DC, 70 Franken für Bon Jovi. Zu den hohen Eintrittspreisen kommen meist noch Vorverkaufsgebühren hinzu. Für eine Billettbestellung per Telefon oder Internet verlangt Ticketcorner zusätzlich zum Billettpreis zwischen Fr. 9.70 und Fr. 14.50 Bearbeitungsgebühren.


Preisüberwacher findet die Gebühren zu hoch

Sue Hunziker aus Bettwil AG ärgert sich seit langem darüber: «Ich wohne auf dem Land und arbeite unregelmässig. Deshalb habe ich oft gar keine andere Wahl, als die Billette übers Internet zu bestellen. Jährlich muss ich so mindestens 90 Franken Bearbeitungsgebühren an Ticketcorner bezahlen.»

Auch Preisüberwacher Werner Marti hat sich vor knapp einem Jahr mit den Gebühren von Ticketcorner auseinander gesetzt. Er befand, dass die Aufpreise der UBS-Tochter zwar hoch sind, verzichtete aber aus Kapazitätsgründen auf eine genaue Überprüfung.

Der Branchenriese selbst verweist auf seine 200 Schalter in Musik- und Kaufhäusern, Poststellen und Bahnhöfen: Dort würden keine zusätzlichen Kosten für die Kunden anfallen. George Egloff, Geschäftsführer von Ticketcorner: «Gebühren von Fr. 14.50 mögen auf den ersten Blick hoch erscheinen. Nur sind in diesem Preis unsere Leistungen wie Beratung, Porto und Qualitätskontrollen inbegriffen.»

Doch ein zweiter Blick hinter die Tarife zeigt, dass Ticketcorner doppelt kassiert. Kassensturz liegt ein internes Papier vor, das detailliert aufzeigt, wie sich Ticketcorner bereits vom Konzertveranstalter seine Arbeit abgelten lässt. Für jedes Billett von 20 Franken Nennwert liefert der Veranstalter mindestens 3 Franken an die Vorverkaufsstelle ab. Diese Systemgebühr steigt parallel zum Billettpreis.

Ein Beispiel: Für die kubanische Tanzshow «Havanna Night» Ende April in Zürich kassierte die UBS-Tochter von den 125 Franken Eintritt bereits Fr. 8.50. Fans, die die Karten per Rechnung bestellten, zahlten zusätzlich Fr. 14.50 Vorverkaufsgebühren.

Selbst Popstar DJ Bobo gefällt diese Vormachtstellung nicht: «Ein Monopol ist nie gut. Es wäre besser, wenn es nebst Ticketcorner noch zwei, drei andere Anbieter auf dem Markt geben würde.»


Ticketcorner hat seine Mitbewerber aufgekauft

Doch die Konkurrenz für Ticketcorner ist rar geworden. Der Branchenriese hat seit 1998 drei seiner grössten Mitbewerber aufgekauft: Ticket4you, Fastbox und Ticketline. Verblieben sind kleinere Vorverkaufsstellen wie die Billettzentrale Bizz in Zürich oder Billetel in der Romandie. Diese beschränken ihr Angebot jedoch meist auf alternative Veranstaltungen und regionale Anlässe.

Seit Anfang April versucht ein neuer Anbieter in den Vorverkaufsmarkt einzusteigen, zumindest in der Westschweiz: Resaplus aus Genf. «Das ist wie David gegen Goliath», sagt Olivier Grandjean, Resaplus-Sprecher. Er schätzt, dass Ticketcorner einen Marktanteil von 80 Prozent hat. «Unser Ziel ist es, innerhalb eines Jahres Billette für Konzerte, Theater- und Sportanlässe in der gesamten Schweiz anzubieten. Und zwar günstiger als Ticketcorner.» Resaplus rechnet mit Vorverkaufsgebühren von 8 Franken und liefert die Billette per Einschreiben.

Nur: Bis es so weit ist, müssen sich Konzertfans wie Sue Hunziker gedulden und weiterhin brav hohe Gebühren bezahlen.

Marc Meschenmoser

09. Mai 2001


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