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Artikel | Gesundheits-Tipp 3/2002

Editorial - Lebe gesund, dann geb ich dir Geld

Jedes Neujahr ist es dasselbe Spiel: Menschen mit einem ungesunden Lebenswandel wetten, dass sie sich bessern werden. Zum Beispiel: «Wenn ich ein halbes Jahr nicht rauche, belohne ich mich mit einem Wochenende in Paris.» Oder die Partnerin ermuntert einen: «Wenn du dich auf ein einziges Glas Wein am Abend beschränkst, schenke ich dir ein neues Radio.» Doch wie heisst es so schön: Der Wille ist zwar da, aber das Fleisch ist schwach. Manche halten es eine Zeit lang durch - und landen doch wieder bei den alten Sünden.

Nun belohnen auch Behörden und Institutionen Menschen, die eine Zeit lang gesund leben. Die zum Beispiel nicht mehr rauchen oder ihren Blutzucker im Griff haben. Das Bundesamt für Gesundheit und die Stiftung für Gesundheitsförderung werfen als Preisgeld Hunderttausende von Franken.

Doch der Nutzen von solchen Wettbewerben ist umstritten: Viele Fachleute zweifeln, ob Menschen, die eine Zeit lang gesund leben, dies auch langfristig tun. Und was geschieht mit all den frustrierten Verlierern, die es nicht bis zur Belohnung schaffen? Kann man sie je wieder motivieren? Und mit denen, die kranke Gene haben? Die Gesundheits-Strategen kümmern sich um solche Fragen kaum: Es sind vor allem die kurzfristigen Erfolge, die für sie zählen.

Der Umgang mit der eigenen Gesundheit ist kein Glücksspiel. Was ist das für eine Welt, in der wir uns für einen gesunden Lebensstil bezahlen lassen? Der Körper und die Gesundheit - das ist wie eine alte Freundschaft, die wir gerne pflegen sollten. Für Freundschaft lässt man sich auch nicht bezahlen. Zudem: Wer sich nicht an einem Leben ohne Zigaretten freuen kann, der schafft den Ausstieg nie. Wer sich nicht gerne bewegt, wird seine Kilos kaum je in den Griff kriegen.

Freude zu vermitteln an der Gesundheit - das ist eine echte Herausforderung. Für Behörden und Institutionen, aber auch für Eltern und jeden Einzelnen. Der beste Ort dazu ist - und hier sind sich die Experten wieder einig - die Schule. Dort lohnt es sich, viel Geld zu investieren. Aber sicher nicht im Wettbüro.

01. März 2002


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