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Mobilnetzbetreiber könnten den Handy-Diebstahl durch eine Gerätesperre unattraktiv machen. Doch Swisscom, Sunrise und Orange haben daran kein Interesse.
Jedes Jahr verschwinden in der Schweiz rund 40 000 Natels, allein im Kanton Zürich sind es täglich 40 Stück. Die Zahl der Diebstähle liesse sich mit einer einfachen Massnahme senken. Jedes Handy verfügt über einen elektronischen Fingerabdruck, eine Identifikationsnummer (IMEI). Aufgrund dieser 15-stelligen Nummer könnten die Anbieter gestohlene Mobiltelefone identifizieren und sperren, sobald sie sich ins Netz einwählen.
Andere Länder gehen mit gutem Beispiel voran
Die Gerätesperre funktioniert unabhängig von der SIM-Karte und kann ein gestohlenes Handy wertlos machen. Das funktioniert jedoch nur, wenn alle Netzbetreiber die IMEI gestohlener Geräte in einer Datenbank registrieren.
Die Nachbarländer beweisen, dass eine nationale Zusammenarbeit möglich ist. So führen die italienischen Anbieter seit kurzem ein gemeinsames Diebstahlregister, und auch die drei französischen Netzbetreiber planen, gestohlene Handys ab nächstem Jahr netzübergreifend zu blockieren. In Grossbritannien hat sich sogar die Regierung für ein Zusammengehen der Anbieter eingesetzt, weil die Handy-Kriminalität dort ein massives Problem darstellt. Jack Wraith, Geschäftsführer des Mobile Industry Crime Action Forums, setzt grosse Hoffnungen in die Anfang Jahr beschlossene Zusammenarbeit: «Ich glaube, dass sich die Zahl der Diebstähle durch die Blockierung halbieren lässt», sagte er der Zeitung «The Guardian».
Übertrieben sind Wraiths Erwartungen nicht. Das zeigt ein Beispiel aus Holland. Die Amsterdamer Polizei bombardiert als geklaut gemeldete Handys im 3-Minuten-Takt mit folgender SMS: «Dieses Handy ist gestohlen. Kaufen und Verkaufen ist verboten. Geben Sie das Gerät bei der Polizei ab.» Die seit einem Jahr eingesetzte Methode zeigt Erfolg. Die Diebstähle sind um rund die Hälfte zurückgegangen.
«Wir wollen keine Aufgaben der Polizei übernehmen»
Obwohl die Beispiele aus anderen Ländern ermutigen, führen weder Swisscom noch Sunrise oder Orange die für eine Sperre nötige Liste. «Wir wollen keine Aufgaben der Polizei übernehmen und unsere Kunden nicht kontrollieren», erklärt Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus. Therese Wenger von Orange und Monika Walser von Sunrise machen geltend, eine Gerätesperre mache erst Sinn, wenn sie von allen Netzbetreibern angewandt werde.
An eine gemeinsame Datenbank denken die Schweizer Anbieter jedoch nicht: «Das ist kein Thema. Freiwillig würden wir nie mitmachen», sagt Swisscom-Sprecher Neuhaus. Er ist überzeugt, dass die Kunden skeptisch reagierten, wenn zusätzliche Daten von ihnen abgespeichert würden.
Sunrise würde nationale Datenbank begrüssen
Orange hat eine gesamtschweizerische Datenbank zumindest diskutiert: «Wir haben die Pläne aber verworfen, da der grösste Teil geklauter Handys ohnehin ins Ausland gelangt, wo sie zum Teil wieder verwendet werden können.» Wenger räumt ein, dass Einzeldiebstähle durch eine landesweite Sperre der Geräte tatsächlich unattraktiver würden. Dieser Meinung ist auch Sunrise-Sprecherin Monika Walser: «Wir würden eine nationale Datenbank begrüssen.»
Dass sich Swisscom und Orange gegen eine Zusammenarbeit sperren, hat wohl auch finanzielle Gründe: «Würden die Anbieter die IMEI-Nummern stets mit der Datenbank abgleichen, müssten sie viel mehr Daten hin- und herschaufeln. Das würde aufwändige technische Anpassungen am Netz erfordern», erklärt Peter Knaak, Telekommunikationsexperte der deutschen Stiftung Warentest. Britische Anbieter haben ihren Aufwand zum Umrüsten des Netzes auf rund 43 Millionen Franken beziffert.
Mirjam Fonti
Diebstahl - Handy-Erkennung dank IMEI
Die IMEI-Nummer kann auf jedem Handy durch Drücken der Tasten *#06# sichtbar gemacht werden. Es lohnt sich, die IMEI-Nummer zu notieren. Sie vergrössert die Chance, das Handy im Verlustfall wiederzuerhalten.
So führt etwa die Reparaturstelle von Nokia eine schwarze Liste (Meldungen unter Tel. 01 802 45 11). Wird ein gestohlenes Nokia-Handy zur Reparatur gebracht, kann es identifiziert werden.
Auch für eine Anzeige bei der Polizei ist die IMEI-Nummer nützlich. Gefundene Geräte können so zweifelsfrei ihrem Besitzer zugeführt werden.
19. Juni 2002
