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Artikel | Haus & Garten 3/2002

Über 200 000 Personen haben Kleinkredite - Leben auf Pump ist teuer und riskant

Über 200 000 Personen haben Kleinkredite - Leben auf Pump ist teuer und riskant

Kleinkredite kosten bis zu 15 Prozent Zins. Für Leute, die dringend Flüssiges brauchen, gibt es günstigere Alternativen.

Ob für Autos, Hifi-Anlage oder Ferien - das Leben auf Pump ist in. Auch Thomas Kramer (Name geändert) hat einen Kredit beantragt, um sich neue Möbel zu kaufen.

Auf der Website der Kreditbank GE Capital in Brugg AG (www.flexi.ch) hat er ausgerechnet, wie viel er pro Monat abzustottern hat. Bei einem Kredit über 15 000 Franken und einem Jahreszins von 14,5 Prozent muss er drei Jahre lang monatlich rund 500 Franken abzahlen. Das ist bei einem Monatslohn von knapp 4200 Franken viel Geld.


Erst ein Kredit, dann ein Schuldenberg

Mario Roncoroni, Präsident des Dachverbands Schuldenberatung, hat tagtäglich mit der Not von Kreditschuldnern zu tun. Er rät Thomas Kramer von einem Kredit ab, weil die lange Laufzeit und die hohen Zinsen zu viele Risiken bergen. Sollte Kramer zum Beispiel arbeitslos werden oder will er eine Familie gründen, droht ihm schnell ein Finanzloch. Statt einen Kredit aufzunehmen, solle Kramer sich an die alte Weisheit halten: «Erst sparen und dann kaufen!»

Auch die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) warnt eindringlich vor Konsumkrediten. Auf keinen Fall sollte man für die Finanzierung einer dringenden oder unvorhergesehenen Ausgabe einen Kredit aufnehmen - etwa um Steuerschulden zu tilgen. Denn dann setzt oft eine unaufhaltsame Schuldenspirale ein. Für viele ist das der Anfang vom Ende. Die möglichen Folgen: Betreibung und Lohnpfändung.


Neues Gesetz schützt Kreditnehmer besser

Laut dem Verein Schuldensanierung Bern sind Kleinkredite nach den Steuern die zweitgrösste Verschuldungsquelle in der Schweiz. Immerhin: Per 1. Januar 2003 soll ein neues Konsumkreditgesetz in Kraft treten, das die Konsumenten besser schützen soll:

- Das neue Gesetz verpflichtet die Kreditgeber zu einer sorgfältigen Abklärung der Kreditwürdigkeit von Gesuchstellern. Und es sieht Sanktionen vor, wenn der Kreditgeber diese Sorgfalt nicht wahrt.

- Die Kreditinstitute dürfen Kredite nur noch gewähren, wenn das Einkommen des Kunden so hoch ist, dass er den Kredit innert 36 Monaten zurückzahlen kann.

- Neu müssen die Banken sämtliche Kredite der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK) melden, um Mehrfachverschuldungen zu verhindern.

- Konsumentinnen und Konsumenten können nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes innert sieben Tagen von einem Konsumvertrag zurücktreten. Das soll das Risiko vorschneller Kreditentscheide verringern.

Im Fall von Thomas Kramer hat die Bank noch nicht entschieden. Mario Roncoroni empfiehlt ihm, sich unbedingt mit einer Budgetberatungsstelle in Verbindung zu setzen.

Denn die Kreditinstitute überprüfen nicht, ob der Kredit im Budget des Kreditnehmers Platz hat, sondern bloss, ob er ein regelmässiges Einkommen hat. Mario Roncoroni: «Sie nehmen nicht genug Rücksicht auf kritische Einzelfälle.»

Weil Kramer bereits einen laufenden Leasing-Vertrag hat, rät die Budgetberatungsstelle ihm dringend von einer zusätzlichen Kreditverpflichtung ab. Er solle seine Wünsche zurückstellen und auf den Kredit verzichten - andernfalls wenigstens eine günstigere Alternative prüfen.


Diese Möglichkeiten stehen zur Wahl

Thomas Kramer hat vier Alternativen, um günstiger zu Bargeld zu kommen:

- Arbeitgeber: Gewisse Firmen sind bereit, ihren Angestellten in finanziellen Notlagen unter die Arme zu greifen. Üblich sind geringere Zinsen als bei den Banken. Achtung: Bei Rückzahlungsproblemen können Arbeitgeber ebenfalls den Lohn pfänden und den Kreditnehmer unter Umständen auf Jahre an den Betrieb binden.

- Familie, Verwandte oder Bekannte: Trotz Vertrauensverhältnis sollte man unbedingt einen schriftlichen Vertrag abschliessen. Laufzeit, Zins und Monatsrate sollten darin genau festgelegt sein.

- Pfandleihkasse: Hier lassen sich entbehrliche Wertgegenstände wie etwa Uhren und Schmuck in Geld umwandeln. Ein Risiko besteht allerdings: Falls der Kreditnehmer das Geld nicht zurückzahlen kann, verliert er unter Umständen das wertvolle Stück.

- Hausbank: Die Raiffeisenbanken beispielsweise gewähren Genossenschaftern Konsumkredite - Zinssatz: 9-12 Prozent.

Pirmin Schilliger



Geldprobleme? So kommen Sie ohne Kleinkredite aus den roten Zahlen

Schuldenlöcher sollte man auf keinen Fall mit einem Konsumkredit stopfen. Am besten wendet man sich frühzeitig an eine seriöse Beratungsstelle.

Geldprobleme zeigen sich oft zuerst bei der unbezahlten Steuerrechnung. Wer damit nicht zurechtkommt, sollte aber auf keinen Fall einen Kleinkredit aufnehmen.

- Insbesondere gilt: Finger weg von Krediten, die in Kleininseraten unter einer 0900er-Nummer angeboten werden. Sicher ist nur, dass Anrufer dabei unter Umständen sehr viel Geld verlieren.

- Meiden Sie kommerzielle Schuldensanierer, die in Kleininseraten versprechen: «Wir lösen Ihre Schuldenprobleme sofort!»

Das klingt zwar verlockend, doch solche Sofortlösungen verschlimmern in der Regel nur die finanzielle Notlage.

- Überziehen Sie das Bankkonto nicht. Die Verzugszinsen liegen bei 12,5 bis 15 Prozent. Damit sind die Zinsen fast auf Kleinkreditniveau.

- Das Gleiche gilt für Kunden- und Kreditkarten: Mit dem Plastikgeld kann man meist auch Schulden machen und diese dann in Raten abstottern - mit Zinssätzen, die aufs Jahr hochgerechnet bis zu 15 Prozent betragen.

Diese verkappten Kleinkredite sind zwar sehr bequem erhältlich, aber alles andere als günstig.


So kommen Sie am ehesten aus den roten Zahlen:

- Verhandeln Sie bei Geldproblemen mit den Steuerbehörden über Ratenzahlungen. Diese werden in den meisten Fällen problemlos gewährt. Die Verzugszinsen betragen zwischen 3,5 und 5 Prozent.

- Reicht das Geld nicht, um die monatlichen Lebenskosten zu bestreiten? Kontaktieren Sie eine Budgetberatungsstelle oder das Sozialamt der Gemeinde.

- Ist eine Schuldensanierung nicht mehr zu umgehen, sollte man eine Beratungsstelle, das Sozialamt der Gemeinde oder die Caritas aufsuchen.

Die öffentlichen Schuldensanierer legen aufgrund eines seriösen Budgets realistische Monatsraten für die Schuldentilgung fest und nehmen frühzeitig mit den Gläubigern Nachlassverhandlungen auf (siehe auch K-Tipp, Ausgabe 7/02: «Sanierer sanieren sich selbst»).


Informationen und Adressen

- Schuldenberatungsstellen: Dachverband Schuldenberatung, Postfach 1106, 3000 Bern 23, Tel. 031 371 84 84, Fax 031 372 30 48 (frankiertes Antwortcouvert beilegen)

- Sozialdienste: Adressen im Telefonverzeichnis Ihrer Gemeinde unter «Gemeindeverwaltung» oder «Sozialdienste». Die Adressen finden Sie auch online unter www.sonet.org

- Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe, Mühleplatz 3, Postfach, 3000 Bern 13, Tel. 031 326 19 19, Fax 031 326 19 10 www.skos.ch

- Liste der kantonalen Budgetberatungsstellen: Arbeitsgemeinschaft Schweiz. Budgetberatungsstellen ASB Hashubelweg 7, 5014 Gretzenbach, Tel. 062 849 42 45 www.asb-budget.ch

01. Juni 2002


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