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Nach Grippeimpfung: Mit Husten, Schnupfen und Fieber ins Bett
Wer gegen Grippe gefeit sein will, kann sich neuerdings mit dem Nasenspray Nasalflu impfen lassen. Aber: Der Spray kann Beschwerden auslösen, die fast so heftig sind wie eine Grippe.
Claudia Peter cpeter@pulstipp.ch
Die Geschäftsleitung des Zürcher Verlags Tamedia ist besorgt um die Gesundheit ihrer Angestellten. Seit drei Jahren bietet sie deshalb gratis eine Grippeschutzimpfung an. Als «kleinen Nebeneffekt begrüssen wir es natürlich, wenn weniger Mitarbeiter krank sind», erklärt Personalleiter Peter Höhener.
In diesem Jahr setzte der Verlag auf den brandneuen Spray Nasalflu der Firma Berna. «Gezwungenermassen», wie Höhener sagt, «der gewohnte Impfstoff war nicht aufzutreiben.» Nasalflu ist eine rezeptpflichtige Grippeimpfung, die erst seit Oktober zugelassen ist. Das neue daran: Man verabreicht den Impfstoff wie Nasentropfen. Zweimal im Abstand von einer Woche ein kräftiger Spraystoss in beide Nasenlöcher, und schon ist die Impfung perfekt.
Der Verzicht auf die Spritze ist teuer. «Die Kosten haben sich mindestens verdoppelt», schätzt Höhener. Doch die neue Methode fand Anklang. Die Zahl der Impfwilligen stieg - bis für einige das böse Erwachen kam.
«Nach der ersten Impfung musste ich zwei Tage im Bett bleiben», erzählt Peter Johannes Meier, Reporter beim Tages-Anzeiger. Seine Nase lief, Halsschmerzen und Erschöpfung kamen hinzu. Eine Woche später kam die zweite Impfung, und prompt stellte sich der Schnupfen wieder ein - diesmal sogar noch stärker. «Allen in meiner Abteilung, die sich impfen liessen, ging es ähnlich», sagt Meier. «Manche schleppten sich zur Arbeit, manche blieben zu Hause.»
Impfspray entzündet die Nasenschleimhäute
Der Nasenspray setzte auch Hugo Stamm ausser Gefecht. Beim Sekten-Experten des Tagi stellten sich neben Halsweh und Schnupfen prompt auch Schwindelanfälle und leichtes Fieber ein. Den zweiten Sprühstoss liess er deshalb weg. «Das erste Mal hat mir vollauf genügt.» Von der Impf-Spritze habe er in früheren Jahren nie etwas gemerkt, beschwert sich der Journalist.
Derartige Symptome gebe es bei 20 bis 30 Prozent aller Geimpften, räumt der medizinische Leiter der Berna, Christian Herzog, ein. Triefende und verstopfte Nasen sind noch häufiger. Der Grund: Nasalflu enthält neben dem eigentlichen Wirkstoff ein Bakteriengift. Beim Kontakt mit dem Gift entzünden sich die Nasenschleimhäute. So sind sie aufnahmefähiger für den Impfstoff. Er dringt leichter durch die Schleimhäute.
Die Beschwerden können nach beiden Impfgängen auftreten und mehrere Tage dauern. Dennoch ist Herzog überzeugt, dass der Nasenspray gegenüber der Spritze Vorteile hat. Sein Argument: Auch in der Nasenschleimhaut bilden sich Antikörper, welche die Grippeviren besser abwehren können.
Doch daran zweifelt unter anderem der Pharma-Experte Etzel Gysling: «Die Daten zu Nasalflu sind noch sehr dünn», sagt er und setzt hinzu: «Ich würde in jedem Fall zur Spritze raten. Nicht nur, weil sie billiger ist.»
01. Januar 2001
