SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | K-Geld 2/2000

Biotech-Fonds im Test: High Tech mit High Risk

Mehr Gesundheit und höhere Gewinne - beides soll die Biotechnologie bringen. Die Saat scheint aufzugehen, zumindest an der Börse. Biotech gilt derzeit als der heisseste Sektor. Heiss heisst aber auch Hochrisiko, wie der VZ-Fondstest zeigt.

Für Börsianer klingts wie ein Märchen. Mit neuartigen Medikamenten und medizinischen Verfahren werde die Biotechnologie die Medizin revolutionieren. Statt wie bisher nur an Symptomen herumzudoktern, lege sie den Schlüssel frei, um die molekularen Ursachen der Krankheiten aufzudecken und ihnen den Garaus zu machen.

«Ein Segen für die Menschheit», jubeln die Verfechter der Biotechnologie und verschweigen tunlichst, dass hier am Allerheiligsten herumgebastelt wird: an den Bausteinen des Lebens. Das finden viele Kritiker unerhört, doch ihre Warnrufe bleiben - zumindest an der Börse - ungehört.

Denn dort weiss man um das kommerzielle Potenzial der neuen Technik. Auch wenn noch nicht einmal hundert Medikamente im Handel sind, die mit Hilfe der Biotechnologie entwickelt wurden, herrscht in der Branche Goldgräberstimmung.


Finanzspezialisten wie der Fondsmanager Heiko Thieme sprechen von der Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts. Die Biotechnologie läute einen Strukturwandel in der Medizin ein und sei deshalb als Anlagethema bestimmt keine Eintagsfliege. Für den DWS-Biotech-Fondsmanager Michael Sistenich sind die neuen Unternehmen eine fast ideale Ergänzung zur traditionellen Pharma-Industrie: Die kleinen Biotechfirmen verfügen über Produkte, es fehlen ihnen aber die nötigen Vertriebskanäle; die haben die grossen Pharma-Konzerne, deren Produkte-Pipeline zu dünn geworden ist. Kooperationen seien deshalb sinnvoll und die Möglichkeit gross, dass Pharmariesen aufstrebende Biotechfirmen schlucken - und umgekehrt.

Doch das sei nicht das Einzige, was für diese Zukunftsindustrie spreche, unterstreicht der Fondsspezialist des VZ VermögensZentrums, Markus Graf. «Die immer älter werdende Bevölkerung und die damit steigende Nachfrage für den Gesundheitssektor sprechen zweifelsfrei für den Sektor.»


Solch rosige Perspektiven sehen die Experten zwar schon lange, doch mit Ausnahme eines kurzen Booms zu Beginn der Neunzigerjahre blieb es ruhig um die Biotech-Aktien. Erst im Sommer 1999 erweckten die Anleger die Biotechnologie aus dem Dornröschenschlaf - und verhalfen ihr zu einem furiosen Börsenjahr.

Der aus knapp 200 Titeln bestehende Nasdaq-Biotech-Index legte im Winterhalbjahr 1999/2000 um unglaubliche 250 Prozent zu und stahl dem boomenden Internet- und Computersektor die Schau. Im März brach die Branche zwar um 30 Prozent ein, einzelne Titel verloren innerhalb von zehn Tagen 70 Prozent ihres Werts. Und das alles wegen einer Äusserung, die lediglich bestätigte, was eigentlich selbstverständlich war: Bill Clinton und Tony Blair hatten erklärt, das menschliche Erbgut dürfe nicht restlos von einzelnen Unternehmen patentiert werden.

Das Erdbeben war heftig, doch die Anleger erholten sich rasch vom Schrecken. Mit der Entschlüsselung des Gencodes war die Biotechnologie schon kurz nach ihrem jähen Fall wieder in aller Munde. Die Kurse erholten sich auf breiter Ebene. Daran änderte auch die diesjährige Herbstkrise nur wenig. Erst während der «Präsidenten-Baisse» gaben die Kurse im November deutlich nach.

Dass die Volatilität extrem hoch ist, hat nach Meinung von VZ-Geschäftsführer Max Bolanz fundamentale Gründe. «Treibende Kraft der Biotechnologie ist die Forschungstätigkeit von jungen Firmen, die häufig sogar von Universitätsabgängern gegründet wurden. Das Endprodukt ihrer Forschung ist aber bloss ein Ansatzpunkt für neue Medikamente, Herstellungs- und Diagnoseverfahren.»

Bis sie in der Medizin eingesetzt werden können, dauert es oft Jahre. Zudem verlaufen viele vermeintlich hoffnungsvolle Ansätze im Nichts. So erlangt nach einer Studie des Biotech-Spezialisten T. Rowe Price nur gerade jedes fünfte Medikament, das es in die klinische Testphase geschafft hat, die Patentreife.

Biotech-Aktien reagieren aber nicht nur äusserst empfindlich auf Unternehmensmeldungen, sondern genauso stark wie Internet-Aktien auch auf die Zinsentwicklung. Die Finanzdecke der meisten Unternehmen ist dünn. Nur die wenigsten können ihre Forschung über Einnahmen finanzieren. Das macht klar, warum Kurseinbrüche von 50 und mehr Prozent zu dieser Branche gehören.


«Einzig vernünftige Möglichkeit, in diese hoch volatile und für Laien kaum durchschaubare Branche zu investieren, sind Fonds», sagt VZ-Spezialist Graf. Nur so könne man vom positiven Grundtrend profitieren, ohne halsbrecherische Risiken eingehen zu müssen.

Das hat die Finanzbranche längst erkannt. In den Fondsleitungen und den Chefetagen von Investmentgesellschaften wie der Zuger BB Biotech sitzen an der Seite von Finanzspezialisten immer auch Molekularbiologen und Ärzte.

Dies ist auch beim Sieger des VZ-Fondstests so, dem Pictet G.S.F. Biotech. Der im Januar 1994 gegründete Fonds verfügt über einen fünfköpfigen wissenschaftlichen Beirat, dem Biotech-Spezialisten aus Forschung und Industrie angehören.

Der Fonds, der in Unternehmen mit starkem Wachstum investiert, deren Produkte ein grosses Absatzpotenzial haben, verfolgt zurzeit eine defensivere Strategie. Kein Wunder angesichts der hohen Kursrisiken.

Wie volatil Biotech-Fonds sind, veranschaulichen zwei Zahlen des Clariden Biotechnology Equity, der dieses Jahr die zweitbeste Performance hinlegte. Im besten Monat legte er 44,5 Prozent zu, im schlechtesten verlor er 28 Prozent an Wert.

Fazit: Biotech-Fonds versprechen traumhafte Gewinne - und albtraumhafte Verluste. Deshalb taugen sie höchstens als Beimischung für Anleger, die kurzfristig grosse Verluste verkraften können und über einen sehr langen Atem verfügen.


Martin Vetterli



Aeschbi

Keine Angst, ich labere Sie nicht auch noch voll mit den ultimativen Gewinneraktien für 2001 oder mit der todsicheren Strategie zum Wertschriftenmillionär. Mir fehlt (leider) die notwendige Chuzpe zum Guru. Drum geht es mir in Sachen Vermehrung der hart verdienten Mäuse ähnlich wie Ihnen. Den Analysten misstraue ich, denn die hauen oft genug daneben. Und die Geschichte mit dem Affen, der mindestens so erfolgreich auf die richtigen Börsen-Highflyers tippt wie Profis, ist ein altbekannter Partygag, der die «Treffsicherheit» mancher Prognosen ins Lächerliche zieht.

Und trotzdem möchte auch ich, dass aus meinen Batzen, die ich mühsam auf die Seite lege, in absehbarer Zeit etwas Anständiges wird. Sprich, dass ich damit dann einmal etwas anfangen kann, wenn die AHV- und Pensionskassengelder nicht so üppig sprudeln werden, wie ich mir das heute erhoffe.

Damit ist auch deklariert, dass ich nicht der Zockertyp bin, der Zeit und Lust hat, täglich den Wert seiner Papiere zu checken. Ich bin aber auch nicht der abgeklärte «Kaufen-und-ewig-Halten-Anleger». Mein Horizont sind die nächsten drei bis fünf Jahre.

Wie sieht also meine Strategie für die kommenden Monate aus? Klassisch halt, mit im Moment eher mehr als der Hälfte (ca. 60 Prozent) meines Sparbatzens in Obligationen und auf dem bewährten Sparkonto. Bei den Oblis glaube ich mehr an den Euro als den Dollar, der für mich in Schwindel erregenden Höhen rumturnt. Bei den Aktien vertraue ich einigen Schweizer Managern mehr als amerikanischen Wunderknaben. Ich baue auf die klassischen Werte, allerdings nur auf jene, die fest auf den Einsatz neuer Technologien setzen (so wie ABB, Siemens, Swiss Re oder UBS). Mit Ericsson habe ich in den letzten Monaten einiges verloren, aber trotzdem noch zugekauft. Mal schauen, wie es weitergeht. Ich halte Sie auf dem Laufenden.


Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher ist von Haus aus Ökonom und heute auch ein erfolgreicher Unternehmer. Exklusiv für K-Geld schreibt er künftig in jeder Ausgabe über Geld und Kapitalanlagen.

01. Dezember 2000


Beitrag als PDF
Biotech-Fonds im Test: High Tech mit High Risk
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Safety first mit Franken-Oblis Der Zinssatz macht es aus Bank Coop: Fair nur im Kleingedruckten
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten