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Der Betreiber eines Branchenführers lockt Gewerbler mit Aufträgen. Ob er Arbeit anzubieten hat, ist aber fraglich.
Marco Diener mdiener@ktipp.ch
Auf den ersten Blick machte das Schreiben, das Isabelle und Roland Burgy aus Basel erhielten, einen erfreulichen Eindruck. Die Firma www. haus-eigentuemer.ch stellte ihrem Malergeschäft einen Auftrag über 36 000 Franken in Aussicht.
Doch das Angebot hat einen Haken. Um an den Auftrag heranzukommen, hätten Burgys auf ein Gegengeschäft eingehen müssen: einen Eintrag im Internet-Verzeichnis www.haus-eigen tuemer.ch für 492 Franken kaufen.
Ob es mit dem Auftrag jemals geklappt hätte, ist fraglich. Einiges spricht dagegen:
- Peter-Hans Hegetschweiler, Geschäftsführer von haus-eigentuemer.ch, hat dem K-Tipp keine Unterlagen für den 36 000-Franken-Auftrag vorgelegt.
- Einen 36 000-Franken-Auftrag hat er gleich mehreren Basler Malern in Aussicht gestellt.
- Die Sekretärin eines der betroffenen Geschäfte hat bei haus-eigentuemer.ch angerufen und sich nach dem Auftrag erkundigt. Da hiess es, er sei schon vergeben. Aber sie solle doch den Eintrag zahlen, es gebe immer wieder solche Aufträge.
- Ein Maler, der unterschrieben hat, wartet nach anderthalb Monaten immer noch auf seinen ersten Auftrag.
Das Geschäftsgebaren von Peter-Hans Hegetschweiler ist aber noch aus weiteren Gründen fragwürdig. Er hatte nämlich schon vorgängig - also bevor er das Gegengeschäft anbot - kurzerhand die Firmeneinträge aus anderen Internet-Branchenverzeichnissen auf seine Homepage kopiert.
Bedient hat er sich zum Beispiel bei der Afuag, die selber im Zwielicht steht (K-Tipp 10/02) und sich mittlerweile Mediaswiss nennt. Doch solches Kopieren ist verboten.
Hauseigentümer-Verband ist verärgert
Gegenüber Isabelle Burgy behauptete Hegetschweiler, er habe die Einträge von der Mediaswiss-Site www. y-line.ch erhalten. Doch Mediaswiss-Geschäftsleitungsmitglied Alfred Jung widerspricht: «Wir haben nichts weitergegeben. Wir betreiben keinen Adressenhandel.» Inzwischen hat Hegetschweiler die kopierten Einträge wieder vom Netz genommen.
Geärgert hat sich auch Andrea Haas, stellvertretende Direktorin des Schweizerischen Hauseigentümer-Verbandes. Erst auf Druck eines Anwalts habe Hegetschweiler auf der Startseite seiner Homepage einen Hinweis platziert. Darin steht, er habe mit dem offiziellen Hauseigentümer-Verband nichts zu tun.
Noch immer, sagt Haas weiter, gebe es aber Leute, welche haus-eigentuemer.ch und den Hauseigentümer-Verband verwechselten. «Obwohl wir unsere Mitglieder warnen, erhalten wir immer wieder Reklamationen von Leuten, die sich bei uns über Hegetschweilers Geschäftspraktiken beklagen», ärgert sie sich.
02. Oktober 2002
