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Die Pharmafirma Pfizer verspricht in der Werbung, ihr Produkt Hextril behandle Halsweh wirksam. Doch das trifft nicht zu, das Medikament nützt nichts bei Halsweh.
Kann man Halsschmerzen weghexen? Die Firma Pfizer erweckt diesen Eindruck. Auf riesigen Plakaten wirbt sie für ihre Hextril-Lösung und die Lutschtabletten Hextriletten. Diese Mittel, so die Botschaft in den Werbebroschüren, sollen Halsweh «wirksam behandeln», ohne ein schädliches Antibiotikum.
Doch jetzt kritisieren Experten diese Werbebotschaft harsch. Franz Daschner, Professor für Krankenhaus-Hygiene an der Universität Freiburg im Breisgau: «Da wird den Leuten nur das Geld aus der Tasche gezogen. Ob mit oder ohne Antibiotika: Diese Halswehmittel nützen gegen die Erreger alle gleich viel - nämlich nichts.»
Ursache für Halsentzündungen sind in etwa 90 Prozent der Fälle Viren. Doch der Hextril-Wirkstoff Hexetidin kann ihnen nichts anhaben. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Antiseptika. Diese Medikamente desinfizieren zwar den Hals- und Rachenraum, doch die Viren haben sich in tieferen Hautschichten eingenistet. «Solche Lutschtabletten oder Sprays mit Antiseptika töten nur an der Oberfläche der erkrankten Körperstelle einige Bakterien und Pilze ab», erklärt Daschner.
Dies ist auch bei Hextril der Fall: Die Firma Pfizer selbst spricht in ihrer Medikamenteninformation nur von einer antibakteriellen und antimykotischen Wirkung - einer Wirkung gegen Pilze also. Von Viren ist dort gar nicht die Rede.
Der für Hextril verantwortliche Produktmanager bei Pfizer Consumer Healthcare in Zürich weicht aus. Zwar gebe es eine «gewisse» Wirkung gegen Viren, behauptet er. Meist würden die Kranken Hextril oder Hextriletten jedoch einnehmen, um den Schmerz zu bekämpfen. Das heisst im Klartext: Die Mittel behandeln nicht die Krankheit selber, sondern lediglich eines ihrer Symptome, den Schmerz.
Auch Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. «Deswegen sind sie in Halswehmitteln ebenfalls sinnlos», sagt Daschner. Hinzu kommt: Antibiotika - und neuesten Forschungen zufolge auch Antiseptika - können Resistenzen hervorrufen. Das heisst: Wer im Laufe seines Lebens zu viel davon einnimmt, läuft Gefahr, dass sie bei wirklich schlimmen Krankheiten nichts mehr nützen.
Franz Daschner fordert, Mittel mit Antibiotika oder Antiseptika für die Indikation «Halsschmerzen» nicht mehr zuzulassen oder sie zumindest nur noch gegen Rezept abzugeben. Der Schweizer Medikamenten-Experte Etzel Gysling findet: «Nur eine Ärztin oder ein Arzt kann entscheiden, ob Viren oder Bakterien die Entzündung verursachen, und danach das passende Mittel auswählen.»
Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic ist gegen Einschränkungen bei der Zulassung oder eine Rezeptpflicht. Die Mittel seien in vielen Ländern rezeptfrei erhältlich, erklärt Monique Helfer, die Pressesprecherin der Swissmedic. Überdies seien schwerwiegende Nebenwirkungen nicht bekannt.
Strengere Vorschriften würden viele Pharmafirmen hart treffen. Denn der Markt ist riesig. Mehr als 70 verschiedene Mittel sind in der Schweiz zugelassen, fast alle ohne Rezept. Mehr als 50 Millionen Franken gaben die Schweizer im Jahr 2001 für diese Medikamente aus.
Hausmittel wirken ebenso gut
Dieses Geld könnten Betroffene oft sparen. Denn Hausmittel wirken mindestens so gut. Das weiss auch Ursula Kohler. Die Zürcherin gibt bei Halsweh keinen Rappen mehr in der Apotheke aus. Statt dessen hackt sie Zwiebeln. Davon gibt sie eine Lage in eine Schüssel, danach eine Lage Zucker, dann wieder abwechselnd Zwiebeln und Zucker. Die Schüssel lässt sie ein bis zwei Stunden lang abgedeckt stehen. «Dann hat der Zucker den Zwiebeln den Saft entzogen», sagt sie. «Es entsteht ein Zwiebelsirup, der gar nicht schlecht schmeckt.» Davon schluckt Ursula Kohler pro Stunde ein bis zwei Esslöffel. Ihre Erfahrung ist gut: «Wenn es sich nicht um eine ernsthafte Infektion handelt, sollte der Schmerz schnell verschwinden.»
Auch Puls-Tipp-Arzt Thomas Walser weiss: «Die Hausmittel helfen am besten. In der Apotheke würde ich nur Emser-, Isländisch-Moos- oder Salbei-Pastillen kaufen. Alle anderen Mittel, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt, sind pure Geschäftemacherei.»
22. Januar 2003 | Claudia Peter - cpeter@pulstipp.ch
