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In Ihren Arztromanen sind die Ärzte die Halbgötter in Weiss. Weshalb verwenden Sie dieses Klischee?
Faszinierend an Ärzten ist, dass Leben und Tod in ihren Händen liegen. Das umgibt sie mit einer gewissen Dramatik, die das Publikum liebt. Natürlich sind auch Ärzte Menschen mit Problemen und Unzulänglichkeiten. Das lasse ich in meine Romane einfliessen. Aber am Ende muss der Arzt derjenige sein, der alles im Griff hat. Das erwartet das Publikum einfach.
Weshalb schreiben Sie Arztromane?
Ich habe Medizin studiert. Mir schwebte ein Studium in Richtung Psychologie oder Psychiatrie vor. Irgendwann habe ich meine Pläne dann geändert. Aber das Ärzte-Umfeld fasziniert mich nach wie vor. Ausserdem habe ich selbst langjährige Erfahrung als Patientin.
Woran litten Sie denn?
Mit 13 Jahren hatte ich Magersucht. Als Kind war ich rundlich, ich wurde in der Schule gehänselt. Schulsport war ein Horror für mich. Da beschloss ich abzunehmen. Zuletzt ass ich pro Tag nur noch einen Apfel. Zudem schwamm ich täglich einen Kilometer. Schliesslich wurde mein Zustand lebensbedrohlich. Ich kam ins Krankenhaus, wo mich die Ärzte mit einer Magensonde ernährten.
Wie haben Sie die Magersucht überwunden?
Indem ich das Übel an der Wurzel packte. Ich musste lernen, mich selbst zu akzeptieren. Das war ein langer und intensiver Prozess. Mit 15 hatte ich die Magersucht überwunden. Aber die Essstörung war damit noch lange nicht geheilt. Mit 19 verfiel ich in eine Ess-BrechSucht. Der Weg zur Besserung war lang: Ich konnte mich davon nur in kleinen Schritten lösen, es kam immer wieder zu Rückfällen.
Weshalb?
Eine Sucht bekämpft man meistens durch totale Abstinenz. Beim Essen ist das anders, man kann ja nicht einfach darauf verzichten. Man muss die Ursachen seines Verhaltens erkennen. Eine Essstörung kann man meiner Erfahrung nach nie ganz überwinden, aber man kann lernen, sie im Zaum zu halten.
Können Sie heute unbelastet essen?
Ja, ich esse sogar gern. Ich empfinde mich als normalgewichtig. Trotzdem bleibt das Essen ein sensibles Thema. Hätte ich ein ernsthaftes Problem, würde sich das in meinem Essverhalten äussern.
Was brauchen Sie, um sich gesund zu fühlen?
Als Bewegungsmensch brauche ich den sportlichen Ausgleich. Ich jogge, betreibe Thai-Boxen, Yoga und Aquajogging. Ich gehe ins Krafttraining und fahre viel Velo.
Ist das nicht ein bisschen viel?
Ich muss schon aufpassen, dass ich nicht übertreibe, sonst merke ich es in den Gelenken. Aber manchmal habe ich halt einfach zu viel Energie (lacht).
Haben Sie denn schon einmal so richtig übertrieben?
Ja, letztes Jahr. Da war ich zuerst bei minus 17 Grad joggen und wollte gleich anschliessend Schnee schaufeln. Plötzlich konnte ich mich vor Rückenschmerzen nicht mehr bewegen. Der Notarzt wies mich sofort ins Krankenhaus ein. Die Ärzte stellten einen Bandscheibenvorfall fest. Die anschliessende Physiotherapie hat mir zwar geholfen, aber die Rückenschmerzen kommen wieder, wenn ich mir zu viel zumute. Trotzdem würde ich mich nie am Rücken operieren lassen, das Risiko ist mir zu gross.
Hatten Sie andere Operationen?
Zahlreiche. Als Jugendliche hat mich ein Auto überrollt. Mein rechter Unterschenkel war vollkommen zuerquetscht. Fast hätten mir die Ärzte das Bein abnehmen müssen. Innerhalb von fünf Jahren waren 18 Operationen notwendig, um mein Bein zu retten.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Körper am besten?
Meine Augen.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Körper am wenigsten?
Nichts. Es ist mein Ziel, nichts abzulehnen, was zu mir gehört.
Mit welcher Frucht würden Sie sich vergleichen?
Mit einer Melone. Die Wassermelone hat eine harte Schale und ganz viele Kerne. Auch ich habe ein vielschichtes Innenleben.
22. Januar 2003 | Interview: Regula Schneider
