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Der Kelch scheint an uns vor?bergegangen zu sein: Die Schweiz ist von der t?dlichen Lungenseuche Sars praktisch verschont geblieben. Auch die weltweite Epidemie ist nicht wie bef?rchtet ausgebrochen. Einer der Gr?nde: Weltweit geb?ndelte Kraft. Forscher aus allen L?ndern haben sich zusammengerauft, das Virus rasch identiziert und grifge Massnahmen vorgeschlagen. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Beh?rden betroffener Regionen massiv unter Druck gesetzt zu handeln.
Trotzdem machen Firmen ein Gesch?ft mit der Seuche - auch in der Schweiz. Der Verkauf von Hightech-Masken boomt. Sie gehen vor allem in Apotheken und Drogerien ?ber den Ladentisch. Stossend ist: Gewiefte Verk?ufer schwatzen nicht nur Fernost-Reisenden den Mundschutz auf, sondern auch der verunsicherten Bev?lkerung in der Schweiz. Das ist ein mieses Gesch?ft mit der Angst. Zudem zeigt jetzt eine Stichprobe des Puls-Tipp in Zusammenarbeit mit Fachleuten: Viele teure Masken taugen f?r Laien nicht als Schutz vor Sars (siehe "Die besten Masken…").
Ein Mundschutz mag vor der Krankheit sch?tzen, bek?mpft aber nicht ihre Wurzeln. Der Sars-Erreger stammt h?chstwahrscheinlich von Tieren. Und das ist kein Einzelfall: Immer wieder bedrohen Tierviren den Menschen. 1997 sprang in Hongkong ein Grippe-Virus von H?hnern auf den Menschen ?ber. Ein halbes Dutzend Patienten starben. 1999 war es das Nipah-Virus in Malaysia, das von Schweinen stammte. Rund hundert Menschen starben. In Holland w?tet zurzeit eine Grippe unter H?hnern. Gegen hundert Menschen sind bereits krank, einer starb.
All diesen Seuchen ist eines gemeinsam: Sie haben ihren Ursprung in Mastbetrieben, wo Nutztiere unter widrigen Umst?nden zusammengepfercht dahinvegetieren. Auch bei Sars schliessen Experten dies nicht aus. Viren k?nnen sich in solchen Betrieben leicht vermehren und ver?ndern - bis sie schliesslich auch dem Menschen gef?hrlich werden. Vielen Erregern k?nnte man den N?hrboden vorsorglich und efzient entziehen: Indem die Beh?rden intensive Tiermast verbieten w?rden. Weltweit. Damit w?re nicht nur der Gesundheit des Menschen gedient - sondern auch dem Wohl der Tiere.
14. Mai 2003 | Tobias Frey
