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Artikel | K-Geld 2/2004

Auf dem Rücken der Tiger reiten

Eine boomende Wirtschaft und Aktienkurse, die sich von Höchstwert zu Höchstwert schwingen: Kein Wunder, sind Asienfonds der grosse Renner. Aber Vorsicht, die Unterschiede von Fonds zu Fonds sind enorm.

Es kommt nicht darauf an, ob die Katze schwarz oder weiss ist. Hauptsache, sie fängt Mäuse», sagte Chinas ehemaliger Staatschef Deng Xiaoping einmal zum Unterschied zwischen Marktwirtschaft und Sozialismus. Sein Spruch ist längst zum geflügelten Wort geworden. Und Chinas kapitalistische Katzen fangen ihre Mäuse immer erfolgreicher. Derzeit wächst Chinas Wirtschaft um über 9 Prozent.

In Fernost boomt die Wirtschaft. Gemäss dem Internationalen Währungsfonds wiesen die asiatischen Tigerstaaten letztes Jahr Wachstumsraten von 4 bis 6 Prozent aus. Nur Singapur stagnierte.

Die rasante Entwicklung hat auch Schattenseiten:
Die immer mehr geöffnete Schere zwischen Arm und Reich, Umweltzerstörung, Rechtsunsicherheit, Korruption - und die Konflikte zwischen Nord- und Südkorea, China und Taiwan, Indien und Pakistan, auf den Philippinen, in Indonesien.

Das macht klar: Die enormen Chancen in Fernost gibt es nicht zum Nulltarif. Das muss im Hinterkopf behalten, wer sich die jüngsten Performance-Zahlen von Aktienfonds Asien (ohne Japan) vor Augen führt: Die besten rentierten letztes Jahr über 55 Prozent.


Viele Asienfonds investieren auch in Australien

Doch die Spanne zwischen guten und schlechten Fonds ist enorm. So hat Testverlierer Seri-Value Far East Equity Growth seit Februar 2001 pro Jahr im Schnitt 15,2 Prozent an Wert eingebüsst, Testsieger Aberdeen Global Asia Pacific Fund dagegen 8,03 Prozent gewonnen.
Solche Unterschiede hängen nicht nur von den Fondsmanagern ab; sie sind auch strukturell bedingt - die Folge des gewählten Anlageansatzes, der Ländergewichtung und auch ihrer Umsetzung:
- Mit oder ohne Australien: Viele Asienfonds investieren nicht nur in Fernost, sondern auch in Australien - und damit in einem banken- und rohstofflastigen Markt. Das erklärt die kleineren Kursausschläge bei Fonds mit Australienanteil.
- Unterschiedliche Länder-Akzente: Asiens Volkswirtschaften unterscheiden sich beträchtlich und reagieren auf Wirtschaftsentwicklungen verschieden. Deshalb ist es wichtig, ob ein Fonds sich stark in Singapur (Privat-Bank der Welt), Indien (Backoffice der angelsächsischen Welt), Thailand (Textil- und Tourismuszentrum) oder in China (Werkstatt der Welt) engagiert.
- Unterschiedliche Anlageansätze: Bewährt hat sich der Rosinenpicker-Ansatz, der sich auf die Suche nach günstig bewerteten Aktien (Value-Titel) beschränkt. Er ist indexnahen Produkten massiv überlegen.

Das VZ Vermögenszentrum hat total 70 Asienfonds getestet, alle mindestens drei Jahre alt.
- Der Testsieger: Aberdeen Global Asia Pacific Fund.

Der reine Rosinenpicker-Fonds entwickelte sich trotz Spitzenperformance ruhig und stetig. Der Fonds setzt stark auf Indien (15 Prozent des Fondsvermögens), Australien (7 Prozent) ist untervertreten.
- Opfer seines Erfolgs: First State Asia Pacific Fund.

Der ähnlich gelagerte First-State-Fonds ist einer der grössten Schwellenländer-Fonds überhaupt. Sein Problem: Letztes Jahr verdreifachte sich das Fondsvermögen auf 1,7 Milliarden Franken. Das ist zu viel, um noch sinnvoll anlegen zu können. Deshalb zog First State die Notbremse und erhöhte den Ausgabeaufschlag auf 4 Prozent. Damit ist der Fonds zu teuer geworden.


Tipp: Bis zu 20 Prozent Asien im Aktiendepot

- Der Jungstar: Pictet Fund Asian Equities (ex Japan).

Weil erst im November 2002 aufgelegt, taucht der Pictet-Fonds nicht in der VZ-Rangliste auf. Doch sein Konzept wenden die Genfer schon seit vier Jahren für institutionelle Anleger mit Erfolg an. Der Fonds vereinigt die Vorteile von Rosinenpicker- und Länderansatz. Resultat: In anziehenden Märkten topp, in schwierigeren Börsenzeiten dagegen vergleichsweise schlecht.
- Der Chinaspezialist: Nordea-1 Far Eastern Value.

Der Nordea-Fonds investiert momentan schwergewichtig in China und Thailand. Obwohl die Hälfte der Gelder in kleine und mittlere Firmen fliesst, entwickelt sich der reine Stockpicker-Fonds erstaunlich stetig.
Fazit: Bei Asienfonds ist die Wahl des richtigen Fonds sehr wichtig. Wegen der im Vergleich zu anderen Anlageregionen guten Chancen von Fernost empfiehlt das VZ risikobewussten Anlegern einen Asienanteil von bis zu 20 Prozent im Aktiendepot.



Länderfonds eignen sich höchstens als Beilage

Chinas Wirtschaft wächst weltweit am schnellsten. Und der nächste Kandidat, der zur Aufholjagd ansetzt, dürfte Indien sein. Warum also nicht direkt in diese beiden Märkte investieren?

«Weil das Risiko solcher Länderfonds sehr gross ist», sagt VZ-Fondsexperte Markus Graf. China und Indien sind ökonomisch einseitig ausgerichtet, der Informationsfluss ist dünn, die politischen Unwägbarkeiten sind gross. Länderfonds eignen sich höchstens als Beilage in sehr grosse, bereits stark diversifizierte Portfolios. Zudem bestehen unter den einzelnen Indien- und Chinafonds grosse Unterschiede im Risiko-Rendite-Profil, wie der VZ-Fondstest zeigt.
- Chinafonds: Klassenbeste sind der Ofi Ming der französischen Fondsgesellschaft Ofivalmo und der dit-China. Ofi Ming ist ein Greater-Chinafonds; anders als der dit-Fonds investiert er nicht nur in China, sondern auch in Taiwan (10 Prozent) und Hongkong (43 Prozent), dessen Aktienmarkt stabiler ist als der chinesische.
- Indienfonds: Der HSBC GIF-Indian Equity ist punkto Performance der Überflieger. Der Pictet Fund Indian Equities entwickelt sich dafür stetiger.

31. März 2004 | Martin Metterli


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