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Wegen schwerer Nebenwirkungen verschwand der Grippeimpfstoff Nasalflu vor fast drei Jahren vom Markt. Doch die Geschädigten warten noch heute auf Wiedergutmachung.
Heiri Wanner aus Beringen SH hat es übel getroffen: Wenige Tage nach der zweiten Grippe-Impfung hing seine linke Gesichtshälfte förmlich herunter. Der Sanitärinstallateur berichtet heute: «Ein Arbeitskollege machte mich darauf aufmerksam. Ich hatte es im ersten Moment nicht einmal bemerkt.» Als der 61-Jährige deswegen beim Impfstoffhersteller Berna Biotech anrief, sei er schnöde abgefertigt worden.
Nach drei Jahren noch immer Sprachprobleme
Das war im Februar 2001. Ein halbes Jahr später musste Berna den Impfstoff, einen Nasenspray, vom Markt nehmen. Seither sind mehr als drei Jahre verstrichen. Doch Heiri Wanner leidet noch immer. Er kann zum Beispiel das S nicht mehr richtig aussprechen. Und wenn er müde ist, muss er aufpassen, dass ihm der Kaffee nicht aus dem Mundwinkel rinnt. Wanner: «Ich finde es schlimm, dass eine Firma ein Medikament mit solchen Nebenwirkungen auf den Markt bringen kann.» Wanner hat sich 18 weiteren Betroffenen angeschlossen, die den Zürcher Anwalt Robert Geisseler eingeschaltet haben.
Doch für Berna Biotech besteht bis heute kein Grund für eine Entschädigung. Sprecher Patrik Richard: «Die Behörden haben Nasalflu zugelassen. Deshalb sind Forderungen aus der Produktehaftpflicht unbegründet.»
Mehr noch: Berna Biotech bestreitet einen Zusammenhang zwischen Nasalflu und den Gesichtslähmungen. Und dies, obwohl die Firma im Februar eine interne Studie veröffentlichen musste. Diese spricht eine klare Sprache: Wer sich mit Nasalflu impfen liess, hatte ein fast 20fach erhöhtes Risiko, eine Gesichtslähmung zu erleiden. Anders gesagt: Wenn sich 10 000 Personen mit Nasalflu impfen lassen, muss man mit 13 zusätzlichen Fällen von Gesichtslähmung rechnen.
In der Studie kritisierten zudem selbst die von der Berna Biotech bezahlten Experten, dass der Impfstoff zu früh auf den Markt kam. Der Hersteller hätte ihn nur gerade an 1200 Menschen testen lassen - das seien zu wenige.
Kein Wunder, distanzierte sich Berna Biotech von der eigenen Untersuchung. Patrik Richard sprach gegenüber dem Pulstipp von «unverbindlichen Aussagen». Es handle sich um eine «statistische Studie», die über einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Nasalflu und den Gesichtslähmungen «nichts weiter» aussage.
Pikant: Die Resultate der Studie lagen bereits im letzten November vor. Sie wurden aber erst im Februar veröffentlicht. Für Margrit Kessler von der Schweizerischen Patientenorganisation ist klar, dass Berna Biotech auf Verzögerung macht - damit sie den Betroffenen nichts bezahlen muss: «Wenn man eine Studie so lange unter dem Deckel hält, liegt der Verdacht nahe, dass sie nicht die erwünschten Resultate gebracht hat.»
Berna Biotech entwickelt Nachfolger des Nasensprays
Berna-Sprecher Richard spricht von «haltlosen Anschuldigungen». Dennoch räumt er ein, dass die Firma «mit Patienten, die in zeitlicher Nähe mit der Anwendung von Nasalflu gesundheitliche Probleme erlitten haben», über eine einvernehmliche Lösung spreche. Doch diese Gespräche haben laut Anwalt Geisseler noch zu keinem Resultat geführt.
Berna Biotech bastelt unterdessen unbeirrt an der Entwicklung einer zweiten Generation des Grippe-Impfstoffs weiter.
09. Juni 2004 | Pirmin Schilliger - redaktion@pulstipp.ch
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