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Artikel | saldo 13/2004

Bürokratie-Kosten explodieren

Die Kantone geben immer mehr Geld aus für die Verwaltung. Genf und Basel haben die Ausgaben in vier Jahren fast verdoppelt.

Viele Kantone kämpfen gegen rote Zahlen. Ihre Ausgaben nehmen zu und ihre Verwaltungsapparate wachsen. Ein Vergleich von saldo zeigt, dass die Kantone daran nicht unschuldig sind: Die Gemeinwesen geben immer mehr Geld für die eigene Administration aus (siehe Tabelle). Seit Ende des letzten Jahrtausends sind die Pro-Kopf-Kosten für das «allgemeine Verwalten» über 10 Prozent gestiegen.

Spitzenreiter der inoffiziellen Bürokratie-Rangliste sind Genf und Basel. Ihre Ausgaben verdoppelten sich fast - in nur vier Jahren. Das Gefälle ist beträchtlich: Die Diplomatenstadt Genf wendet knapp 2000 Franken pro Kopf und Jahr für die allgemeine Verwaltung auf, dreimal so viel wie der Kanton Schwyz. Und am Rheinknie wird doppelt so viel Bürokratie betrieben wie in der ländlichen Ostschweiz.


Grosse Städte mit Zentrumslasten im Nachteil


Diese Unterschiede sind kein Zufall: «Nicht alle Verwaltungen bieten die gleiche Professionalität», meint Kurt Stalder, Sekretär der kantonalen Finanzdirektorenkonferenz. Allerdings haben nicht alle Kantone dieselben Probleme: Im Gegensatz zum Land leiden die Städte etwa unter den sogenannten Zentrumslasten. Arme, Alte, Alleinstehende, Ausländer, Auszubildende und Arbeitslose bevorzugen das Leben in den Zentren und treiben deren Aufwand in die Höhe.

Der Stadt-Land-Graben erklärt den grossen Ausgabenvorsprung von Genf und Basel nur zum Teil. Die Rhonestadt gibt sich ausserdem als Pionierin im E-Government und nimmt dafür eine Zunahme der allgemeinen Ausgaben in Kauf. Basel hat ein anderes Problem: die Abwanderung. Wer kann, zieht in die grüne Agglomeration hinaus, der Verwaltungsapparat bleibt aber konstant.


In Randregionen ist das öffentliche Leben teurer

Vom Gegenteil profitiert der kleine und reiche Kanton Zug. Seine Bürokratierate ist in den letzten Jahren deutlich gesunken, weil die Bevölkerung - aber nicht die Verwaltung - wächst. Die Freude darüber ist am Zugersee trotzdem beschränkt: Die Steuerämter können den Ansturm der letzten Jahre kaum mehr bewältigen. Gemäss Adrian Kübler, Chefsekretär der kantonalen Finanzdirektion, kommt ein Ausbau der Verwaltung aber nicht in Frage; die Engpässe sollen mit mehr Effizienz behoben werden.

Der Kanton Glarus hat seine Bürokratie kontinuierlich hinuntergeschraubt. Dennoch rangiert er immer noch in der vorderen Hälfte der Rangliste. Wie die Bergkantone Uri und Graubünden haben die Glarner Amtsstellen ihre Dienste in abgelegene Winkel hinauszutragen. Das öffentliche Leben in den Randregionen ist teuer.


Steuerzahler müssen die Bürokratie finanzieren

Was sagen Fachleute zum Bürokratiegefälle in der Schweiz? Rudolf Strahm, Preisüberwacher und SP-Nationalrat, macht den hohen Bürokratiegrad zu einem Grundproblem der Westschweizer Kantone. Dem hält Christophe Koller vom Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung in Lausanne entgegen, dass sich vor allem reiche Kantone durch überdurchschnittliche Kosten auszeichnen. Genf, Zug und Tessin müssen sich aber kaum Sorgen machen: Die ansässigen Firmen zahlen fleissig an die hohen Kosten. Überall sonst laufen die Gemeinwesen allerdings Gefahr, private Steuerzahler für die zunehmende Bürokratie bezahlen zu lassen.

Doch tiefe Kosten machen nicht automatisch froh. Schwyz, Thurgau oder Ob- und Nidwalden sind keine Vorzeigebeispiele. Denn schlanke, unbürokratische Kantone fallen sowohl bei Rudolf Strahm als auch beim FDP-Präsidenten Rolf Schweiger durch. Strahm bemängelt, dass solche Orte des Öftern von nahen Wirtschafts-, Bildungs- und Kulturzentren unentgeltlich mitprofitieren.




Detaillierte Daten über die Verwaltungsausgaben der Kantone liefert die Internet-Datenbank www.badac.ch

01. September 2004 | Paul Knüsel


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