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Artikel | saldo 16/2004

Forsche Töne gegenüber Kunden

Die Musikindustrie will in der Schweiz schärfere Gesetze durchsetzen: Es drohen Kopierverbote sowie neue Gebühren auf CD-Spielern, Computern und Handys.

Die goldenen Zeiten der Musikindustrie sind vorbei. Allein in der Schweiz sanken letztes Jahr die Verkäufe von CDs und Kassetten um 44,5 Millionen Franken. Die Schuldigen hat die internationale Vereinigung der Tonträgerindustrie IFPI längst ausgemacht: Konsumenten, die Tonträger kopieren oder Musik gratis aus dem Internet herunterladen. Peter Vosseler, Geschäftsführer von IFPI Schweiz, warnte im April, man werde «gegen Musikpiraten die Zügel straffer anziehen» (saldo 8/04).


Plattenfirmen: Einstieg in Online-Handel verpasst

Dabei geht die Branche gegen eine Technologie vor, die sie jahrelang ignoriert hat. Peter Bühler, Geschäftsführer vom Schweizer Internet-Musikhändler Cede: «Die Plattenfirmen haben das Internetzeitalter komplett verschlafen. Am Anfang haben sie den Online-Handel nur belächelt.»

Inzwischen kämpfen die tonangebenden Konzerne Sony/ BMG, Universal, EMI und Warner um ihr Geschäft. Besonders stark bearbeiten sie die EU-Kommission. Anfang 2005 werden 50-jährige Lieder wie etwa von Elvis Presley in der Schweiz und der EU gratis nutzbar - die im CD-Preis versteckten Abgaben für privates Kopieren fallen damit weg.

Die Plattenfirmen verlangen jetzt von der EU, dass Konsumenten für diese alten Songs mindestens 20 Jahre weiter Urheberrechtsgebühren zahlen sollen. EU-Kommissionssprecher Jonathan Todd: «Nicht zum ersten Mal lobbyiert die Musikindustrie bei der EU. Doch wir sehen keinen Grund, wieso der Schutz plötzlich verlängert werden sollte.»

Erfolgreicher hat die Branche ihre Interessen in Bern durchgesetzt: Das Urheberrechtsgesetz soll verschärft werden. Stimmen Bundesrat und Parlament zu, wäre es ab 2007 unter anderem verboten, die Kopiersperre auf einer CD zu umgehen. Dagegen wehrt sich der Dachverband der Urheberrechtsnutzer. Geschäftsführerin Claudia Bolla-Vincenz: «Kommt die Verschärfung des Gesetzes, sind die Konsumenten doppelt geprellt. Sie zahlen mit dem CD-Preis weiterhin eine Urheberrechtsgebühr für ein Recht, das sie nicht mehr ausüben können: Musik kopieren.» IFPI Schweiz argumentiert, man könne weiter für den Eigengebrauch kopieren - allerdings bloss auf Kassetten. Nur: Wer macht das heute noch?


Tonträgerindustrie verharmlost Kopierschutzproblem

In Frankreich spielen die Behörden nicht mit. Die Wettbewerbsbehörde untersucht, ob Konsumenten durch die eingeschränkte Funktion von kopiergeschützten CDs getäuscht werden. Und Sony Japan beschloss Anfang Oktober, auf die Kopiersperre zu verzichten.

Inoffiziell bestätigen auch Schweizer Plattenfirmen, dass sich Käufer häufig beklagen, ihr CD-Player könne die Scheiben gar nicht abspielen. Die IFPI hat dafür kein Gehör: «Das Abspielen ist heute auf nahezu allen Geräten problemlos möglich.» Seltsam, denn Sony druckt selbst auf modernste Stereoanlagen folgende Warnhinweise: «Seit neustem bringen einige Schallplattenfirmen Musik-CDs mit Kopierschutztechnologien auf den Markt. Einige entsprechen nicht dem CD-Standard und können mit diesem Produkt möglicherweise nicht wiedergegeben werden.»

Das geplante Gesetz verlangt zudem eine neue Gebühr auf alles, was Musik abspielen kann: Stereoanlagen, Handys, Computer. Claudia Bolla-Vincenz: «Unglaublich, die Nutzer müssten gleich dreimal Urheberrechtsgebühren abliefern: beim Albumkauf, auf dem Abspielgerät und für CD-Rohlinge.» Dies, obwohl letztes Jahr Urheber und Plattenfirmen bereits 200 Millionen Franken mit Gebühren verdient haben.



Musik und Internet: Das ist erlaubt

- Musik tauschen, kopieren: Im Familien-/Freundeskreis problemlos. Verboten ist der Verkauf kopierter Musik.
- Musik und Filme aus dem Internet: Legal ist das Herunterladen veröffentlichter Titel. Hände weg vom Anbieten von Musik und Filmen im Internet - es drohen Bussen und Gerichtsverfahren.
- Internetradio: Stream-Programme speichern Lieder von Internetradios auf den PC - diese können legal auf CD gebrannt werden.
- Kostenpflichtige Internetmusik: Apple bietet im Musik-Downloadservice iTunes in Frankreich und Deutschland 700 000 Lieder für je Fr. 1.55 an. Die Songs können legal und unbegrenzt für den Eigengebrauch auf CD kopiert werden. Demnächst erfolgt der Markteintritt auch in der Schweiz.

13. Oktober 2004 | Marc Meschenmoser


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Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
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Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
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