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Artikel | Gesundheits-Tipp 1/2005

Kampfer kann Kindern schaden

Viele Erkältungssalben sind für Kinder ungeeignet, denn sie enthalten Kampfer. Doch die Packungsbeilagen dieser Salben sind widersprüchlich.

Zärtlich streicht die Mutter über den Rücken ihres kleinen Patienten. Mit diesem Bild wirbt die Firma Procter & Gamble für die Salbe «Vicks VapoRub». Die Botschaft ist klar: Vicks soll Kindern gegen Erkältungen helfen.

Denn Vicks VapoRub enthält unter anderem Kampfer. Er fördert die Durchblutung und ist schleimlösend, lindert also die Symptome einer Erkältung. Nur: Kampfer ist für Kinder alles andere als unbedenklich. Vereinzelt berichten Eltern und Ärzte von geröteter Haut, Juckreiz und sogar Herz- und Atembeschwerden.

Auch für Hugo Kupferschmidt vom Toxikologischen Informationszentrum in Zürich ist Kampfer für Kinder nicht ungefährlich: «Der Stoff kann epileptische Anfälle auslösen.»


In hoher Dosierung sogar für Erwachsene giftig

In sehr hohen Mengen sei Kampfer sogar für Erwachsene giftig, sagt Kupferschmidt. «Bei Kindern kann aber schon eine vergleichsweise geringe Dosis eine Reaktion auslösen. Sie sind kleiner und haben eine dünnere Haut. So gelangt mehr Kampfer in den Körper.» Er empfiehlt, bei Kindern nur Salben ohne Kampfer zu benutzen.

Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Daten. Trotzdem empfiehlt Reinhard Saller, Arzt und Professor für Naturheilkunde am Unispital Zürich, seinen erkälteten Patienten in der Regel keine kampferhaltigen Produkte.

In der Tat ist Kampfer entbehrlich. Andere Substanzen haben eine ähnliche Wirkung und sind weniger problematisch. So gibts mehrere Erkältungssalben ohne Kampfer. Sie enthalten stattdessen ätherische Öle wie Thymian-, Rosmarin-, Lavendel- oder Eukalyptusöl. Auch Pulstipp-Arzt Thomas Walser mahnt zu Vorsicht: «Kindern unter sechs Jahren sollte man keine kampferhaltigen Produkte einreiben.»
Procter & Gamble sieht dies offenbar anders: Der Junge im Inserat ist deutlich jünger. Und in der Packungsbeilage zu Vicks VapoRub steht nur, Eltern sollten die Salbe bei Kindern unter zwei Jahren nicht und bei Kindern unter sieben Jahren «mit Vorsicht» anwenden.
Noch bedenklicher ist laut Fachleuten der Vicks Inhaler N: Der Inhalt des Stifts besteht zu zwei Fünfteln aus Kampfer. Man hält ihn direkt in die Nase und atmet ein. Laut Saller ist dies bei Kindern besonders problematisch, weil Kampfer über die Nasenschleimhäute leichter in den Körper gelangt als durch die Haut. Doch die Packungsbeilage schliesst die Anwendung bei Kindern nicht aus: Der Stift sei nur «für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet» und bei Kindern unter sechs Jahren «mit Vorsicht anzuwenden».


Nicht nur Altersangaben, auch Inhaltsstoffe prüfen

Procter & Gamble nimmt zur Altersgrenze nicht Stellung. Dem Pulstipp schreibt die Firma bloss, sowohl die Packungsbeilage als auch das betreffende Inserat seien von der Heilmittelbehörde Swissmedic genehmigt worden. Zudem seien Apotheker und Drogisten, welche die beiden Produkte verkauften, «verpflichtet, die Verbraucher zu beraten».

Auch die meisten anderen kampferhaltigen Salben dürfen Eltern laut Hersteller ihren Kindern einreiben. In den Packungsbeilagen finden sich alle möglichen Altersangaben. Einige Beispiele:
- Novartis bietet für seine Salbe Pulmex eine spezielle Baby-Version ohne Kampfer an. Doch auch die kampferhaltige Erwachsenensalbe dürfe man bereits bei «Kindern über drei Jahren» anwenden.

Novartis sieht da kein Problem: «Im Vergleich mit anderen kampferhaltigen Produkten, welche eine Behandlung ab zwei Jahren oder sogar früher zulassen, setzt Novartis eine höhere Sicherheitsspanne an.»
- Bei Resorban fehlen klare Altersangaben. Die Salbe solle nicht bei Säuglingen verwendet werden, bei «Kleinkindern über zwei Jahren» nur kurzzeitig.

Hersteller Spirig Pharma faxte dem Pulstipp den Briefwechsel mit Swissmedic. Pikantes Detail: Spirig wollte eine Altersangabe weglassen, die Formulierung «über zwei Jahren» stammt von der Swissmedic, welche die Packungsbeilage anschliessend genehmigte. Dem Pulstipp schreibt sie: «Bis heute liegen keine Meldungen von unerwünschten Wirkungen bei Kindern vor.»
- Vorbildlich sind einzig die Packungsbeilagen der Nasensalben «Rüedi» Spirig und Muco-Dest: Die Salben sind «nicht für Kinder unter sechs Jahren» bestimmt.

Besorgte Eltern sind also gut beraten, wenn sie in der Packungsbeilage nicht nur die Altersangaben lesen, sondern auch die Inhaltsstoffe. Denn auch ohne Kampfer können sich Kinder so wohl fühlen wie in der Vicks-Werbung.



Erkältung: So helfen Sie Ihrem Kind

Kranke Kinder werden meist von selbst wieder gesund. Die folgenden Tipps helfen Eltern, die Beschwerden des Kindes zu lindern.

- Ein krankes Kind braucht Ruhe und Erholung, aber nicht unbedingt Bettruhe. Es soll selbst entscheiden, ob es ins Bett will.
- Lassen Sie Ihr krankes Kind schlafen, wenn es müde wird - unabhängig von der Tageszeit.
- Ziehen Sie Ihr Kind nicht zu warm an. Am besten ist Kleidung aus Baumwolle, die Schweiss gut aufsaugt.
- Kranke Kinder sollten viel trinken, am besten lauwarme Tees mit etwas Zucker. Einmal täglich sollten sie etwas Salziges bekommen, zum Beispiel Bouillon oder Salzstängeli.
- Tagsüber sind fiebersenkende Massnahmen nur nötig, wenn Ihr Kind nichts trinken will oder gar nicht mehr spielen mag.
- In der Nacht kann es sinnvoll sein, das Fieber zu senken, damit das Kind besser schläft. Lindenblüten- und Holunderblütentee wirken schweisstreibend und senken dadurch das Fieber.
- Ein kleines Kind sollte nicht heiss inhalieren: Wenn es den Topf umwirft, kann es sich verbrennen.

Buchtipp
- Pulstipp-Ratgeber: «So wird Ihr Kind gesund». Bestellmöglichkeit auf Seite 9.

Weitere Tipps gegen Erkältung: www.dr-walser.ch/erkaeltung.htm

19. Januar 2005 | Christian Egg - cegg@pulstipp.ch


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