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Ein saldo-Vergleich bei Sonnenscremes zeigt: Je höher der Schutzfaktor, desto stolzer der Preis. Dabei hat der UV-Filter nichts mit den Herstellungskosten zu tun.
Berge, Schnee - und Sonnencremes: Dermatologen raten vor allem im Winter zu Produkten mit einem hohen Schutzfaktor.
Die Botschaft scheint anzukommen: 75 Prozent der in der Schweiz verkauften Sonnenschutzmittel haben laut dem Marktforschungsinstitut AC Nielsen einen Schutzfaktor von über 15 - ein Viertel davon sogar Faktor 26 und mehr.
Die Hersteller freut es, denn in diesem lukrativen Geschäft klettern die Preise mit zunehmendem Schutzfaktor in die Höhe, obwohl dieser keine grossen Kosten verursacht: Nicht weniger als 25 Millionen Franken liessen sich die Konsumentinnen und Konsumenten den Schutz vor schädlichen UV-Strahlen und Sonnenbrand im letzten Jahr kosten.
Schon im mittleren Preissegment happige Unterschiede
saldo hat 15 Produkte im mittleren Preisbereich in Drogerien und bei Grossverteilern in der Schweiz und in Deutschland eingekauft: Neben den Markenprodukten Nivea und Garnier L'Oréal wurden die Eigenmarken von Migros (Sun Look und M-Budget) sowie Coop (Sherpa Tensing) berücksichtigt. Aus Deutschland kamen die Aldi-Eigenmarke Ombia sowie die Produktelinie Sun Ozon der Drogeriekette Müller hinzu (siehe Tabelle).
Anders als in der Schweiz herrscht in Deutschland bei Sonnencremes ein harter Wettbewerb. Entscheidend für den Preis sind der Hersteller, der Verkaufsort, die Verpackungsgrösse sowie der Schutzfaktor.
Der saldo-Vergleich zeigt: Die Preisspannweite ist riesig. Über 27 Franken pro 100 Milliliter kostet zum Beispiel Nivea Kids mit Schutzfaktor 30 - dieselbe Menge Ombia-Sonnenmilch für Kinder mit dem gleichen Schutzfaktor gibt es bei Aldi in Deutschland für nicht einmal 2 Franken. Trotz tiefem Preis: Von der Stiftung Warentest erhielten Sun Ozon und Ombia Kindersonnenmilch mit den Schutzfaktoren 30 und 20 sowie andere Billigprodukte das Prädikat «sehr gut».
Sibylle Welker, Marketingleiterin bei Nivea-Importeur Beiersdorf, versucht die hohen Preise zu rechtfertigen: «Bei diesen Tests wurde der Schutz gegen Hautalterung nicht berücksichtigt, und genau darin unterscheiden sich Markenartikel deutlich gegenüber den günstigen Eigenmarken.»
M-Budget: Nur mit tiefem Schutzfaktor erhältlich
Nicht erklärt ist damit aber der Preisunterschied zwischen der Schweiz und Deutschland für ein und dasselbe Produkt. Zum Beispiel der Nivea Kids Spray: Bei uns kosten 200 Gramm mit Schutzfaktor 30 knapp 20 Franken - auf der anderen Seite der Grenze sind es umgerechnet 6 Franken weniger. Das ist keine Ausnahme.
Die Migros-Eigenmarke Sun Look ist zwar etwas günstiger als die Markenprodukte im saldo-Vergleich, bleibt aber viel teurer als die Konkurrenz aus Deutschland. «Der Produktionsstandort Schweiz ist halt etwas preisintensiver und ein Vergleich mit den Eigenmarken in Deutschland deshalb nur beschränkt möglich», argumentiert Martin Sutnar vom Migros-Marketing. Zudem: «Müsste die Kundschaft für Sun Look noch weniger bezahlen, wäre das Produkt als Billigmarke abgestempelt.»
Deutlich günstiger als die Sun-Look-Artikel ist die Sonnenmilch von M-Budget. Allerdings gibt es sie nur mit Schutzfaktor 10. «Eine Ausweitung von M-Budget auf die höheren Schutzfaktoren würde eine klare Abgrenzung der beiden Eigenmarken erschweren», sagt Sutnar.
Dumm für die Konsumenten: Der Trick, mit der doppelten Menge einer günstigen Sonnencreme einen hohen Schutzeffekt zu erzielen und damit Geld zu sparen, funktioniert leider nicht.
UV-Filter: Kein relevanter Kostenfaktor
Um einen hohen Schutzfaktor zu erzielen, müssen den Cremes entsprechend mehr UV-Filter-Substanzen zugefügt werden. Doch welchen Einfluss haben diese Chemikalien auf den Preis des Endprodukts?
Die angefragten Hersteller wollten gegenüber saldo keine genaue Auskunft geben. Auch die beiden Chemiefirmen Merck und Ciba als Hersteller der Rohprodukte schwiegen sich über die Preise der UV-Filter aus. Scott Thomson vom Marktleader BASF verrät immerhin so viel: «Die Zusammensetzung der einzelnen Produkte ist sehr unterschiedlich - es gibt teurere UV-Filter-Systeme mit zusätzlichen Leistungen (Fotostabilität, UVA-Schutz). Doch die Preise der UV-Filter als Rohstoffe liegen nicht so hoch, dass sie den ganzen Preisunterschied erklären.»
02. Februar 2005 | Stephan Dietrich
