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Artikel | saldo 3/2005

Fallen auf dem Weg zur Firma

Der eigene Chef sein: Angestellte, Arbeitslose - viele hegen den Traum von der eigenen Unternehmung. Doch häufig wird zu blauäugig geplant.

Ein steiniger Anfang für Jungunternehmer: Jeder zweite Selbständige scheitert in den ersten drei Jahren - häufig wegen finanzieller Probleme. Denn: Die meisten Firmenbesitzer schreiben im ersten Jahr Verluste, im zweiten Jahr versuchen sie ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, und erst im dritten Jahr verbuchen sie - falls alles gut läuft - den ersten Gewinn.


Banken verlangen bis zu 50 Prozent Eigenkapital

Die zentrale Frage lautet daher: Wie kommt ein Jungunternehmer zum nötigen Startkapital, um die Anfangsinvestitionen und den Lebensunterhalt abzudecken? Wer nicht genügend Erspartes hat, muss fremdes Geld auftreiben. Doch diese Suche wird allzu oft zum Stolperstein für neue Firmen.

Donato Ponzio, Leiter der Zürcher Fachstelle für Selbständigerwerbende, spricht Klartext: «Trotz anders lautender Verheissungen ist es für Kleinunternehmer schwierig, Fremdkapital zu beschaffen. Am ehesten klappt das noch bei Familienangehörigen oder Freunden in Form eines günstigen oder zinsfreien Darlehens.»

Wer aufs Geld einer Bank schielt, muss hohe Hürden nehmen. Ponzio: «Neben einem kommerziell interessanten Projekt braucht es 25 bis 50 Prozent Eigenkapital plus weitere Sicherheiten.»

Angehende Unternehmer beschaffen sich das nötige Kapital oft, indem sie das Geld ihrer Pensionskasse vorzeitig beziehen. «Das ist aber sehr riskant», mahnt Experte Donato Ponzio, «diese Art von Finanzierung ist nur für jene ratsam, die keine familiären Verpflichtungen haben oder noch ganz jung sind.»

Auch für Christian Weber vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sind die Finanzen der eigentliche Prüfstein auf dem Weg zur eigenen Firma. Doch das habe auch sein Gutes: «Wer es nicht schafft, mit einer bestechenden Idee an das nötige Geld zu kommen, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als Unternehmer keinen Erfolg haben.»


Rekordwerte sowohl bei Gründungen wie auch bei Konkursen

Wer jedoch die Startfinanzierung zusammenbringt, hat bereits einiges geschafft. Webers Erfahrungen - auch aus zwei eigenen Firmengründungen - zeigen, dass ein Unternehmer fortan der Wachstumsgeschwindigkeit besonderes Augenmerk schenken muss: «Hat ein Betrieb über zehn Angestellte, ist die Organisationsstruktur einer der wichtigen Faktoren, die über Erfolg oder Niederlage entscheiden.» Gleiches gilt für die Finanzplanung: «Es gibt zu viele Beispiele von Firmenpleiten, bei denen es nicht an guten Produkten fehlte, sondern an flüssigen Mitteln.»

Dass die Finanzen entscheidend sind für das Scheitern einer Firma, zeigt auch eine Untersuchung des Instituts Observa in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Verband Creditreform: Fast die Hälfte der Befragten gaben Geldprobleme als Grund der Geschäftsaufgabe an.

Gleichwohl: Die 34 000 Firmengründungen im letzten Jahr - plus 7 Prozent gegenüber 2003 - sind ein Rekordergebnis. Allerdings verschwanden im gleichen Zeitraum fast 26 000 Unternehmen aus der Statistik der Handelsregisterämter - auch das ist ein Rekordwert. Einer der Hauptgründe für das grosse Firmensterben sind Konkurse. Claude Federer, Sekretär von Creditreform: «Oft wird nach dem Prinzip "Versuchen wir es mal" gestartet.»


GmbH als Gesellschaftsform immer beliebter

Doch trotz durchzogener Konjunktur scheinen die Schweizerinnen und Schweizer zunehmend an den eigenen wirtschaftlichen Erfolg zu glauben. Spezialist Federer: «Viele Einzelpersonen wagen den Schritt in die Selbständigkeit - dafür spricht der hohe Anteil neu registrierter Einzelfirmen.»

Überdurchschnittlich ist auch der starke Zuwachs der Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Er zeigt, dass viele neue Unternehmen wegen der persönlichen Risikobegrenzung auf diese praktikable und auch in der Schweiz zunehmend beliebte Gesellschaftsform setzen.

16. Februar 2005 | Markus Kick


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