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Artikel | K-Geld 2/2005

«Nach fünf Monaten war mein Traumhaus fertig»

Billige Bauweise, Dutzendware, kurze Lebensdauer: Häuser ab Stange haben nicht den besten Ruf. Doch die Branche hat dazugelernt. Der moderne Systembau genügt auch hohen Ansprüchen. Das hat allerdings seinen Preis.

«Nach fünf Monaten war mein Traumhaus fertig»

Mein Haus kam auf sieben riesigen Lastwagen.» Monica Germann hat den Aufbau ihres Eigenheims beim aargauischen Mellingen auf Video verewigt: An einem kalten Morgen im März 2004 begann die Equipe des deutschen Systembauers Weberhaus mit der Montage der vorgefertigten Teile. «Nach nur drei Tagen war der Rohbau fertig», sagt Monica Germann noch heute staunend.

Und zügig ging es weiter. Bis Ende Mai hatten die Bauleute den Innenausbau fertig, Mitte Juni - fünf Monate nach dem Spatenstich - konnte Monica Germann in ihr neues Heim einziehen. «Und zwar in ein fixfertiges», wie sie betont.

Damit fand eine lange Geschichte ein schnelles Ende. Denn vor dem Entscheid für das Systemhaus stand eine jahrelange Suche nach dem geeigneten Wohnobjekt: «Was ich wollte, gab es einfach nicht.»

Die Personalleiterin italienischer Abstammung träumte von einem grosszügigen Landhaus im toskanischen Stil. Bei den Systemhaus-Herstellern wurde sie dann endlich fündig. Aufgrund des Preises entschied sie sich für einen deutschen Produzenten. Vor allem bei der Ausstattung habe Weberhaus günstiger offeriert als vergleichbare Schweizer Anbieter. «Ohne Einbussen in der Qualität», wie Germann betont. «Baumängel gab es keine, höchstens mal eine Kleinigkeit wie eine defekte Jalousien-Kurbel.»

Diese Kombination von kurzer Bauzeit und Qualität scheint sich im Eigenheimbau immer mehr durchzusetzen. Genaue Zahlen zum Schweizer Markt sind zwar nicht erhältlich. Laut Uwe Germerott, Geschäftsführer des Schweizerischen Verbandes für geprüfte Qualitätshäuser, ist aber rund jedes siebte in der Schweiz gebaute Einfamilienhaus ein Fertig- oder Systemhaus.

Damit erlebt die Branche einen eigentlichen Boom. Noch vor zehn Jahren lag der Marktanteil bei bescheidenen 2 bis 3 Prozent. Diese Zunahme hat mit der verbesserten Qualität zu tun. «Das Haus ab der Stange mit dem Billig-Image gibt es heute praktisch nicht mehr», sagt Christine Vollmer, Chefredaktorin des Magazins «Das Einfamilienhaus». Die Grenzen zwischen Systembau und individuell geplanter Architektur werden immer fliessender, einige Systemanbieter lassen auch renommierte Architekten für sich entwerfen.

Das hat natürlich auch eine Schattenseite: Mit den Ansprüchen steigen auch die Kosten. Die günstigsten Preise für ein schlüsselfertiges Haus liegen bei rund 300 000 Franken. Christine Vollmer: «Je nach Ausstattung erreichen aber auch Systemhäuser das Preisniveau von individuell gestalteten Häusern.»

Auch Monica Germanns Eigenheim wurde individuell geplant - wie rund 90 Prozent der Systemhäuser in der Schweiz. «Fertigelemente kommen nur teilweise zum Einsatz», sagt Uwe Germerott, «deshalb gibt es kaum mehr eine Preisersparnis gegenüber herkömmlichen Architektenhäusern.» Nur bei der Ausstattung würde die Bauherrschaft dank Grosshandelspreisen etwas günstiger fahren.

Apropos Preis: Auch bei den ausländischen Herstellern, die zunehmend in den Schweizer Markt drängen, ist die Preisersparnis nicht überall gegeben. «Qualität hat auch im Ausland ihren Preis», sagt Germerott. Billigangebote seien deshalb mit Vorsicht zu geniessen. Oft sei die Bauweise von schlechterer Qualität und entspräche nicht dem hiesigen Standard.
Trotz gestiegener Preise - ein grosser Vorteil des Systembaus bleibt seine Anschaulichkeit. Denn die meisten Leute können sich allein anhand von Bauplänen kaum vorstellen, wie ihr neues Heim wirklich aussehen wird. «Beim Systembau hingegen kann man Musterhäuser besichtigen und bekommt so ein genaues Bild von Raumaufteilung und Ausstattung», sagt Christine Vollmer. Und: Man erhält alles aus einer Hand und muss sich nicht selber mit Details herumschlagen.
Beim deutschen Anbieter Weberhaus etwa werden potenzielle Kundinnen und Kunden für einige Tage in das firmeneigene «Haus der Kreationen» ins badische Rheinau-Linx eingeladen. «Von früh bis spät war ich mit meinem Ausstattungsberater in der riesigen Ausstellung», erzählt Monica Germann. Plättli, Kücheneinrichtung, Bad, Steckdosen, Heizung usw.: Die gesamte Einrichtung für das neue Eigenheim hat die Bauherrin im «Haus der Kreationen» festgelegt.

Schon vor Baubeginn wusste Monica Germann, dass ihr individuell gestaltetes 270-Quadratmeter-Haus rund 700 000 Franken kosten würde. Und genauso viel hat sie schliesslich bezahlt.



Fertighaus, Systemhaus und Architektenhaus

Wer ein Haus baut, kann wählen zwischen einem Fertighaus, einem Systemhaus oder einem Architektenhaus. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Typen sind fliessend.

Fertighaus
Je nach Anbieter gibt es verschiedene Grundtypen von Häusern. Die Bauelemente werden weitgehend vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch montiert. Das Angebot ist in den letzten Jahren immer grösser geworden. Eine klare Abgrenzung zu den Systemhäusern ist deshalb nicht mehr möglich.

Systemhaus
Systemhäuser werden individuell nach Vorgaben der Kunden geplant. Der Anbieter stellt den Architekten oder der Kunde wählt ihn selber. Teilweise werden Fertigelemente verwendet - etwa für den Keller oder die Aussenwände. Wie bei den Fertighäusern sind Preise und Termine garantiert.

Architektenhaus
Der Architekt entwirft das Haus nach den Gegebenheiten des Baugrundstücks.
Es wird individuell nach den Wünschen der Bauherrschaft realisiert. Unikate, meist ohne Fertigelemente.



Bauen mit System

- Machen Sie sich ein möglichst klares Bild von Ihren Vorstellungen und Möglichkeiten, sonst verlieren Sie sich in der Fülle der Angebote. Allein in der Zeitschrift «Das Eigenheim» werben rund 40 Anbieter für Systemhäuser.
- Besuchen Sie Ausstellungen von Musterhäusern oder lassen Sie sich Referenzobjekte zeigen. Schauen Sie sich auch Häuser an, die schon länger bestehen.
- Vergleichen Sie die Angebote von mehreren Herstellern.
- Machen Sie sich ein genaues Bild darüber, was Sie für Ihr Geld bekommen. Lassen Sie sich die Bauweise ganz genau erklären.
- Achten Sie beim Kaufvertrag darauf, dass alle Leistungen im Detail aufgeführt sind (Bau- und Leistungsbeschrieb, Ausstattungen, Materialien, Menge, Qualität, Bauteile und Preise).
- Lassen Sie sich eine Festpreisgarantie geben. Klären Sie ab, was nicht im Festpreis enthalten ist.
- Leisten Sie keine hohen Vorauszahlungen. Solche Forderungen könnten ein Hinweis sein, dass der Hersteller unseriös ist.
- Wenden Sie sich mit Vorteil an einen grösseren Hersteller. Seine Produkte sind erprobt und die Nachbetreuung ist garantiert. Bei kleinen Herstellern ist das Risiko grösser, dass sie sich wieder aus dem Markt verabschieden.

30. März 2005 | Martin Stutz


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