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Artikel | Haus & Garten 3/2005

Zahlen, um Zahlungskräftige anzulocken

Fitness-Abos, Gutscheine für Wanderwochen, Beiträge an Ernährungskurse: Mit Spezialangeboten versuchen Krankenkassen, Gesundheitsbewusste zu Zusatzversicherungen zu überreden.

Erst wenige Jahre ist es her, da ernteten Swica, Helsana und Visana heftige Kritik. Die drei Krankenkassen hatten beschlossen, Beiträge an das Abo fürs Fitnesscenter zu zahlen.

Solche Beiträge im Umfang von 200 bis 300 Franken pro Jahr gibt es inzwischen zwar bei sieben der zwölf grössten Kassen in der Schweiz (siehe Tabelle). Doch die Diskussionen, ob mit dem Fitness-Bonus ein Beitrag an die Gesundheitsförderung geleistet oder einfach Jagd auf «gute Risiken» gemacht werde, sind noch immer nicht ganz abgeklungen.

Mit Assura, CSS, Intras, KPT und Sanitas zahlen nach wie vor fünf der zwölf grössten Krankenkassen nichts ans Fitness-Abo. Sanitas-Sprecherin Isabelle Vautravers argumentiert: «Die Ausgaben für Wellness und Fitness sind in der Regel schwer von jenen für die Freizeit zu trennen. Deshalb sscheint es uns sinnvoll, dass jeder Versicherte die Kosten selber trägt.» Die CSS wiederum stützt sich auf eine interne Kosten-Nutzen-Analyse, bei der sie zum Schluss gekommen ist, dass sich solche Beiträge kaum kostensenkend auswirken.

Doch eigentlich ist der umstrittene Beitrag ans Fitness-Abo heute nur noch ein Nebenschauplatz. Denn fast alle Kassen haben unter dem Titel Gesundheitsförderung und -prävention mittlerweile Köder zum Abschluss einer Zusatzversicherung ausgelegt. Die CSS zum Beispiel schüttet über ein persönliches Gesundheitskonto bis zu 500 Franken jährlich aus. Geld gibt es für über 40 gesundheitsfördernde Massnahmen, darunter Aquafit-Kurse, Herzturnen und Osteoporoseprophylaxe. Hinzu kommen 25 unterstützungsberechtigte Veranstaltungen und Seminare, die von Schneeschuhtouren bis zu Wellnesskursen reichen.


Bei der Assura gibts keinerlei Beiträge für Prävention

Die Swica, die sich schon beim Fitness-Abo relativ spendabel gibt, stellt insgesamt 500 Franken für die weitere Gesundheitsförderung in Aussicht. Auch bei Helsana, Concordia und Wincare werden übers Fitness-Abo hinaus Beiträge bis maximal 500 Franken verteilt.
Etwas zurückhaltender sind da die Visana mit 150 Franken und die Groupe Mutuel mit 200 Franken. Die KPT wiederum beschränkt sich bei den Präventionsleistungen auf einen Zuschuss an den medizinischen Check-up. Und die Assura schliesslich lässt gar nichts springen. Assura-Sprecher Philipp Stalder: «Für die Prävention ist der Versicherte selber verantwortlich. Wenn wir als Kasse dafür aufkommen wollten, würde dies die Prämien rasant in die Höhe treiben.»
Klar ist: Laut Krankenversicherungsgesetz (KVG) dürfen Bonusleistungen an Fitness, Prävention und Sport nicht aus der obligatorischen Grundversicherung bezahlt werden. In deren Genuss gelangt also nur, wer eine oder mehrere entsprechende Zusatzversicherungen abschliesst.

Bei welcher Kasse den Versicherten die besten «Zückerchen» offeriert werden, lässt sich kaum ausrechnen - zu unterschiedlich sind dazu die angebotenen Leistungen. Denn jede Krankenkasse definiert Gesundheitsförderung nach eigenen Kriterien.


Zustüpfe an Kletterkurse und Thalasso-Wochenenden

Entsprechend unterscheidet sich die Liste der Angebote, für die es Zuschüsse gibt, überall. Bei der Visana etwa gehören sogar Saunabesuche, Tai-Chi- und Qi-Gong-Kurse dazu. Groupe Mutuel und ÖKK honorieren auch die Mitgliedschaft in Sportvereinen.
Beiträge an freiwillige, nicht vom Arzt verordnete Badeferien in Wellness-Zentren hingegen sind nur bei ganz wenigen Kassen ein Thema: Bei der CSS zum Beispiel liegt ein Zustupf an ein Thalasso-Wochenende in Bad Zurzach drin. Auch für Familienkletterkurse oder Übernachtungen in SAC-Hütten gibts Unterstützung. Bei der Groupe Mutuel werden die Versicherten automatisch Mitglieder von «Le Club», bei der ÖKK von «ÖKK-Club». Dabei winken Vergünstigungen für Wanderferien und Ski-Abos.

Der ÖKK-Club verbilligt auch eine Woche Erlebnisradeln am Bodensee oder Ferien im Zigeunerwagen mit 100 Franken. Ein derartiges Lifestyle-Angebot hat indes nicht mehr viel mit eigentlicher Gesundheitsförderung zu tun - es dient primär als Kundenbindungs- und Marketinginstrument.

Einen ähnlichen Zweck verfolgen die verschiedenen Partnerschaften: Die Helsana kooperiert unter anderem mit Ryffel Running und dem Schweizerischen Leichtathletik-Verband (SLV), die Swica und die Concordia mit der Fitnesscenter-Qualitätssicherung «Qualitop» und die ÖKK mit der Swiss Snowboard Championship. Solches «Cross-Marketing» steigert in erster Linie den Bekanntheitsgrad der jeweiligen Krankenkasse.

Keine Beiträge leisten die grösseren Kassen an Ausgaben für Sportausrüstung und -geräte. Wer Wanderschuhe oder Walking-Stöcke mitfinanziert haben möchte, muss zur kleineren Innova gehen. Diese macht zwar bei den Fitness-Checks nicht mit. Dafür vergibt sie Rabatt-Gutscheine (20 Prozent, maximal 500 Franken) für Einkäufe in Intersport-Läden. Die meisten Kassen unterstützen aus den Zusatzversicherungen «nur» definierte medizinische Hilfsgeräte wie Hörapparate, Masai-Schuhe, Sprechhilfen usw. - aber ausschliesslich auf ärztliche Verordnung.


Manchmal bezahlt auch die Grundversicherung

Übrigens: Auch aus der Grundversicherung gibts zuweilen Beiträge - aber nur an (Bade-)Kuren und nur in wenigen, vom KVG genau umschriebenen Fällen. Denkbar ist dies etwa auf ärztliche Anordnung und zur gezielten Rehabilitation nach einem Spitalaufenthalt oder einer schweren Krankheit.

29. Juni 2005 | Pirmin Schilliger


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