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Artikel | Haus & Garten 4/2005

So finden Sie eine Stelle in Europa

Seit Juni 2004 brauchen Schweizer in den 15 alten EU-Staaten keine Arbeitsbewilligung mehr. Spezielle Stellen helfen bei Jobsuche und Organisation des Auslandaufenthalts.

An norwegischen Fjorden Lachse züchten, im Hotel an der Costa del Sol Touristen animieren, in London Spitzenweine verkaufen oder auf Santorini eine Bar eröffnen - rechtlich ist das kein Problem mehr.

Dank des Personenfreizügigkeitsabkommens zwischen der Schweiz und der EU haben Schweizerinnen und Schweizer seit Sommer 2004 das Recht, sich in der EU aufzuhalten und dort einer Arbeit nachzugehen.

Das Abkommen gilt vorläufig allerdings nur für die 15 alten EU-Staaten Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien.

Bei Arbeitsverträgen, die eine gewisse Zeitdauer überschreiten, braucht es jedoch nach wie vor meist eine Aufenthaltserlaubnis, die das Gastland erteilen muss. Es wird nach drei Aufenthaltskategorien unterschieden:
- Für Arbeitseinsätze von höchstens 90 Tagen pro Jahr braucht es keine Arbeitsbewilligung. Die 90 Tage können beliebig auf verschiedene Einsätze verteilt werden.
- Für Arbeitsverträge mit einer Laufzeit von mehr als drei Monaten, aber weniger als einem Jahr braucht es eine Kurzaufenthalterbewilligung. Sie gilt so lange wie der Arbeitsvertrag.
- Für Arbeitsverträge von mehr als einem Jahr oder unbefristeter Dauer braucht es eine Daueraufenthaltsbewilligung. Sie ist fünf Jahre gültig und wird normalerweise automatisch verlängert.

In Grossbritannien und Irland kann man sich den Gang auf die Ämter übrigens sparen. Diese beiden Staaten verzichten ganz auf eine Aufenthaltsbewilligung.


Chancen für Handwerker und Gesundheitspersonal

Noch machen Schweizer eher zaghaft von den neuen Möglichkeiten Gebrauch. «Der Boom ist ausgeblieben», sagt Roland E. Flükiger, der beim Bundesamt für Migration (BfM) für die Auswanderung zuständig ist. Immerhin hat sein Amt im letzten Jahr rund 2000 Mail- und Telefonfragen zum Thema Auswanderung in ein EU-Land beantwortet.

Flükiger geht davon aus, dass viele drängende Fragen schon mit einem Besuch auf der Website des Amtes geklärt werden können. Dort hat das BfM viele Informationen und Links zusammengestellt, die bei der Jobsuche weiterhelfen: Tipps zum Vorgehen, richtiges Bewerben, Übersetzung und Anerkennung von Diplomen und allgemeine Länderinformationen.

Doch die schöne neue Personenfreizügigkeit nützt nichts, wenn im Zielland kaum offene Stellen zu finden sind.


Europaweites Netzwerk hilft beim Finden geeigneter Jobs

«Die Lage auf den meisten europäischen Arbeitsmärkten ist schlimmer als in der Schweiz», sagt Roland E. Flükiger. In der EU eine existenzsichernde Arbeit zu finden ist darum ein hartes Stück Arbeit und verlangt Eigeninitiative, Engagement und Hartnäckigkeit.

Trotzdem bieten sich in der EU für sprachbegabte Schweizer zahlreiche Möglichkeiten: Laut Flükiger fehlen beispielsweise in Westeuropa Fachkräfte im Gesundheitswesen. Auch für gute Handwerker sieht er durchaus Möglichkeiten. «Allgemein gilt: Je besser qualifiziert, desto grösser die Chancen», sagt Fachmann Flükiger.

Die besten Jobaussichten bestehen derzeit auf dem englischen, schottischen und irischen Arbeitsmarkt: «Diese Länder rekrutieren viel neues Personal - und wer gut Englisch spricht, hat gute Chancen», sagt Denise Z'graggen. Sie ist eine von elf Eures-Beratern in der Schweiz.

Eures (European Employment Service), ein europaweites Netz von Vermittlungsstellen, Arbeitsämtern und Beratern, hilft beim Finden einer geeigneten Stelle in einem anderen europäischen Land. Das Netzwerk wurde 1992 ins Leben gerufen, um Europäern den Umzug von einem Land ins andere zu erleichtern. Die Schweizer Teilnahme an Eures ist ein wichtiges Instrument, damit Schweizer optimal von den Möglichkeiten des Freizügigkeitsabkommens profitieren können.

Die Schweizer Eures-Beraterinnen und -Berater sind verschiedenen regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und dem BfM in Bern angegliedert. Sie klären die Bedürfnisse der Stellensuchenden ab und schliessen sich mit Eures-Kollegen im Zielland kurz, um Arbeitsmöglichkeiten zu finden.

Dank ihrer Erfahrung und ihren Kontakten können die Schweizer Eures-Berater sofort sagen, ob ein bestimmtes Auslandvorhaben Aussichten auf Erfolg hat. Falls ja, leiten sie das Bewerbungsdossier an die zuständigen Eures-Berater in der Zielregion weiter.

Denise Z'graggen, die im RAV Biel arbeitet, konnte im letzten Jahr auf diesem Weg rund zehn Stellensuchenden einen Auslandjob verschaffen; unter anderem in Callcenters in Schottland, wo Deutschsprachige gefragt sind. Sie kennt den Bedarf auf ausländischen Arbeitsmärkten: «Norwegen sucht Spezialisten und Ingenieure, in Deutschland sind Controller, Ökonomen oder Informatiker gefragt», sagt sie.

Jobsuchende können auch direkt via Internet von den Eures-Dienstleistungen profitieren: Die Eures-Site mit ihren zahlreichen Infos und Links ist das wichtigste Portal zur Stellensuche im Ausland. Hier kann man nach Beratern in einer bestimmten Region suchen und diese kontaktieren. Unter «Stellenangebote» finden sich Tausende von Jobangeboten.

Auch ein Besuch vor Ort kann ein geeigneter Weg sein, um die gewünschte Stelle zu finden. Stellensuchende Schweizer dürfen sich dafür während sechs Monaten ohne Aufenthaltsbewilligung in einem EU-Land aufhalten. Wenn sie nach Ablauf dieser sechs Monate keine geeignete Stelle gefunden haben, aber weiterhin Aussicht auf Erfolg besteht, kann der Zeitraum verlängert werden.

Und - auch das schreibt das Abkommen vor - die Arbeitsämter vor Ort müssen Schweizern bei der Suche genauso behilflich sein wie den eigenen Staatsangehörigen.


Arbeitslose: Unterstützung bei Stellensuche im Ausland

Arbeitslose haben ebenfalls die Möglichkeit, direkt in einem EU-Land auf Stellensuche zu gehen. Dabei können sie während maximal drei Monaten ihre Schweizer Arbeitslosenunterstützung weiterbeziehen. Sie müssen dafür den Antrag für den so genannten Leistungsexport bei ihrem zuständigen Personalberater des RAV einreichen, sich anschliessend bei den ausländischen Arbeitsämtern zur Vermittlung anmelden und deren Kontrollvorschriften für die Arbeitssuche erfüllen.

Die mühsame Stellensuche und das unbekannte Bewerbungsprozedere im Ausland kann man sich ersparen, indem man sich von einer international tätigen Firma mit Sitz in der Schweiz ins Ausland versetzen lässt. Die Personalabteilungen solcher Schweizer Firmen haben Erfahrung mit Auslandeinsätzen und kümmern sich um Aufenthaltsbewilligungen, Sozialversicherungen und organisieren manchmal gar den Umzug. Der Wechsel ins Ausland lässt sich so bequem von zu Hause aus vorbereiten.



Ein Traumjob in der EU: Diese Stellen bieten Hilfe

- Nutzen Sie Ihr persönliches Netzwerk: Sprechen Sie Freunde, Bekannte, Verwandte und Berufsverbände an.
- Erkundigen Sie sich beim Bundesamt für Migration (BfM) über allgemeine Länderinformationen wie beispielsweise die Anerkennung von Diplomen. Internet: www.swissemigration.ch.
- Halten Sie in der Schweiz nach Stellenangeboten fürs Ausland Ausschau. Nützliche Quellen sind die Inserateseiten in- und ausländischer Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachzeitschriften. Weiter sollten Sie auf die Websites international tätiger Schweizer Unternehmen, auf schweizerische und internationale Internet-Jobbörsen surfen.
- Geben Sie in Zeitungen oder im Web ein Inserat auf - etwa auf http://eurescv-search.com.
- Fragen Sie in- und ausländische Temporärbüros an.
- Nutzen Sie den Service des European Employment Service (Eures). Stellen Sie den Kontakt über Ihr Regionales Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) her oder wenden Sie sich direkt an einen Berater. (Adressen unter: http:// europa.eu.int/eures -> «Eures-Berater suchen» -> «Schweiz»).
- Suchen Sie selber im Ausland nach Stellenangeboten: Machen Sie einen Besuch im Zielland und nutzen Sie Tagungen, Seminare oder Fachmessen für Kontakte.
- Nehmen Sie die Dienstleistungen öffentlicher Arbeitsvermittlungsstellen in Anspruch (Eures und staatliche Arbeitsämter unter http://europa.eu.int/eures).



BUCHTIPP

Christian Kaiser: «Lernen und arbeiten in Europa - So nutzen Sie die neuen Chancen in der EU», Beobachter-Buchverlag, 2003, Fr. 34.80.

21. September 2005 | Christian Kaiser


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