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Sein eigener Chef zu sein, hat viele Vorteile - sofern man den Schritt in die Selbständigkeit gewissenhaft plant. SPEZIAL sagt, worauf künftige Unternehmer achten müssen.
Entscheidungen selber treffen und viel Geld verdienen. Davon träumt jeder, der den Sprung in die Selbständigkeit wagt. Die Realität sieht anders aus: Die meisten Jungunternehmer arbeiten mehr und länger als Angestellte. Zudem müssen sie in der Regel einige Jahre auf richtige Ferien verzichten. Dies im Bewusstsein, dass alle Mühen statistisch gesehen mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit nach drei Jahren im Konkurs enden. Andererseits haben Unternehmer mehr Spass an ihrer Arbeit - behauptet zumindest die Statistik.
Wie aber wird man Jungunternehmer, welche charakterlichen und fachlichen Voraussetzungen muss man mitbringen - und was kostet der Einstieg in die Unabhängigkeit? Wer sein eigener Chef werden will, muss wissen, welche Fallgruben lauern - und wie diese am besten zu umgehen sind. Sechs Schwerpunkte gilt es dabei zu beachten.
1. Die wichtigsten Eigenschaften
Eines ist allen erfolgreichen Unternehmern gemeinsam: Sie haben Spass an dem, was sie tun, versprühen Optimismus und Zuversicht. Ausserdem verfügen sie über Verhandlungsgeschick, Organisationstalent und eine kräftige Portion gesunden Menschenverstand. Kommt noch kaufmännisches Verständnis hinzu, stehen die Chancen gut, dass das Unternehmen Erfolg hat.
2. Das richtige Geschäftsmodell
Grundlage jedes Unternehmens ist ein «funktionierendes» Geschäftsmodell. Umfragen zeigen, dass nur 5 Prozent aller Firmengründungen einer neuen Idee entspringen. Die grosse Mehrheit aller Jungunternehmen baut auf einer bestehenden Dienstleistung oder einem bestehenden Produkt auf.
Das Geheimnis: Wer einige Jahre aufmerksam in einer Branche gearbeitet und viele Erfahrungen gesammelt hat, weiss um die Wünsche und Probleme seiner zukünftigen Kunden. Hinzu kommt, dass Brancheninsider meist auch über ein entsprechendes Beziehungsnetz verfügen und potenzielle Auftraggeber und Lieferanten bereits kennen.
Doch mit der Geschäftsidee alleine ist es nicht getan. Es braucht auch einen Markt und - was gerne vergessen geht - eine Kundschaft, die bereit ist, für das Produkt oder die Dienstleistung einen angemessenen Preis zu zahlen.
Deshalb hat ein Unternehmenskauf im Vergleich zu einer Neugründung oft Vorteile: Man kann von den Erfahrungen der Vorgänger profitieren, ohne die schlimmsten Fehler zu begehen.
Als Franchise- oder Lizenznehmer, als Alleinvertreter oder Direktverkäufer lässt sich der Sprung in die Unabhängigkeit ebenfalls wagen. Aber auch hier sollte die Geschäftsidee eingehend geprüft werden (siehe Seite 76, «Dubiose Angebote»).
3. Der detaillierte Businessplan
Der Businessplan eignet sich in den ersten Monaten nach dem Start auch als Kompass. Er ist die detaillierte Beschreibung der Geschäftsidee und zeigt klar, was und wie man seine geschäftlichen Ziele erreichen will.
Ein Businessplan wirkt sowohl gegen aussen als auch gegen innen, denn er ermöglicht:
- Klarheit: Er zwingt Jungunternehmer, ihre Vorstellungen und Zielsetzungen schriftlich genau festzuhalten und zu berechnen, wie viel Geld es für die Startphase des Unternehmens überhaupt braucht.
- Präsentation: Mögliche Geldgeber oder Partner bekommen dank des Businessplans einen besseren Einblick in die Firma.
- Kontrolle: Der Businessplan zeigt an, ob man wichtige Meilensteine beim Aufbau des Unternehmens termingerecht erreicht.
4. Das nötige Eigenkapital
Ohne finanzielle Ressourcen kommt selbst die beste Geschäftsidee nicht aus den Startlöchern. Basis einer jeden Selbständigkeit ist ein solides Fundament an Eigenkapital. Es lässt sich über mehrere Kanäle beschaffen:
- Ersparnisse: Das ist sicher der einfachste Weg. Wer aber sein eigenes Geld einsetzt, sollte nicht das ganze Vermögen als Eigenkapital riskieren, sondern sechs Monatslöhne als eiserne Reserve auf die hohe Kante legen.
- Hypothekarkredite: Eine andere Möglichkeit, Eigenkapital zu beschaffen, ist die Belehnung der privaten Liegenschaft. Hypothekarkredite sind im Vergleich zu Unternehmenskrediten sehr günstig.
- Pensionskasse: Wer sich selbständig macht, kann sein Guthaben bei der Pensionskasse bar beziehen.
- Private Darlehen: Sind die eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft, gilt es andere Geldquellen anzuzapfen. Firmengründer können gemäss Studien oft auf die «drei F», Family, Friends and Fools (Familie, Freunde und Verrückte), zurückgreifen. Die Familie spielt dabei noch immer eine zentrale Rolle.
- Bankkredite: Reichen die eigenen Ersparnisse und das Darlehen der Familie nicht aus, muss zusätzliches Fremdkapital her. Das ist meist ein Problem. Von den Banken können Firmengründer in der Schweiz nicht viel erwarten. Kredite werden nur gegen ausreichende Sicherheiten gewährt.
5. Die richtige Rechtsform
Nicht jede Rechtsform passt zu jedem Unternehmen. Im Grunde genommen stellt sich eine entscheidende Frage: Will ich als Gründer mit meinem ganzen Privatvermögen haften oder soll das Risiko beschränkt werden? Für neue Firmen kommen in der Regel drei Rechtsformen in Frage:
- Einzelfirma: Das ist die von Jungunternehmern am häufigsten gewählte Rechtsform.
Vorteil: Die Gründungsformalitäten sind sehr einfach. Und die Kosten für die Beratung sowie den Handelsregistereintrag liegen kaum über 500 Franken.
Nachteil: Bei diesem Rechtskleid trägt der Inhaber der Einzelfirma das volle Firmenrisiko und haftet mit dem gesamten Privat- und Geschäftsvermögen.
- Aktiengesellschaft: Sie haftet nur mit dem Gesellschaftsvermögen, das mindestens 100 000 Franken betragen muss.
Nachteile gibt es indes bei Steuerfragen. Da die AG eine juristische Person ist, wird sie separat besteuert.
- GmbH: Immer beliebter wird die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Diese Rechtsform ist für Kleinunternehmer besonders geeignet, weil das Minimalkapital bloss 20 000 Franken beträgt und die Gesellschafter nur in der Höhe ihrer Einlage haften.
6. Die penible Buchhaltung
Wichtig für jeden Selbständigen ist die genaue Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben. Dazu braucht es die Buchhaltung, wobei Einzelfirmen mit einem Umsatz unter 75 000 Franken keine führen müssen. Dennoch - so zeigt die Erfahrung - ist auch für sehr kleine Unternehmen eine saubere Buchhaltung wichtig. Nur so hat man die Geldflüsse unter Kontrolle. Wer keine Rechnungen stellt, weil er den Überblick über den Papierkram verloren hat, wird nie gut verdienen. Jungunternehmer sollten sich zumindest die Grundbegriffe aneignen - jeder kann lernen, wie man eine korrekte Buchhaltung führt.
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Checkliste: Bin ich bereit für die Selbständigkeit?
Der Schritt in die Selbständigkeit muss wohlüberlegt sein. Der nachfolgende Fragekatalog hilft, in drei Schritten die wichtigsten Punkte abzuklären.
1. Schritt: Die Eignung
Nicht alle Menschen sind für die Selbständigkeit geschaffen. Beantworten Sie deshalb folgende Fragen:
- Kann ich alleine arbeiten?
- Habe ich genügend Ausdauer?
- Wie viel Risiko ertrage ich?
- Gehe ich offen, kommunikativ und neugierig auf Menschen zu?
- Habe ich Ehrgeiz und Fleiss?
- Unterstützt mich mein Umfeld?
- Reicht mein finanzielles Polster aus?
- Bin ich ausreichend versichert?
2. Schritt: Die Vision
Entwickeln Sie eine klare Vision für Ihre künftige Tätigkeit. Stellen Sie sich dazu diese zentralen Fragen:
- Wer bin ich? Was mache ich gern? Worin bin ich besser als die anderen? Warum will ich selbständig sein?
- Wie sieht das Geschäftsfeld aus, in dem ich tätig bin? Wie wird es sich entwickeln?
- Wer sind meine Traumkunden?
- Welche Bedürfnisse haben die Menschen, denen ich dienen will? Wie löse ich ihre Probleme? Wie haben sie es bisher gemacht?
- Wer sind die Konkurrenten? Was mache ich anders, besser? Was ist mein nicht austauschbares Schlüsselangebot?
- Welchen einzigartigen Nutzen will ich meinen Kunden bieten? Wo will ich in fünf bis zehn Jahren stehen?
3. Schritt: Die Geschäftsidee
Die Vision muss sich als Geschäftsidee manifestieren. Eine solche ist aber nur gut, wenn Sie sich voll mit ihr identifizieren können. Diese Punkte müssen geklärt sein:
- Identifikation: Stehe ich voll hinter meiner Geschäftsidee? Bin ich bereit, in den ersten zwei bis drei Jahren sechs Tage pro Woche und mehr als 55 Stunden dafür zu arbeiten?
- Qualifikation: Verfüge ich über ausreichendes Know-how, Berufserfahrung, Kontakte in meinem Markt sowie unternehmerisches Denken? Welche Qualifikationen muss ich mir zusätzlich aneignen?
- Marktsituation: Welche und wie viele Kunden wären bereit, einen fairen Preis für meine Leistungen zu bezahlen?
- Konkurrenzsituation: Wie viele Konkurrenten gibt es in diesem Geschäft? Worin sind sie mir allenfalls fachlich oder organisatorisch überlegen?
- Finanzsituation: Ist meine Geschäftsidee finanziell tragfähig? Bin ich in der Lage, mit meiner Geschäftsidee genügend Einkommen zu erzielen, sodass ich meinen Lebensunterhalt bestreiten und mich auch für Krankheit und Alter ausreichend absichern kann?
21. September 2005 | Tobias Billeter
