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Schwellenländer-Fonds sind die grossen Geldvermehrer der letzten Jahre. K-Geld sagt, wie man an der Party in den Emerging Markets teilhat und welche Risiken man dabei eingeht.
Klaus Wellershoff, UBS-Chefökonom, ist überzeugt, dass der Boom noch lange nicht vorbei ist. «Das ist eine der letzten Investment-Chancen, die Anleger noch haben», sagt er.
Die Emerging Markets erleben derzeit ihr Wirtschaftswunder. Sie wachsen in einem Tempo, von dem Europa nur träumen kann. Dieses Jahr werden es 6,3 Prozent sein, sagt der Internationale Währungsfonds voraus. Die Schweiz dürfte rund 1 Prozent schaffen.
Die Kurse an den Schwellenländer-Börsen schiessen in die Höhe. Ihr Barometer - der MSCI Emerging-Markets-Index - stieg 2003 um 52 Prozent, 2004 waren es noch einmal 22 Prozent.
Und diesen Sommer kletterte der Index auf ein neues Allzeithoch. Von 26 Aktienmärkten erreichten zehn neue Höchststände, darunter Indien, Russland, Mexiko und Saudi-Arabien. An den lateinamerikanischen Börsen war das vergangene Quartal das beste seit knapp sechs Jahren. Der Index lateinamerikanischer Aktien von Morgan Stanley kletterte zwischen Juni und September um 29 Prozent.
Experten wie der Emerging-Markets-Guru Mark Mobius - er steht in Diensten der US-Fondsgesellschaft Templeton - sind überzeugt, dass der Boom Bestand hat.
Doch schon einmal, Mitte der Neunzigerjahre, wurden die Emerging Markets als Erfolgsgeschichte gehandelt. Auch damals standen alle Zeichen auf Wachstum, auch damals wurden Warnungen in den Wind geschlagen. Trotzdem endete der Boom in einem Desaster.
Die Asien-Krise 1997 - Hedge-Fonds plünderten damals mit Währungsspekulationen ganze Volkswirtschaften Südostasiens - und die Russland-Krise 1998 - der russische Staat stand kurz vor dem Bankrott - liessen den Traum vom schnellen Geld platzen. Wer kurz davor Anteile von Emerging-Markets-Fonds gekauft hatte, kann sich heute glücklich schätzen, wenn die Verluste von damals wettgemacht sind.
Dirk Schmelzer, Fondsspezialist beim VZ Vermögenszentrum in Zürich, warnt deshalb vor unüberlegten Engagements in Schwellenländer-Fonds. «Nur wer grosse Verluste über mehrere Jahre hinweg aussitzen kann, darf investieren. Alle anderen sind Glücksspieler.»
Der «schwächste» Fonds rentierte mit 14,8 Prozent
Für jene, die Geld in Emerging-Markets-Fonds anlegen wollen, heisst das:
- Man braucht starke Nerven und darf allenfalls während vieler Jahre nicht auf das Geld angewiesen sein.
- Emerging-Markets-Fonds taugen nur als Beimischung in ein breit diversifiziertes Aktien-Portfolio.
- Ein globaler Schwellenländer-Fonds, der in Asien, Lateinamerika und Osteuropa investiert, begrenzt die Risiken. Globale Fonds sind weniger anfällig auf regionale Krisen.
- Vor allem aber sollte man nicht blindlings den erstbesten Fonds wählen. Die Rendite-Unterschiede sind nämlich gross und die vergangene Rendite ist kein Garant für die zukünftige Performance.
Zwischen Oktober 2002 und September 2005 haben alle in der Schweiz zugelassenen Emerging-Markets-Fonds zweistellig zugelegt - Jahr für Jahr. Gute Fonds haben in den drei Jahren sogar mehr als 100 Prozent Performance erzielt.
Während der beste Fonds 35,8 Prozent pro Jahr zulegte, rentierte der schwächste «nur» 14,79 Prozent. Das ist eine Differenz von 20 Prozent pro Jahr. Wer vor drei Jahren 10 000 Franken in den besten Fonds investierte, hat heute fast 25 000 Franken - abzüglich Bankspesen.
Wer denselben Betrag in den schlechtesten Schwellenländer-Fonds gesteckt hat, hat dagegen nur 15 000 Franken. Der Unterschied zwischen Top und Flop beträgt 10 000 Franken - also 100 Prozent des investierten Kapitals.
Die meisten Fonds liegen punkto Rendite nahe beieinander. 47 der 63 getesteten Fonds schneiden schlechter ab als der Vergleichsindex MSCI Emerging Markets. Sie sind die hohen Gebühren von gut 2 Prozent pro Jahr nicht wert. Ein Fonds ohne aktives Management, ein so genannter Indexfonds, ist die bessere und günstigere Investition.
Erfolg ist nur zum Teil das Verdienst der Fondsmanager
Aber selbst bei den Spitzenfonds lohnt sich eine vertiefte Analyse. Ihr Erfolg ist nur zum Teil strukturell bedingt, also eine Folge des gewählten Anlageansatzes oder der Ländergewichtung. Er hängt somit nicht nur vom Geschick und von der Strategie der Fondsmanager ab. Zwei Beispiele:
Der bestplatzierte Vitruvius Emerging Markets Equity (EUR) unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der Konkurrenz: Er sichert das Dollarrisiko ab. Das hat sich bezahlt gemacht, solange der Dollar kontinuierlich an Wert verlor. Der andere Vitruvius-Fonds, der darauf verzichtet, sonst aber fast identisch investiert, rentierte 9,4 Prozent schlechter pro Jahr.
Pech gehabt: Der richtige Fonds zur falschen Zeit
Der zweitplatzierte JP Morgan Fleming Funds-Middle East Equity Fund investiert - sein Name verrät es - ausschliesslich im Nahen Osten. Mangels Alternativen wird er aber den globalen Emerging-Markets-Fonds zugerechnet. Die Beschränkung auf den arabischen Raum zahlt sich in Phasen steigender Ölpreise aus, in Phasen politischer Krisen dagegen nicht: 2001 verlor der Fonds 29,3 Prozent an Wert, 2002 gar 29,9 Prozent.
Hinter diesen beiden Fonds klassieren sich allesamt Qualitätsfonds, von denen aber jeder eigene Akzente setzt:
- Der Aberdeen Global Emerging Markets Fund ist stark asienlastig.
- Der Carmignac Emergents zeichnet sich durch ein sehr aktives Management aus, das einzelne Themen und Regionen stark übergewichtet.
- Der Pro Fonds (Lux) Emerging Markets - er erzielte die beste Fünf-Jahres-Performance - zeichnet sich durch eine ruhige Kursentwicklung aus.
Das zeigt: Die Spanne zwischen den guten und schlechten Emerging-Markets-Fonds ist gross wie bei kaum einer anderen Fondskategorie. Deshalb sollte man sich von seiner Bank besser nicht den erstbesten aufschwatzen lassen.
Doch auch die Wahl des richtigen Fonds bietet keine Gewähr für Erfolg. Die Aktienmärkte Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas sind enormen Zyklen unterworfen.
Wer also beispielsweise vor der Argentinien-Krise einen südamerikanischen Topfonds gekauft hat, nagt noch heute an den Verlusten. Oder anders gesagt: Wer den richtigen Fonds zum falschen Zeitpunkt wählt, hat Pech gehabt. Mit dem falschen Fonds zur richtigen Zeit ist man womöglich besser bedient.
Osteuropa-Fonds bringen zusätzliche Schärfe ins Depot
Die Aktienmärkte Osteuropas sind in jüngster Zeit etwas stabiler geworden. Doch nach wie vor werden sie von Trends dominiert, die in schneller Folge wechseln. Das hinterlässt Spuren. Ihre Volatilität ist noch grösser als jene der globalen Emerging-Markets-Fonds.
Das Risiko hat sich in den letzten drei Jahren aber gelohnt. Osteuropa-Fonds haben noch besser rentiert als globale Emerging-Markets-Fonds. Die Performance der besten zehn Fonds betrug zwischen 37 und 40 Prozent - jährlich. Aus 10 000 Franken sind in nur drei Jahren rund 27 000 Franken geworden - minus Bankspesen.
Das Überraschende dabei: Die Spitzenfonds unterscheiden sich hinsichtlich Rendite nur geringfügig. Das lindert die Qual der Wahl. Der K-Geld-Test Aktienfonds Osteuropa wartet aber noch mit einer zweiten Erkenntnis auf: 14 der 29 getesteten Fonds übertrafen den Vergleichsindex MSCI Eastern Europe. Die hohen Gebühren von aktiv gemanagten Fonds sind also für einmal gerechtfertigt. Indexprodukte sind nur zweite Wahl.
Spitzenreiter unter den Osteuropa-Fonds ist der Templeton Eastern Europe Fund. Er wird von einem Team um den Emerging-Markets-Spezialisten Mark Mobius geführt, der 1987 den ersten weltweit operierenden Schwellenländer-Fonds ins Leben gerufen hat.
Dahinter platzieren sich mit dem MLIIF Emerging Europe Fund und dem Morgan Stanley Emerging Europe and Middle East Equity Fund zwei weitere US-Fonds.
Fazit für Fondsanleger: Fragen zur eigenen Risikofähigkeit sind beim Thema Osteuropa zentral. Die Wahl des richtigen Fonds ist im Vergleich dazu Nebensache.
12. Oktober 2005 | Martin Metterli
