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Eine Werbekampagne von Novartis für das rezeptfreie, aber Dopingmittel enthaltende Gly-Coramin ärgert Sportvertreter.
Es ist dreist, Sportler als Zielgruppe für ein Dopingmittel auszuwählen», sagt Oliver Hintz, oberster Antidopingkämpfer von Swiss Olympic, über die neue Werbekampagne von Novartis für das Aufputschmittel Gly-Coramin. Hintz kritisiert, dass die Reklame die «Geisteshaltung fördert, dass man mit gewissen Substanzen betrügen» könne. «Dass man mit Sport für ein Dopingmittel wirbt, ist bedenklich», sagt auch Matthias Kamber, Fachbereichsleiter Dopingbekämpfung beim Bundesamt für Sport: «Gly-Coramin hat nichts im Sport zu suchen.» Kamber hält diese Werbung überdies «für rechtlich heikel». Schliesslich drohe das Bundesgesetz dem eine Strafe an, der «Mittel zu Dopingzwecken herstellt oder abgibt».
Auffällig: Wilde Plakatierung in der Nähe von Schulen
Anderer Meinung ist Michel Ballif von der Heilmittelbehörde Swissmedic. Er betont, dass auch andere Präparate, die Dopingmittel enthalten, zugelassen und rezeptfrei erhältlich seien: «Gly-Coramin ist nur im Wettkampf verboten.»
Swissmedic will nun prüfen, ob die Novartis-Werbung gegen Vorgaben verstösst. Der Pharmariese liess jüngst in der Schweiz zirka 4500 Werbeplakate wild aufhängen, etwa 20 davon in der Nähe von Schulen. Dabei soll Gly-Coramin laut Beipackzettel «bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nicht angewendet werden.» Auf dem Plakat findet sich deshalb auch kleingedruckt der Hinweis: «Gly-Coramin kann eine positive Reaktion bei einer Antidoping-Kontrolle zur Folge haben.» In der Tat enthält die Tablette 93 Prozent Zucker und 7 Prozent Nikethamid, ein Stoff, der auf der Verbotsliste der Weltantidoping- Agentur steht. Spitzen-sportlern droht eine Sperre, wenn Nikethamid in ihrem Körper nachgewiesen wird.
Novartis will Spitzensportler nicht täuschen
Das hält den Basler Pharmamulti nicht davon ab, mit der neuen Kampagne vor allem «20- bis 30-Jährige, die sportlich unterwegs sind», anzusprechen. So zumindest formuliert es Anne-Céline Balès, Sprecherin von Novartis Consumer Health. Balès hält den Kritikern entgegen, dass Gly-Coramin ein Produkt sei, das keine Nebenwir-kungen hervorrufe und seit über 50 Jahren auf dem Markt sei. Sie betont, dass Novartis «aus Transparenzgründen» die «Dopingwarnung» gebe, «damit sich kein Hochleistungssportler getäuscht sehen kann».
Ganz kalt lässt Novartis die Kritik aber nicht. Laut eigenen Angaben hat der Konzern jetzt alle Plakate in der Nähe von Schulen entfernen lassen. «Dass sie dorthin geklebt wurden, war ein unglücklicher Zufall», sagt Anne-Céline Balès.
01. März 2006 | Eric Breitinger
