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Sie flattern von Blüte zu Blüte, sind ein Sinnbild für Leichtigkeit - die Schmetterlinge. Sie anzulocken, ist keine Hexerei. Man muss jedoch ein paar Regeln beachten.
Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Zitronenfalter und verschiedene Bläulinge sind heimische Schmetterlinge, die in den letzten 30 Jahren seltener geworden sind. Franziska Zoller, Umwelt-Naturwissenschaftlerin und Projektleiterin bei Pro Natura, zählt Gründe auf: Zersiedelung, Umnutzung von Kulturland, Entwässerung, Intensivieren der Landwirtschaft und gepützelte Gärten machen den Leichtgewichten das Leben schwer. Gegen das leise Verschwinden der Tag- und Nachtfalter kann man jedoch etwas tun, indem man ihnen Lebensräume und Nahrung bereithält.
Brennnesseln: Wohnung und Futter für Raupen
Man kann im Garten, auf der Terrasse, ja selbst in Blumenkisten, gute Bedingungen schaffen. Bedenken muss man, dass sich ein Schmetterling in einer vierstufigen Metamorphose entwickelt: Aus dem Ei schlüpft die Raupe, die sich zum Kokon verpuppt, aus dem sich schliesslich der Falter befreit.
Wer zum Beispiel im Garten alle Brennnesseln ausreisst, entzieht vielen Raupen die Lebensgrundlagen. Die Pflanze dient sowohl als Leibspeise wie auch als Wohnung. Verschiedene Falterarten heften ihre Eier an die Blattunterseiten. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die Raupen und ernähren sich von der Brennnessel. An der Futterpflanze oder in der Nachbarschaft, etwa an Gehölzen, verpuppen sie sich.
Aus dem Kokon befreit, ist der Schmetterling auf Nektarquellen angewiesen. Was Falter mögen, sind die zartlila oder violetten Blüten des Sommerflieders, auch Buddleja oder Schmetterlingsstrauch genannt. Gut sind auch Minze, Huflattich, Flockenblume, Brombeere und einige Distelarten. «Von versamenden Wildpflanzen kann man Samen ablesen und daheim ansäen», sagt Zoller.
Je nach Bodenbeschaffenheit und Lage des Gartens wählt man eine entsprechende Bepflanzung. Zudem verzichten Schmetterlingfans auf Torf und synthetische Schädlingsbekämpfungs- und Düngemittel.
Blühende Gewürzkräuter auf dem Balkon
Wer daheim nur Platz für Kistchen mit Gewürzkräutern hat, lässt den filigranen Fluggästen zuliebe zumindest einige Zweige von Oregano, Majoran, Thymian oder Lavendel blühen.
Mit einem Garten-Geissblatt, einer Gemeinen Waldrebe oder Efeu kann man mit einer Kletterhilfe ausgestattete Kübel bepflanzen oder eine Hausfassade begrünen. Die Blüten der Gewächse liefern den Faltern Nahrung, sind aber auch Ruhe- und Überwinterungsplätze. Solche richtet man auch in einer Gartenecke ein: Dürre Ast- und Laubhaufen, Stauden sowie hohes, altes Gras mögen Raupen, Puppen und einige Falter.
«Schmetterlinge und Raupen im Garten sind ein Indiz für ein ökologisches Gleichgewicht», sagt Franziska Zoller. Bestimmt entdeckt man eines Tages, dass sich Käfer, Hummeln oder Wildbienen im Paradies der Sommervögel niederlassen.
Diese Pflanzenmenüs mögen Raupen und Schmetterlinge
- Stauden und Hecken
Sie sind ideale Nahrungsquellen und Ruheplätze. Raupen bevorzugen Gewächse wie Eingriffigen Weissdorn, Haselstrauch, Liguster und Schwarzen Holunder.
Als Schmetterlinge saugen sie den Nektar z. B. vom blühenden Gewöhnlichen Schneeball, der Hundrose sowie Purpur- und Salweide.
- Ruderalflächen
Das ist humusarmer, eher steiniger Boden. Auf einer ca. 30 cm dicken ungereinigten Kiesschicht sät man entsprechende Pflanzensamen, die als Raupennahrung dienen, beispielsweise Königskerze, Wegwarte, Brennnessel und Moschusmalve.
Als Nektarspender kann man Acker-Kratzdistel, Gelbe Reseda oder Natternkopf pflanzen. Ruderalpflanzen sind anspruchslos und relativ trittresistent.
- Blumenrasen
Dafür eignen sich niedrig wachsende Blütenpflanzen, die trittfest sein sollten, wenn die Fläche häufig benutzt wird, sei es von spielenden Kindern oder weil man sich darauf zum Lesen niederlässt. Echtes Labkraut, Hornklee und Spitzwegerich bieten Nahrung für Raupen. Nektarpflanzen sind Gänseblümchen, Märzenglöckchen und gelbe Korbblütler wie Löwenzahn.
- Gemüsepflanzen
Der Kohlweissling und diverse andere Schmetterlinge sind keine Kostverächter. Als Raupen tun sie sich gerne an Dill und Gemüsen wie Kohl, Karotten, Fenchel und Kartoffel gütlich. In diesem Stadium werden sie vom Menschen vielfach als Schädlinge bekämpft. Sie fressen sich jedoch kaum in Scharen durchs Gemüse, wenn man ihren natürlichen Feind, die Schlupfwespe, fördert.
Tipps und Infos
- «Schmetterlinge im Garten kennen und fördern», Merkblatt 20. Zu bestellen bei Pro Natura, Shop, Postfach, 4018 Basel, oder unter shop@pronatura.ch.
- www.wildpflanzen.ch und www.vng.ch liefern Infos zu Wildpflanzen und Adressen spezialisierter Gärtnereien.
22. März 2006 | REGINE ELSENER
