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Artikel | Haus & Garten 2/2006

Der Gartenteich der Träume

Ob gross oder klein, ein Teich bringt Leben in den Garten, verleiht ihm zusätzlichen Reiz und wertet ihn ökologisch auf. Einen Gartenteich selbst zu bauen, ist keine Hexerei.

Selbst gestaltetes Biotop samt Fröschen und Libellen oder vorgefertigter Kunststoffteich mit Springbrunnen: die Möglichkeiten, im Garten mit einer Wasserfläche neue Akzente zu setzen, sind zahlreich. Nur - Fehler lassen sich hier nicht so leicht beheben, wie bei einem falsch gesetzten Rosenstock. Am Anfang jedes Wasserbauprojekts steht deshalb die sorgfältige Planung. Man muss sich genau überlegen, was man will, das Budget bestimmen und wissen, welche Arbeiten man selbst ausführen kann - und möchte.

Wer lieber auf den Fachmann setzt, sollte auf jeden Fall mehrere Offerten einholen, denn schon ein Teich von 5 Quadratmetern Oberfläche kostet mit allem Drum und Dran schnell einmal einen fünfstelligen Betrag. Ein Biotop im Eigenbau kommt mit Sicherheit deutlich günstiger.

Auf einige wichtige Punkte müssen Sie beim Kauf und Bau eines Biotops besonders achten:

Der richtige platz
Standort und Form des zukünftigen Teichs samt allfälliger Zuleitungen für die Stromversorgung für Filter und Pumpe legt man mit Hilfe eines genauen Plans des Gartens fest.

Generell gilt: Je grösser der Teich, desto besser die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere. Allerdings sollte im Garten auch noch Platz für anderes bleiben. Um eine konkretere Vorstellung vom zukünftigen Teich zu bekommen, kann man die Wasserfläche zum Beispiel mit ausgelegten Tüchern simulieren.

Vor allem kleinere Teiche sollten im Sommer nicht zu stark der prallen Sonne ausgesetzt sein. Sonst verwandelt sich das (stehende) Wasser bald einmal in eine warme Brühe, in der Algen rasch die Oberhand gewinnen. Ein Laubbaum oder Busch schafft Schatten, doch müssen im Herbst die Blätter regelmässig aus dem Teich gefischt werden.

Wer kleinere Kinder hat, sollte von Anfang an auch an mögliche Sicherheitsvorkehrungen wie Absperrgitter denken.


Lieber ein fertig- oder doch ein folienteich?
Wer einen Gartenteich baut, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Man kann auf einen industriellen Kunststofffertigteich zurückgreifen oder den Teich selbst gestalten - meist mit Hilfe von Folien.

Fertigteiche gibt es in Gartencentern in vielen Grössen und Formen. Ist das Loch ausgehoben, sind sie schnell montiert und verfügen bereits über die für die Wasserpflanzen notwendigen Pflanzenebenen.

Die kleinsten Exemplare mit einer Oberfläche von 1 Quadratmeter und rund 150 Liter Wasserfassungsvermögen kosten ohne Aushub und Montage weniger als 100 Franken. Für grosse Fertigteiche (10 Quadratmeter Oberfläche, 4000 Liter Inhalt) zahlt man 3000 Franken und mehr.

Wer die Teichform lieber nach eigenem Geschmack gestalten und Geld sparen will, hat mit Teichfolien fast unbeschränkte Möglichkeiten. Aber Vorsicht: Je komplizierter die Form, desto aufwändiger der Aushub. Anders als beim Fertigteich muss man auch darauf achten, dass für die gewünschten Wasserpflanzen die geeigneten Ebenen vorhanden sind.

Teichfolien gibt es aus Naturkautschuk und aus Kunststoff, ab Rolle oder zu fixen Massen und in unterschiedlichen Stärken. Dabei gilt: Je tiefer der Teich, desto dicker muss die Folie sein.

Die Preise schwanken - je nach Qualität und Stärke - zwischen 6 Franken (dünner PVC) und rund 20 Franken (dicker Naturkautschuk) pro Quadratmeter. Bei der Berechnung der Folienmasse sollte man grosszügig sein. Überhängende Folie kann man leicht abschneiden oder überdecken. Nachträglich ein Stück ansetzen ist zwar möglich, aber mühsam.

Zum Schutz der Folie braucht es zudem ein spezielles Flies für 4 bis 6 Franken pro Quadratmeter, sowie im Uferbereich eine Böschungsmatte (zirka Fr. 18.-/m2).

Gibt es in der Umgebung viele Mäuse, empfiehlt Emanuel Jenny vom Basler Planungs- und Beratungsbüro Ökoskop: Legen Sie ein Drahtgitter mit kleiner Maschenweite (5 x 5 mm; zirka Fr. 12.-/m2) zwischen Folie und Erde.

Zur Befestigung werden auf die Folie grössere Steine gelegt, und als Teichboden wird Kies verwendet. Auf keinen Fall Gartenerde verwenden - sie ist zu nährstoffreich und trägt zur raschen Verschlammung des Teichs bei.

Für einen Teich mit 5 Quadratmeter Wasserfläche betragen die Materialkosten für Folie, Vlies und Kies rund 500 Franken. Dazu kommen nochmals rund 250 bis 300 Franken für die Bepflanzung und - falls nötig - noch einmal der gleiche Betrag für eine Filterpumpe.


Das Loch ausheben
Ob Fertig- oder Folienteich: Eine Grube brauchts immer. Bei kleineren Vorhaben kann man diese mit Hilfe von Spaten, Schaufel und Schubkarre meist problemlos selber ausheben. Bei grösseren und vor allem tieferen Teichen empfiehlt es sich, zunächst ein kleines Loch in der maximalen Tiefe auszuheben. So bekommt man nicht nur einen ersten Eindruck über die bevorstehenden Strapazen, sondern auch Einblick in die tieferen Gartenschichten. Denn unter einer dünnen Humusschicht kann sich Bauschutt oder eine Lehmschicht verbergen. Beiden ist mit Muskelkraft nur schwer beizukommen.

Wer nicht tagelang beim Ausheben mit der Schaufel schwitzen will, greift für die grösseren Grabarbeiten besser auf eine Gartenbaufirma zurück. Als Alternative kann man bei einer Baufirma auch einen Mini-Bagger mieten.


Die richtigen pflanzen
Die Auswahl an Wasserpflanzen ist riesig. Sie werden nicht gesät oder gepflanzt, sondern meist in spezielle Gitter oder in Containern in den Teich gestellt.

Damit sich so rasch wie möglich ein ausgewogenes Teichmilieu entwickelt, ist es wichtig, genügend der ökologisch notwendigen Pflanzen einzusetzen. Um ein intaktes Mini-Ökosystem zu schaffen und zu erhalten, sind einige Schwimmblattpflanzen unerlässlich - zum Beispiel die japanische Teichrose oder der Wasserknöterich. Wichtig sind auch untergetaucht lebende Pflanzen wie Wasser-Hahnenfuss und Hornblatt. Denn diese Pflanzen filtern das Wasser, versorgen es mit Sauerstoff, entziehen ihm ausreichend Nährstoffe, schützen es vor der Sonne und hemmen so den Algenwuchs.

Bei der Ufer- und Randbepflanzung treten solche Überlegungen in den Hintergrund. Hier kann man seinen Vorlieben freien Lauf lassen.


umpen und Filter
Damit das Wasser im Teich zirkuliert und sauber bleibt, empfiehlt sich der Einsatz elektrischer Pumpen und Filtersysteme.

Fachmann Emanuel Jenny von Ökoskop weiss zwar aus Erfahrung, dass es im natur-nahen Teich - richtige Pflege, Pflanzen- und Standortwahl vorausgesetzt - auch ohne geht. Wer aber nichts riskieren oder seinen Teich mit einem kleinen Bach, Wasserfall oder Springbrunnen ergänzen will, kommt um eine Pumpe nicht herum. Auch hier gibt es im Fachhandel verschiedene Produkte. Die günstigsten kosten rund 250 Franken.

Statt per Strom lassen sich Pumpen auch durch Solarzellen speisen. Allerdings verstummt dann der Wasserfall nachts und bei dicken Wolken.


Libellen und Amphibien
Ein neu geschaffener Teich lockt auch mitten in der Stadt Tiere aller Art an. Ob Enten, Libellen oder Amphibien, sie finden meist schnell den Weg ins neu geschaffene Biotop. Amphibien in der freien Natur sollte man auf keinen Fall einfangen: Das ist nicht nur verboten, weil die Tiere in der Regel geschützt sind - sie fühlen sich auch nicht unbedingt wohl in der neuen Umgebung.


Vorsicht mit Fischen
Sie passen auf so kleinem Lebensraum schlecht mit Amphibien zusammen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen - wie etwa dem Moderlieschen - machen Fische den Amphibien (Laich und Kaulquappen) über kurz oder lang den Garaus, warnt Emanuel Jenny.

Wer lieber Fische als Frösche im Garten hat, sollte den Teich nicht zu klein planen. Als Mindestfläche gilt ein Quadratmeter, als Mindesttiefe 80 Zentimeter, sonst können die Fische im Gartenteich nicht überwintern.



Buchtipps

- Peter Stadelmann: «Gartenteiche schnell und einfach», GU Verlag, Fr. 15.90

- Peter Himmelhuber: «Selbst Brunnen, Wasserspiele und Bäche bauen», Herder Fr. 18.70

Gute Planungs- und Entscheidungshilfen sind Merkblätter, die es in Gartencentern oft gratis gibt.



Nachbarn bescheid sagen erspart Ärger

Plant jemand in seinem Garten einen Teich, sollte man die Nachbarn in der näheren Umgebung rechtzeitig informieren: Nicht jeder steht nämlich auf nächtliche Froschkonzerte. Im Streitfall müsste ein Gericht entscheiden, ob das Quaken als zumutbar gilt.

Bei grösseren Projekten braucht es allenfalls auch eine Baubewilligung durch die Gemeinde. Um sich vor bösen Überraschungen zu schützen, macht man lieber ein Telefon zu viel.

22. März 2006 | Stephan Dietrich


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