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Zwischen Schlafdauer und Körpergewicht gibt es einen direkten Zusammenhang. Das fanden Zürcher Forscher heraus.
Zu wenig Schlaf macht jüngere Menschen dick. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine 20 Jahre dauernde Studie über Schlafdauer und Körpergewicht der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Die Forscher beobachteten 600 junge Erwachsene in Bezug auf Gesundheit und Gesundheitsverhalten. «Je weniger die jungen Erwachsenen schliefen, desto mehr Gewicht hatten sie», fasst Gregor Hasler, Leiter der Studie, zusammen.
Erst ab 40 keine Auswirkung mehr aufs Gewicht
Bei den 20- bis 30-Jährigen mit wenig Schlaf (unter sechs Stunden pro Tag) stellte die Studie ein siebenmal höheres Risiko zur Fettleibigkeit (Adipositas) fest als bei den «Normalschläfern». Bei den 30- bis 35-Jährigen mit wenig Schlaf neigten immer noch viermal mehr zu Übergewicht. Erst bei den über 40-Jährigen wirkte sich kurzer Schlaf nicht mehr auf das Gewicht aus. Andere Studien zeigten aber, so Hasler, dass dafür bei über 40-Jährigen wenig Schlaf mit Diabetes und Herzerkrankungen in Zusammenhang stehe.
«Zusammenspiel der Hormone gerät aus dem Gleichgewicht»
Die wissenschaftliche Erklärung für den Zusammenhang von Schlafdauer und Fettleibigkeit: Während des Schlafes schüttet der Körper das Hormon Leptin aus, das ein Sättigungsgefühl auslöst. Das fehlt bei den «Schlaflosen». Gregor Hasler: «Viele Hormone folgen einem bestimmten Tagesrhythmus. Wird dieser durch andauernden Schlafentzug gestört, gerät das Zusammenspiel der Hormone aus dem Gleichgewicht.» Schlafreduktion führe schon nach wenigen Tagen zu einem Leptinmangel, der Heisshungerattacken auf kohlenhydrat- und fettreiche Nahrungsmittel auslösen könne.
Der übermässige Konsum energiereicher Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren und Zucker ist denn auch - neben dem verbreiteten Bewegungsmangel - einer der Hauptgründe der Fettleibigkeit. «Das Studienergebnis macht Hoffnung in der Behandlung von Adipositas», sagt Gregor Hasler. Denn Kinder und Erwachsene leiden immer mehr an Übergewicht und Fettleibigkeit, die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einer Epidemie.
Schlafmangel: Auch bei Kindern ein Problem
«Übergewichtige, die weniger als sechs Stunden schlafen, sollten ihre Schlafdauer über längere Zeit einmal probeweise verlängern», rät Gregor Hasler. Dies auch wenn sie das Gefühl hätten, mit wenig Schlaf gut auszukommen. Zu wenig Schlaf könne auch der Grund dafür sein, dass junge Mütter oft mit dem Gewicht Mühe haben.
Zu ähnlichen Resultaten kommt eine Studie an der Université Laval im kanadischen Québec. Hier wurde das Verhältnis von Schlafmangel und Übergewicht bei über 400 Kindern erforscht. 20 Prozent der Jungen und 24 Prozent der Mädchen waren übergewichtig. Unter ihnen stellten die kanadischen Forscher überproportional viele Kinder fest, die täglich weniger als zehn Stunden schliefen. Diese Kinder haben, so die Studie, ein 3,5-mal höheres Risiko an Fettleibigkeit zu erkranken als Kinder, die genügend schlafen. Selbst bei leichtem Schlafmangel erhöhe sich das Risiko um das 1,5fache.
Wissenschafter haben festgestellt, dass sich zwischen 1960 und 2000 der Anteil an Übergewichtigen verdoppelt hat, während die durchschnittliche Schlafdauer in dieser Zeit um ein bis zwei Stunden zurückging. Und: Der Prozentsatz junger Erwachsener, die weniger als sieben Stunden pro Nacht schliefen, stieg in demselben Zeitraum von 16 auf 37 Prozent.
So viel Schlaf braucht der Mensch
Die Schlafdauer und das Schlafbedürfnis sind schon im Kindesalter individuell. Die Merkmale gesunder Kurz- oder Langschläfer sind vermutlich erblich bedingt. Trotzdem gibt es Durchschnittswerte, die einem helfen zu beurteilen, ob man genug schläft.
Alter - Schlafdauer im Schnitt in Stunden
Neugeborene 20
Ab 3 Monate 16 (mit Mittagsschlaf)
Kleinkinder 11 bis 13
Jugendliche 9 bis 11
Erwachsene Kurzschläfer, 5 %: 5 bis 6 - Normalschläfer, 90 %: 7 bis 9 - Langschläfer, 5 %: 10
10. Mai 2006 | Angelica Scorre
