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Artikel | K-Geld 4/2006

Vermögensaufbau leicht gemacht

Der Weg zum langfristigen Vermögensaufbau lautet: Man nehme einen Fondssparplan, bestücke ihn mit Indexaktien und zahle regelmässig ein. Doch die Anbieter spielen nicht mit. K-Geld zeigt, wie es trotzdem funktioniert.

Der erste Baustein für einen erfolgreichen Vermögensaufbau sind Indexaktien, neudeutsch Exchange Traded Funds (ETF) genannt. Sie sind in den meisten Fällen das richtige Instrument für eine langfristige Geldanlage. Kein Wunder, haben ETF in den vergangenen Jahren einen wahren Siegeszug im Finanzwesen angetreten.

In den 90er-Jahren in den USA lanciert, schwappte die Welle vor ein paar Jahren auf Europa und damit auf die Schweizer Börse SWX über. Weltweit sind unterdessen mehr als 500 Milliarden Dollar in ETF investiert. In der Schweiz stehen immerhin über 50 solcher Fonds offiziell zum Vertrieb.

Eine Liste aller in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen ETF findet sich auf der Website der Börse (www.swx.ch) unter der Rubrik «Exchange Traded Funds».

Clemens Reuter, Verantwortlicher bei der Schweizer Börse, berichtet stolz von den neuesten Rekordzahlen: «Der Umsatz ist im laufenden Jahr erneut immens gestiegen und wird ein Plus von fast 50 Prozent erreichen. Die Zahl und Grösse der getätigten Käufe weist auf zunehmendes Interesse seitens der Kleinanleger hin.»

Worin liegt der Erfolg der ETF begründet? Diese Spielart von Anlagefonds zeigt Merkmale, die Kleinanlegern ebenso wie grossen Investoren (Pensionskassen, andere Fonds) entgegenkommen:


Indexaktien sind transparent und kostengünstig

- ETF sind transparent: Ihre Anlage orientiert sich an einem Börsenindex, der die Zusammensetzung des Fonds bestimmt. Ein ETF auf den Swiss Market Index ist also im Prinzip wie dieser zusammengesetzt und enthält alle so genannten Blue Chips der heimischen Börse.
- ETF sind kostengünstig: Weil die Anlagestrategie vorbestimmt ist, kostet das Fondsmanagement deutlich weniger. Die Kennzahl für die jährlichen Fondskosten TER ist viel tiefer als bei herkömmlichen Fonds. Sie beträgt ca. 0,4 bis 0,8 statt 1 bis 2 Prozent.
- ETF weisen durchschnittlich gute Renditen auf: Sie sind immer so gut oder so schlecht wie der Börsenindex, der dem ETF zugrunde liegt. Da mögen so genannt aktiv gemanagte Fonds gelegentlich besser abschneiden - was sie aufgrund der hohen Kosten auch sollten. Viele Untersuchungen zeigen, dass es vor allem langfristig nur den wenigsten Fonds gelingt, mehr als der Index zu leisten.
- ETF sind an der Börse handelbar: Obwohl Fonds in erster Linie für die langfristige Geldanlage massgeschneidert sind - Kurssprünge also nicht so ins Gewicht fallen -, schätzen Anleger die Börsengängigkeit der ETF. Damit werden die relevanten Preise sofort ersichtlich. Der Handel mit normalen Fonds bietet wegen der täglich nur einmal und verspäteten Preisfestsetzung gelegentlich unerfreuliche Überraschungen.

Genug Gründe also, ETF gezielt für den Vermögensaufbau einzusetzen. Was viele unabhängige Finanzexperten auch propagieren. Im Gegensatz zu den Banken allerdings, die ihrer Kundschaft lieber in erster Linie eigene und teurere Produkte ins Depot legen.


Fondssparpläne: Hände weg von Plansummen

Es fehlt aber noch Baustein zwei der gar nicht so komplizierten Strategie für den langfristigen Vermögensaufbau. Fondssparplan heisst hier das Stichwort, bei verschiedenen Banken auch simpel als Fondskonto geführt. Denn solche Pläne sind nur dann sinnvoll, wenn sie dem Sparer bzw. der Sparerin volle Freiheit im Rhythmus der Anlage, in der Höhe der Beträge und in der Laufzeit belassen.

Mit anderen Worten: Wo Plansummen im Spiele sind, gilt «Hände weg!», denn in diesen Fällen ist der Ausstieg schwierig. Zudem sind die Kosten sowohl intransparent als auch unverhältnismässig hoch (siehe K-Geld 2/06).

Mit einem flexiblen Fondssparplan lassen sich, ähnlich wie bei den ETF, viele Vorteile für den Sparprozess erzielen.

Bereits mit kleinen Beträgen, häufig ab 100 Franken monatlich, ist man dabei. Man braucht sich um nichts Zusätzliches zu kümmern. Die einmal getroffene Vereinbarung läuft bis zum Widerruf automatisch.

Die verschiedensten Anlagestrategien lassen sich verfolgen - vorausgesetzt, der Anbieter des Fondssparplans hält entsprechende Fonds für diesen Zweck bereit.

Trotz der vielfach tiefen Anlagebeträge sind die Ausgabepreise für die Fondsanteile vergleichsweise niedrig. Der Sparplan übt zudem einen disziplinierenden Effekt aus, denn Sparen wird ein Teil der Budgetplanung im Haushalt.

Sparpläne mit regelmässig gleich bleibender Anlagesumme führen in der Regel zu durchschnittlich tieferen Anlagepreisen. Der Grund: Es werden jeweils besonders viele Anteile gekauft, wenn sie besonders günstig sind (siehe Kasten zu Cost Average Effect).

Leider sind die Varianten für den Abschluss eines Sparplans in der Schweiz noch beschränkt. Wenige unabhängige Fondsshops bieten sie an, jedoch nur mit der vorgängig erwähnten Plansumme. Von einer Investition ist deshalb abzuraten.

Banken und bankenähnliche Institute stellen jedoch nur die hauseigenen Fonds für die Bildung eines Sparplans oder Fondskontos zur Verfügung (wie die UBS) oder haben insgesamt nur wenige Fonds im Angebot (wie Postfinance).

Im schlechtesten Falle beschränkt sich die Auswahl der Fonds sogar auf einen Teil der hauseigenen Produkte (wie bei der Credit Suisse).

Anders beim OnlineBankinstitut Swissquote. Ein Fondssparplan kann dort laut Geschäftsführer Marc Bürki auf jeden der über 4000 verfügbaren Anlagefonds errichtet werden - zu Ausgabekonditionen, die ihresgleichen suchen (in der Regel 0,5 Prozent des Ausgabepreises).


CS sieht Nachteile in der Kombination

Womit bei Swissquote möglich wird, was die übrigen Finanzinstitute bislang tunlichst vermeiden - nämlich die Kombination der beiden erwähnten Bausteine für den Vermögensaufbau. Damit lassen sich Fondssparpläne auch auf ETF errichten und alle erwähnten Vorteile der beiden Anlageinstrumente vereinen.

Das sehen aber längst nicht alle Banken so. So meint etwa Dorjee Kokasang von der CS: «Obwohl beide Produkte für gewisse Kundenbedürfnisse sinnvoll sind, ist deren Kombination weniger zu empfehlen. ETF werden an der Börse gehandelt und haben daher die Gebührenstruktur wie bei einer Aktie.»

Was bei der CS wegen ihrer hohen Courtagen die ganze Geschichte für die Kunden natürlich viel teurer macht als bei anderen Anbietern.



Kurstaucher erhöhen die Rendite

Beim regelmässigen Sparen mit einem Fondssparplan können sich Anleger auch über sinkende Kurse freuen. Die Gründe:

Wer regelmässig einen gleich hohen Betrag in Anlagefonds investiert, erwirbt die Fondsanteile langfristig zu günstigen Durchschnittspreisen. Grund dafür ist der so genannte Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosten-Effekt).

Bei tiefen Kursen erhält man mit dem gleichen regelmässigen Sparbetrag mehr Fondsanteile als in Phasen hoher Kurse. Der Cost-Average-Effekt führt nun dazu, dass der Bestand günstig eingekaufter Fondsanteile vergleichsweise hoch ist. Das wiederum hat zur Folge, dass der durchschnittliche Anlagekurs tiefer ist als der Mittelwert der Anteilskurse.

Ein Beispiel: Ein Anleger kauft Fondsanteile in drei Raten zu je Fr. 600.-. Beim ersten Kauf kostet ein Anteil Fr. 200.-, beim zweiten Kauf Fr. 150.- und beim dritten Kauf Fr. 250.-. Insgesamt erwirbt er damit zum Gesamtpreis von Fr. 1800.- 9,4 Fondsanteile.

Der durchschnittliche Kaufpreis beträgt somit nicht Fr. 200.-, der Mittelwert aus den drei Tageskursen, sondern aufgrund der höheren Anzahl gekaufter Anteile zu tiefem Preis nur Fr. 191.50.

Dominic von Felten, Direktor für Investment-Management bei der Vermögensverwaltung JML AG in Zug, macht auf einen weiteren Vorzug dieses Vorgehens aufmerksam: Wer seine Anlagebeträge auf mehrere Raten verteile, könne das Kursrisiko reduzieren - denn bei der Einmalanlage am Aktienmarkt hänge ein grosser Teil des Anlageerfolgs vom richtigen Einstiegszeitpunkt ab.

Wer mit grossen Summen darauf spekuliert, den richtigen Anlagemoment zu finden, gehe ein hohes Risiko ein, warnt Investmentexperte von Felten: «Solches Timing bringt in aller Regel langfristig nicht den erhofften Erfolg.»

Thomas Hammer

30. August 2006 | Guntram Rehsche


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