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Artikel | saldo 14/2006

Pannenschutz: Häufig doppelt und dreifach versichert

Automobilisten zahlen oft zu viel für ihren Pannenschutz, da sie doppelt und dreifach versichert sind. Bloss wissen das viele nicht.

Pannenschutz: Häufig doppelt und dreifach versichert

Die Batterie defekt, der Pneu platt, Anlasser oder Treibstoffpumpe versagen: Jedes zwölfte in der Schweiz zugelassene Auto gibt einmal im Jahr seinen Geist auf, schätzt Jürg Wittwer. Der CEO des Reiseversicherers und Assistance-Anbieters Elvia rechnet mit 600 000 Pannen pro Jahr: «Die Tendenz ist steigend.»

Bei rund 330 000 Fällen leisteten letztes Jahr Mechaniker mit dem Logo des TCS erste Hilfe. Zumeist kriegten sie das Gefährt wieder flott. Doch die Pannenhilfe kommt viele Betroffene teurer zu stehen als nötig. «Viele Automobilisten sind, ohne es zu wissen, doppelt versichert», sagt Stefan Thurnherr, Versicherungsexperte vom VZ Vermögenszentrum.


Pannenschutz oft durch Haftpflichtversicherung gedeckt

So erkaufen sich zurzeit 1,44 Millionen TCS-Mitglieder mit einer Jahresgebühr zwischen 84 und 105 Franken den Pannenschutz für die Schweiz und Liechtenstein. Für den ETI-Schutzbrief Europa investieren sie 93 Franken extra. Beim ACS kostet der europaweite Pannenschutz im Schnitt 130 Franken Mitgliederbeitrag, beim VCS summieren sich die Kosten auf 182 Franken für Einzelpersonen oder 197 Franken für Familien.

Oft eine unnötige Ausgabe: Rund eine Million Schweizer Fahrzeuge sind nämlich über ihre Haftpflicht- oder Kaskoversicherung bei der Winterthur bereits gegen Pannen im Inland mitversichert. Bei der National ist jeder, der nebst der Haftpflicht- eine Kasko- oder Insassen-Unfallversicherung abgeschlossen hat, kostenlos und europaweit gegen Pannen versichert. Bloss wissen das viele Versicherte nicht. Zudem gibt es mittlerweile weitere Pannenschutzangebote, die günstiger kommen als die Mitgliedschaft im Automobilclub.

So kostet die europaweite Pannenhilfe bei der Zürich 95 Franken, bei der Winterthur 50 Franken. Die Bâloise und die National verlangen für ihren europaweiten Pannenschutzzusatz 39 Franken, die Coop-Versicherung 60 Franken. In der Regel muss man bei der gleichen Versicherung bereits eine Autohaftpflicht- oder Kaskoversicherung abgeschlossen haben.


TCS: Schutz gilt für Personen, nicht für Fahrzeuge

Im Kern decken alle Versicherer das Gleiche ab: Organisation, Pannenhilfe und Abschleppen, Fahrzeugbergung, Standgebühren, Fahrzeugrückführung, Zustellkosten für Ersatzteile, Transportmehrkosten, Unterkunfts- und Verpflegungskosten.

Es gibt jedoch einen feinen Unterschied: Der TCS-Pannenschutz gilt für Personen, egal mit welchem Fahrzeug sie gerade unterwegs sind. Der Schutz von Versicherungen und Herstellern ist zumeist auf einen bestimmten Wagen beschränkt. Wer mit einem anderen Fahrzeug strandet, muss selbst in die Tasche greifen.

Doch auch hier kann man sich absichern: So ist beispielsweise die Intertours-Winterthur personenbezogen. Sie übernimmt auch Rettungs- und Bergungskosten des Versicherten und sorgt für die Pannenhilfe des benutzten Fahrzeugs. Preis: 65 Franken für Einzelpersonen, 102 Franken für eine Familie.

Wer einen Neuwagen fährt, kann selbst auf eine Assistance-Versicherung verzichten. Fast alle Autohersteller offerieren gratis zwei- bis dreijährige Mobilitätsgarantien, Pannenhilfe inklusive. Bei BMW oder Renault ist die Pannenhilfe Teil der umfangreichen Werksgarantie. Nach Ablauf der Frist kann man sie um weitere 12 bis 24 Monate verlängern. Preis je nach Modell: 600 bis 1300 Franken. Subaru Schweiz verlängert den Pannenschutz für seine Autos kostenlos um je 12 Monate, vorausgesetzt der Halter lässt die Jahresinspektion bei einer Subaru-Garage machen. Einziger Haken: Nach 10 Jahren ist mit dem Schutz Schluss.

Da fahren die Käufer der Autos von Opel, Saab, VW, Skoda, Audi und Seat besser: Die Hersteller gewähren eine Pannenhilfe-Garantie für «ein ganzes Autoleben». Bedingung: Der Autobesitzer muss rechtzeitig den Service in einer autorisierten Markengarage machen lassen. «Das ist auch ein Kundenbindungsinstrument», gesteht Peter Rüesch vom VW-Importeur Amag Automobil und Motoren AG. «Der Kunde schätzt es, dass wir uns bei einer Panne um alles kümmern.» Natürlich hat auch der Hersteller etwas davon: Die Pannen seiner Marke tauchen in keiner TCS-Statistik auf, wenn die Autos nicht von TCS-Patrouilleuren repariert oder abtransportiert werden, sondern von anderen Mechanikern.


Automobilclubs: Höhere Kosten, dafür Vergünstigungen

Fragt sich nur, warum der Pannenschutz bei den Automobilclubs generell einiges mehr kostet. «Der TCS ist mehr als eine Pannenhilfe», sagt Sprecherin Dorit Djelid-Weinrich. Der Club sei eine treibende Kraft in der Verkehrspolitik. Mitglieder kämen zudem in den Genuss zahlreicher Beratungsangebote und Vergünstigungen, etwa in Hotels, Tankstellen, beim Kauf von Kindersitzen oder Versicherungen.

Das stimmt. Gerade der Touringclub hat wegen seines Pannendienstes aber auch beträchtliche Fixkosten: 260 Patrouilleure und eine Einsatzzentrale mit 100 Mitarbeitern müssen schliesslich ständig unterhalten werden. Aber letztlich muss jeder Konsument selber entscheiden, ob er Pannenhilfe pur will oder weitere Zusatzleistungen.



So finden Sie heraus, ob Sie nicht mehrfach versichert sind

1. Schritt: Haben Sie in den letzten zwei, drei Jahren ein neues Auto gekauft? Wenn ja, ist Ihr Wagen meist europaweit gegen Pannen versichert. Ein weiterer Pannenschutz für den Wagen ist überflüssig.
2. Schritt: Haben Sie kein neues Auto, so prüfen Sie in der Police der Autoversicherung, ob Sie gegen Pannen in der Schweiz mitversichert sind.
3. Schritt: Falls ja, gilt es zu klären, ob dieser Pannenschutz ausreicht. Sind Sie viel auf Europas Strassen unterwegs, ist ein entsprechender Schutzbrief ratsam. Benützen Sie dabei verschiedene Autos, empfiehlt sich eine personenbezogene Versicherung.
4. Schritt: Bieten weder der Autohersteller noch der Versicherer einen Pannenschutz, heisst es handeln. Die meisten Versicherungen haben Assistance-Offerten. Wer ausschliesslich wegen des Pannenschutzes einem Automobilclub beitritt, zahlt zu viel.

13. September 2006 | Eric Breitinger


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Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
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