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Artikel | saldo 17/2006

Grosses Geschäft mit kleinem Kästchen

495 Franken verlangt Cablecom für die Set-Top-Box zum digitalen TV-Empfang. Anderen Kabelbetreibern bietet sie dasselbe Gerät massiv billiger an.

Grosses Geschäft mit kleinem Kästchen

Bei den TV-Sendern ist das digitale Zeitalter l?ngst angebrochen. Alle namhaften Fernsehprogramme werden heute auch digital ausgestrahlt. Um in den Genuss der Technik zu kommen, braucht es auf der Empf?ngerseite bloss eine einfache sogenannte Set-Top-Box, die das digitale Signal umwandelt. Diese Ger?te gibt es auf dem freien Markt ab 150 Franken.

Die meisten TV-Konsumenten kommt die Umstellung aber teurer zu stehen, weil sie von der Cablecom abh?ngig sind. Das Unternehmen nutzt seine marktbeherrschende Position im Kabelnetzbereich aus: Beliebte Sender werden aus dem analogen ins digitale Angebot verlegt. J?ngste Beispiele: BBC Prime und der spanische Sender TVE.


Ein Digital-TV-Abo kostet bis zu 672 Franken pro Jahr

Wer darauf nicht verzichten will, ist gezwungen, bei Cablecom ein Digital-TV-Abo f?r monatlich 25 bis 35 Franken zu l?sen - zus?tzlich zu den 21 Franken Grundgeb?hr. Das macht pro Jahr insgesamt 552 bis 672 Franken. Anders kommt man als Cablecom-Kunde nicht in den Genuss von digitalem Fernsehen. Grund: Cablecom verschl?sselt die gesendeten TV-Signale, eine normale Set-Top-Box aus dem Laden funktioniert nicht.

Alternativ kann man bei Cablecom die Set-Top-Box, die dort Receiver heisst, auch kaufen: f?r satte 495 Franken. Bestellen muss man die Box ?ber den Cablecom-Kundendienst (Tel. 0800 66 0800). Entscheidet man sich f?r den Kauf, ist der Receiver bei den heutigen Abopreisen von Cablecom immerhin nach rund 20 Monaten amortisiert.


Set-Top-Box: Bei anderen Anbietern viel g?nstiger

Doch diese 495 Franken sind ein Fantasiepreis. saldo-Recherchen ergeben, dass andere Kabelnetzbetreiber die identische Set-Top-Box von Cablecom beziehen - und sie massiv billiger an ihre Kunden weiterverkaufen. Zum Beispiel die Flims Electric AG f?r 249 Franken. «Das ist praktisch ein Selbstkostenpreis», sagt Hans Heiri Huber vom B?ndner Kabelnetzbetreiber. Oder das Kommunikationsnetz Surselva: Dort verkauft man die identische Cablecom-Box f?r 298 Franken.

saldo konfrontierte Cablecom mit dieser massiven Preisdifferenz: «Jeder Netzbetreiber setzt die Preise anhand seiner Gesch?ftsmodelle selbst?ndig fest», heisst es dort lapidar. Vergleicht man diese «Gesch?ftsmodelle», schneidet Cablecom nicht nur preislich schlecht ab: Wer das Cablecom-K?stchen f?r 495 Franken kauft, kann gerade einmal das Basis-Digital-Angebot von 52 Sendern sehen, im Flimser Kabelnetz oder beim Kommunikationsnetz Surselva sind hingegen ?ber 80 Sender aufgeschaltet.


Cablecom im Visier des Preis?berwachers

Damit nicht genug: Wer in seinem Haushalt mehrere Fernsehger?te hat, muss bei Cablecom f?r jeden einzelnen TV-Apparat entweder ein Abo l?sen oder eine Set-Top-Box kaufen. «Das ist leider im Moment technisch nicht anders l?sbar», sagt Cablecom-Sprecher Martin W?thrich. Und f?r viele Haushalte wohl definitiv der Grund, auf die Umstellung zu verzichten. Von den rund 2 Millionen Cablecom-Kabelfernsehabonnenten haben denn auch bis heute erst 117 000 auf digitalen Empfang umgestellt.

Die Cablecom-Preispolitik ist auch ins Visier des Preis?berwachers geraten. Er f?hrt zurzeit Verhandlungen mit dem Netzbetreiber. Inhaltlich will sich Simon Pfister vom B?ro des Preis?berwachers nicht dazu ?ussern. Er h?lt aber fest: «Insbesondere den Preis der Set-Top-Box erachten wir als zu hoch.» Seiner Meinung nach m?sste der Zugang zu den heute rund 50 digitalen Sendern im Grundangebot deutlich billiger sein. «Am besten w?re es, wenn die Kunden dazu eine Box ihrer Wahl im Fachhandel kaufen k?nnten», so Pfister.

Bei der Stiftung f?r Konsumentenschutz (SKS) haben sich laut Thomas Meier zahlreiche Cablecom-Kunden ?ber die Ausd?nnung des analogen Angebots und die hohen Preise f?r den Digitalempfang beschwert. «Vor allem die Grundverschl?sselung der TV-Signale ist stossend und ein riesiges Gesch?ft f?r Cablecom», kritisiert Meier. Die SKS will deshalb Anfang November in einer breiten Aktion aufrufen, sich mit Protestschreiben an den zust?ndigen Bundesrat Moritz Leuenberger zu wenden. Entsprechende Musterbriefe sollen laut Thomas Meier auf der Homepage (www. konsumentenschutz.ch) aufgeschaltet werden. Der Inhalt: Schluss mit der Grundverschl?sselung der digitalen TV-Signale durch Cablecom.


Cablecom-Politik auch anderen Anbietern ein Dorn im Auge

Mit der Grundverschl?sselung haben auch andere Kabelnetzbetreiber ihre M?he: «Dass Cablecom laufend Programme aus dem analogen Angebot nimmt und gleichzeitig beim digitalen Empfang die Signale verschl?sselt, ist unanst?ndig», heisst es bei einem Verantwortlichen eines kleinen Kabelnetzes, der anonym bleiben will.



“SRG-Sender werden in jedem Fall ?bertragen”

Saldo wollte von Cablecom wissen, wie lange die ?ffentlichrechtlichen Sender der Schweiz, Deutschlands und ?sterreichs noch analog empfangbar sind.

Die Antwort: «Die Kriterien zum Wechsel vom analogen ins digitale Angebot orientieren sich neben Konzession und Sprache an den Zuschauerzahlen der Sender. Welche Sender allenfalls k?nftig verschoben werden m?ssen, k?nnen wir nicht kommentieren. Die sieben Programme der SRG nehmen dank des Radio- und Fernsehgesetzes eine Sonderstellung ein und m?ssen in jedem Fall ?bertragen werden.»

Pikant: Cablecom l?sst mit dieser Antwort offen, wie lange ARD, ZDF und ORF noch analog zu sehen sind.

25. Oktober 2006 | Jürg Fischer


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