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Artikel | saldo 1/2007

Antennen-TV: Dürftige Grundversorgung

Wer mit normaler Antenne fernsieht, bezahlt die vollen Gebühren, erhält aber nur vier Sender. Obwohl die digitale Technologie mehr zuliesse.

Rund 230 000 Schweizer Haushalte empfangen ihre Fernsehsender ausschliesslich per Antenne. Sie bezahlen wie alle anderen TV-Konsumenten die vollen TV- und Radiogebühren (heute 450 Franken, ab 1. April 2007 sogar 462 Franken jährlich). Doch die SRG liefert ihnen nur vier TV-Sender ins Haus: in der Deutschschweiz SF 1, SF 2, TSI 1 und TSR 1.

Vorenthalten bleiben ihnen die zweiten Programme der Romandie und des Tessins sowie der Nachrichtenkanal SF Info. Nicht empfangen können sie auch 3Sat, Euronews und TV 5 - allesamt Sender, welche die öffentlich-rechtliche Anstalt SRG mitproduziert oder an welchen sie beteiligt ist. Abgesegnet hat diese schmalspurige Versorgung der Bundesrat.


SRG will das Angebot nicht ausbauen

Daran wird sich auch künftig nichts ändern. TV-Konsumenten mit Antennenempfang bleiben Service-public-Kunden zweiter Klasse. Dies trotz der neuen leistungsfähigeren digitalen Übertragungstechnik DVB-T.

Bei der Gebührenempfängerin SRG will man das Senderangebot nicht ausbauen: «Solange die Auflagen des Bundes nicht ändern, bleibt es bei vier Programmen», sagt Hans Strassmann, Leiter Technik und Informatik der SRG. Zudem sei das gesamte SRG-Senderangebot ja per Satellit empfangbar.

Strassmann bestreitet aber nicht, dass die SRG rein technisch via Antenne mehr als vier Sender auf der von ihr belegten DVB-T-Frequenz verbreiten könnte. Das würde aber die Bildqualität beeinträchtigen. Zudem wolle die SRG den Empfang auf tragbaren TV-Geräten oder per Zimmerantenne und nicht nur per Hausantenne sicherstellen. Auch deshalb verträgt es laut Strassmann nicht mehr als vier Sender auf der Frequenz.


Möglich wären über 20 zusätzliche TV-Sender

Der Schweiz stehen zwar sechs weitere Frequenzen für die Verbreitung von digitalen TV-Signalen per Antenne zur Verfügung. Damit liessen sich weit über 20 TV-Sender ausstrahlen. Doch fünf der sieben Frequenzen reserviert der Bund für kommerzielle Zwecke. «Der Markt soll spielen», sagt Bernhard Bürki vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom). So sind zwei Frequenzen fürs Handy-TV vorgesehen. Die erste soll bereits diesen Juni ausgeschrieben werden. Drei Frequenzen sind für private Fernsehveranstalter reserviert.

Aus diesem Plan werden die Prioritäten des Bundes punkto DVB-T klar: Die SRG muss bis auf Weiteres nur vier ihrer Programme per Antenne ausstrahlen. Der Markt soll um die Frequenzen buhlen und Geld in die Bundeskasse spülen. Da muss der Service public hintenanstehen.



Ab 2008 nur noch digitaler Empfang

DVB-T steht für Digital Video Broadcasting Terrestrial. Das bedeutet: digitaler Fernsehempfang per Antenne. Die neue Technologie soll in der Schweiz bis Ende 2007 flächendeckend verfügbar sein. Sie ersetzt das analoge Rundfunksignal, das abgeschaltet wird. Im Tessin und Engadin ist die Umstellung bereits erfolgt. Unter www.digitalesfernsehen.ch erfährt man, welche Region wann umstellen wird.

Für TV-Konsumenten, die Programme per Antenne empfangen, heisst das: Sie müssen entweder eine Set Top Box für bis zu 150 Franken oder ein DVB-T-taugliches Fernsehgerät anschaffen.

Gemäss SRG nehmen 27 Prozent der in der Schweiz installierten 4,5 Millionen Fernsehgeräte die Signale per Antenne auf. Vor allem bei Zweit- und Drittgeräten spielt der Empfang via Antenne eine Rolle. Zudem haben in den Randregionen viele Haushalte keinen Kabelanschluss.

24. Januar 2007 | Beat Camenzind


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