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Jahrelang arbeitete Antonio Fasi mit giftigem Tonerstaub von Druckern. Eine Bronchitis löste die andere ab. Doch offiziell leidet er nicht an einer Berufskrankheit - trotz Arztdiagnose.
Antonio Fasi hat unzählige Drucker gereinigt, geflickt und ausgewechselt. Der 35-Jährige arbeitet seit 1999 für die Service-Firma ERZ Printer AG in Dietikon ZH. Nach vier Jahren hatte er das erste Mal eine schwere Bronchitis. Die Beschwerden häuften sich. 2005 wurde der Freizeitvelofahrer, der nie geraucht hat und keine Allergien hat, krank geschrieben.
Schutzmasken wurden keine getragen
Für Hausarzt Hans-Peter Faes sind die chronische Bronchitis und die Infektionsanfälligkeit «zweifelsfrei» die Folge davon, dass Fasi während längerer Zeit an seinem Arbeitsplatz Tonerstaub und Reinigungsspray ausgesetzt war.
Die Bedingungen dort waren schlecht, berichtet Familienvater Fasi. War ein Drucker voll Tonerstaub, wurde das Gerät auf den Fenstersims gestellt und der giftige Staub ins Freie gepustet. Fasi: «Der schwarze, blaue oder rote Tonerstaub bildete vor dem Fenster eine kleine Wolke - und weg war er.»
«Im Reparaturraum war der Boden schwarz vor Tonerstaub», erzählt er. Eine Lüftung gab es nicht, Schutzmasken wurden keine getragen, giftige Reinigungsmittel landeten im Abfluss. Dies bemängelte später auch die Behörde bei einer Inspektion.
Fasi hat aber nicht nur ein gesundheitliches Problem, er hat bald auch ein finanzielles. Die ERZ Printer AG, deren Besitzer Thomas Erdin Fasis Schilderungen bestreitet, kündigte ihm per Ende Januar. Zudem hat die Winterthur, die Betriebs-Unfallversicherung der Firma, Fasi eröffnet, in seinem Fall liege keine Berufskrankheit vor. Demnach zahle sie auch keine Leistungen.
Begründung der Winterthur: Eine Berufskrankheit liege nur vor, wenn die Krankheit «ausschliesslich oder stark überwiegend» durch die berufliche Tätigkeit verursacht worden sei. Bei Antonio Fasi sei dies «höchstens möglich, nicht jedoch sicher oder überwiegend wahrscheinlich».
«Asthma, durch Tonerstaub ausgelöst»
Tatsächlich äusserten sich Spezialisten weniger eindeutig: Eine Fachärztin in Aarau attestierte Fasi eine «mittelschwere bronchiale Hyperreagibilität», die «tonerbedingt sein könnte». Und in der Aargauer Klinik Barmelweid diagnostizierte man Fasi zwar ebenfalls «Asthma bronchiale, durch Tonerstaub ausgelöst». Trotzdem hiess es: «Die Ursache kann nicht schlüssig geklärt werden.»
Fasi kann deshalb kaum auf eine Rente im Sinne des Unfallversicherungsgesetzes hoffen. Jetzt liegt sein Dossier bei der Invalidenversicherung, die abklärt, ob er allenfalls eine minimale IV-Rente erhält.
Beim «Blauen Engel» finden Sie saubere Geräte
Tonerstaub und -dämpfe aus Laserdruckern und Fotokopiergeräten können zu Krankheiten der Atemwege bis hin zu schwerem Asthma führen.
Toner enthalten diverse giftige Schadstoffe. Darunter Kobalt, Nickel und Quecksilber sowie krebserregende Stoffe wie Styrol und Phenol. Problematisch sind auch die feinen Staubpartikel. Sie gelangen über Schleimhäute und Lunge direkt ins Blut und stehen im Verdacht, toxisch zu wirken.
Die deutsche Interessengemeinschaft Tonergeschädigter (ITG) hat bereits 1200 Fälle dokumentiert, 27 davon aus der Schweiz. ITG-Sprecher Hans Joachim Stelting rät: «Lasergeräte sollten an gut belüfteten Stellen platziert und mit Filtern betrieben werden.»
Sämtliche schadstoffgeprüften Laserdrucker und Toner («Blauer Engel»-Zertifikat) sind aufgeführt unter www.blauer-engel.de.
31. Januar 2007 | Otto Hostettler
