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Busse sind günstig in Rom, Bussen teuer. Für einen Euro darf man 75 Minuten lang alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Falsch parken dagegen kostet je nach Schwere des Vergehens zwischen 35 und 70 Euro.
Der Betrag ist dabei nur ein Teil des Ärgernisses. Er steht nicht einmal auf dem Stück Papier, das man an seinem vorschriftswidrig abgestellten Fahrzeug vor?ndet.
Das Papier ist entweder ein kryptisches, mit schwarzen und roten Gittern, Ziffern, Buchstaben und Symbolen bedrucktes Dokument. Oder es ist ein unordentlich bekritzeltes Blatt vom Durchschreibe-Block des Verkehrspolizisten, auf dem man gerade mal das eigene Kennzeichen erahnen kann. Alle anderen ausgefüllten Felder sind unleserlich.
Glück im Unglück hat, wer die schwarz-rote Version, die moderne Variante eines italienischen Bussenzettels, erwischt. Sie sieht nicht nur fast gleich aus wie ein Lottoschein - man kann die fällige Strafe auch an den Lotto-Annahmestellen zahlen.
Das schwarz-weisse Dokument dagegen bedeutet: Ausser 35 bis 70 Euro wirst du, lieber ordnungswidrig Parkierender, auch rund einen halben Tag deiner kostbaren Freizeit los.
Das steht natürlich nicht drauf, weder im schwarz vorgedruckten Teil des Formulars noch im unleserlich Hingeschriebenen des Ordnungshüters. Es handelt sich vielmehr um die Erfahrung eines Roller fahrenden Korrespondenten, der nur ab und zu die Strassenverkehrsordnung verletzt.
Wer einen Bussenzettel erhält, kann nämlich nicht einfach auf die Bank gehen und die Busse zahlen oder sie gar von zu Hause aus überweisen. Nein, zunächst muss der Sünder warten, bis ihm die Post die eigentliche Zahlungsaufforderung bringt.
Sie kommt per Einschreiben. Wer nicht zu Hause ist, ?ndet eine Mitteilung im Briefkasten. Manchmal ist man zwar daheim, der Postbote aber einfach zu faul zu klingeln.
Hier beginnt der Entzug der Freizeit. Denn auf der Post steht man eine halbe oder ganze Stunde Schlange - je nach Tageszeit und Tag. Zu Beginn jedes Monats zum Beispiel holen viele Pensionäre ihre Rente auf dem Postamt ab.
Mit dem endlich ergatterten Einschreiben muss man dann zu einem bestimmten Polizeirevier gehen, wo man ein weiteres Mal zu warten hat - es emp?ehlt sich, ein gutes Buch mitzunehmen.
Hier erhält man schliesslich ein weiteres Formular. Es teilt einem mit, dass man sein Fahrzeug falsch geparkt hat (was man ja eigentlich schon weiss), und es informiert über die Höhe der zu entrichtenden Summe - sowie über die Kontonummer und die andern Details für die Zahlung.
Die Zahlung aber ist ohne Zeitverlust nicht zu bewerkstelligen. Keine Überweisung per Post, schon gar kein Internet-Banking.
Nein: Bussenzettel fürs Falschparkieren müssen auf einem Postamt beglichen werden. Genauer: auf einem dieser Postämter, wo sich am Monatsanfang lange Rentner-Schlangen bilden.
Anders als bei der Abholung des Einschreibens hat man hier immerhin freie Wahl des Postamts: Man kann sich eines aussuchen, vor dem man legal parkieren kann. Es wäre ja auch zu dumm, wenn man sich während der Entrichtung einer Busse schon den nächsten Bussenzettel einhandeln würde!
07. Februar 2007
