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Artikel | K-Tipp 3/2007

Internet-TV gratis: So einfach gehts

Cablecom streicht analoge Sender, Swisscom will im Monat knapp 30 Franken für das Internet-TV. Dabei kann man mit normalem Breitband-Internetanschluss fernsehen - und das erst noch gratis.

Aus dem Basisangebot von Cablecom wird in wenigen Wochen auch der deutsche Nachrichtenkanal n-tv verschwinden. Um n-tv weiterhin sehen zu können, sollen Cablecom-Abonnenten auf das teurere Digitalangebot umsteigen.



Besitzer eines Breitband-Internetanschlusses haben aber eine kostenlose Alternative: Sie können n-tv einfach im Internet sehen. Klickt man bei www.n-tv. de auf «Livestream», startet die aktuelle Sendung im Browser - kostenlos und in durchaus akzeptabler Bildqualität. Das klappt sogar auf dem Notebook und über das drahtlose Funknetz (WLAN). Hat der PC einen TV-Ausgang, kann man die Sender aus dem Internet sogar auf dem Fernseher betrachten.



Das Internet stopft noch andere Lücken in Cablecoms Grundangebot: So fehlt beispielsweise der weitherum geschätzte Nachrichtensender «BBC World», und auch Spanier haben das Nachsehen. Ihren Sender TVE gibt es nur im teuren Digitalangebot. Via Internet und Spezialprogramm lassen sich all diese Sender - in beinahe perfekter Qualität - kostenlos empfangen.





Alle sieben Schweizer Kanäle gratis



Die Firma Zattoo überträgt (streamt) die erwähnten und ein Dutzend andere Sender gratis ins Internet. Mit ihrem Angebot will Zattoo die Praxistauglichkeit einer neuen TV-Übertragungs-Technologie beweisen. Das nötige Programm für Windows und Mac kann man unter www.zattoo.com nach der Anmeldung gratis herunterladen.

Zattoo liefert neben Internationalem auch die sieben Kanäle des Schweizer Fernsehens in drei Sprachen gratis auf den Computerbildschirm. Aus Deutschland kommen acht Kanäle, von ARD über RTL bis ZDF.





In der Grauzone der Legalität



Eine Konkurrenz zu Zattoo ist Octoshape (www. octoshape.com). Auch hier benötigt man ein Zusatzprogramm und kann danach deutsche, spanische, slowenische und englische Fernsehsender kostenlos am PC empfangen. Auch der TVU-Player scheint eine grosse Fangemeinde zu haben. Das Programm haben schon 50 000 Nutzer bei www.download. com heruntergeladen. Allerdings wird die Legalität von TVU, das vor allem US-Stationen via Internet überträgt, von einigen Juristen angezweifelt.



Ebenfalls in einer Grauzone operieren Programme wie SOP und TVAnts. Hier speisen teils Private Sendungen ins Internet ein. Eine ausführliche Liste solcher Programme gibt es bei www.coolstreaming.us/ module/go2.php?go=p2ptv soft2.



Qualitätssieger beim Internet-Fernsehen war im K-Tipp-Vergleich allerdings ADSL.TV: Kostenlos kann man aber nur 20 Sekunden fernsehen, und sogar dazu ist eine Registrierung nötig. Für echte Nutzung kostet der Dienst zwischen fünf (für 1 Woche) und 81 Franken (1 Jahr). Lobenswert sind bei ADSL. TV nicht nur die gute Bild- und Tonqualität, sondern auch das integrierte Programm, das aktuelle und kommende Sendungen auflistet.





Mehr als 6000 TV-Stationen im Netz



Neben obigen Qualitätsdiensten gibt es ferner über 6000 weitere Fernsehstationen, die Fernsehsendungen direkt übertragen. Wer einmal durch das weltweite Angebot zappen will, kann die Internetadressen www.global-itv.com oder http://de.wwitv.com ausprobieren. Vorsicht ist bei www.channelchooser. com angebracht: Ein Teil der Kanäle ist nicht jugendfrei.



Noch komfortabler für das Web-Zapping sind Programme wie das kostenlose OnlineTV (www. onlinetv2.de). Es bietet eine breite Auswahl von TV- und Radiostationen. Letztere lassen sich auch aufnehmen.



Wer dagegen Fernsehsendungen nicht live sehen will, sondern sie als Konserven konsumiert, kann dazu den Gratisdienst von www.onlinetvrecorder.com nutzen. Auf einer Internetseite merkt man Sendungen für die Aufnahme vor und lädt sie später aus dem Internet auf den PC. Kostenpflichtige Alternativen dieses Dienstes sind www.shift.tv und www. save.tv.







Was es gibt und was es braucht





Video on demand statt Live-TV



Im Internet gibt es viele Sendungen auf Abruf. So kann man zum Beispiel die Kassensturz-Sendungen der letzten Jahre jederzeit unter «Archiv» bei www.kassensturz.ch abrufen. Auch Folgen von «Lüthi & Blanc» oder «MusicStar» lassen sich per Internet «nachsehen». Sogar die von Cablecom aufgeschreckten Rai-1-Fans finden unter www.international.rai.it/ tv/webtv/index.shtml zahlreiche Konserven.



Im Internet gibt es auch unzählige Filme (Liste unter www.essen tial-freebies.de/board/ viewtopic.php?t=7962), die sich legal herunterladen oder betrachten lassen. In wenigen Wochen wird unter www.joost. com ein kostenloser Dienst verfügbar sein, der rund um die Uhr Videos bietet - von «Lassie» bis zu Musikfilmen.





So viel Tempo braucht es



Fernsehen via Internet ist nur mit einem Breitbandanschluss möglich. Allerdings reichen die günstigsten ADSL-Angebote (Bluewin 300) mit ihren 300 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) nur für rucklige Übertragungen. Mit 400 bis 700 kbit/s lassen sich TV-Sender aber schon in recht guter Qualität empfangen. Der Anbieter ADSL.TV überträgt die Schweizer Kanäle sogar mit 1000 kbit/s und belegt somit bereits die halbe Bandbreite eines üblichen ADSL-Anschlusses (2000 kbit/s).



Grundsätzlich gilt: Radio- und Fernsehgebühren müssen nur einmal pro Haushalt gezahlt werden. Wer bereits bei Billag zahlt, kann dann auch PC und Internet für den Empfang nutzen.


Auch ohne Billag-Konzession keine Gebühren zahlt man für Internet-TV, solange diese Dienste gratis sind und mann sich nicht registrieren muss. Wenn der Internet-Empfang hingegen mit Abo-Kosten verbunden ist (zum Beispiel bei ADSL.TV), muss man laut Bundesamt für Kommunikation die monatliche Fernsehempfangsgebühr von Fr. 23.45 zahlen.Wer beispielsweise bei einem gratis Anbieter wie Zattoo registriert ist, muss Billag-Gebühren bezahlen

14. Februar 2007 | Kurt Haupt


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