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Ausgerechnet das wichtigste Möbelstück im Wohnzimmer ist oft ein unbequemer Rückenkiller. Deshalb sollte man auch auf die Funktion, nicht nur aufs Design achten.
Mit dem Sofa haben viele Menschen ihr Kreuz. Besonders hart trifft es Kleine oder Kurzbeinige: Aufrechtes Sitzen mit angelehntem Rücken ist für sie oft gar nicht möglich, weil die Sitzfläche viel zu lang ist. Zierliche Menschen drohen zudem oft in den Tiefen schwammig weicher Polster zu versinken. Und auch manche Spielfilmnacht wurde schon zur Qual, weil mit der Zeit jede Sitz-, Lümmel- oder Liegeposition unbequem wird. Ergo: «Schlechte Sitzmöbel zwingen einen in eine Haltung, die schlimmstenfalls zu Verspannungen und Rückenschmerzen führt», sagt Christian Markert. Er hat sich auf rückenfreundliche Möbel spezialisiert.
Ist das Sofa eine Fehlkonstruktion? «In seiner herkömmlichen Form schon, weil man kaum ein bequemes Modell findet», ist Markert überzeugt. Die beiden ärgsten Schwachpunkte ortet er in zu langen Sitzflächen und nicht ergonomisch geformten Rückenstützen. Paradox zudem: Ein Sofa sei zwar für mehrere Menschen konzipiert, aber meist doch nur für einen Benutzer wirklich bequem. «Ein einziges Möbelstück kann den verschiedenen Körpermassen und -gewichten auch gar nicht gerecht werden», sagt Markert.
Der Trend zum Sessel oder zur Liege
Wers individuell bequem haben will, steigt deshalb auf einen Sessel oder eine Liege um, empfiehlt Markert. Diesem Tipp schliesst sich Luca Aloisi, Sprecher von Möbel Pfister, an: «Zumal die wenigsten Leute heute beim Fernsehen aufrecht sitzen.» Wer auch nach längerer Zeit schmerzfrei und entspannt fernsehen, lesen oder Musik hören will, ist in einem Sessel mit Relax-Funktion besser aufgehoben. Ideal ist ein Möbel mit verstellbarer Rückenlehne sowie Kopf- und Nackenstütze. Allerdings hält Aloisi fest, dass klassische Sofas nicht per se Gift für den Rücken sein müssen.
Aber: Beim Polstermöbelkauf steckten viele Kunden im Dilemma zwischen Ästhetik und Bequemlichkeit. Im Zweifelsfall obsiege das Schönheitsempfinden. Denn was bequem ist, werde beim Sofa selten als attraktiv empfunden. Auch Markert hat beobachtet, dass ein Sofa in erster Linie repräsentativen Charakter haben muss. Denn das Polstermöbel oder die Sitzgruppe sei in den meisten Wohnzimmern nach wie vor das zentrale Element. «Viele entscheiden sich deshalb lieber fürs Designerstück - ohne sich zu fragen, ob sie darauf wirklich längere Zeit ohne Beschwerden Platz nehmen können», sagt Markert.
Die Sitzkultur tendiert nach unten
Doch auch Ästheten könnten sich heute im Polstermöbel bequem zurücklehnen, versichert Markert. Bei rückenfreundlichen Sofas und Sesseln sei das Design in den vergangenen Jahren wichtiger geworden. Ergebnis: rückenfreundliche Designerstücke. Markert nennt als Beispiel den zierlichen Relax-Schaukelsessel Peel, dessen runde Form an ein Stück Orangenschale erinnert. Er kostet rund 2000 Franken.
Apropos Trends: Die Sitzkultur habe sich in den letzten Jahren verändert, sagt Luca Aloisi. Geprägt vom Lounge-Charakter des urbanen Einrichtungsstils sitze man heute nicht mehr im Sofa, «man fläzt und lümmelt sich locker darauf».
Die Sitzfläche ist noch länger geworden, die Standardsitzhöhe beträgt nicht mehr 42, sondern nur noch 27 Zentimeter. Ein Trend, den nach Aloisis Worten allerdings vor allem jüngere Käuferschichten bevorzugen.
Darauf sollten Sie beim Sofakauf achten
- Nehmen Sie sich Zeit beim Polstermöbelkauf. Möbelhändler Christian Markert empfiehlt: «Man sollte unbedingt probesitzen, am besten vertieft man sich dabei in seine Zeitung.» Wenn man es eine halbe Stunde bequem findet, hält man es auch mehrere Stunden auf dem Polstermöbel aus.
- Die Sitzfläche sollte nicht zu lang sein, weil man sich sonst nicht anlehnen kann. Idealerweise ist die Sitzfläche etwas kürzer als der Oberschenkel. Die Sitzvorderkante sollte abgerundet sein, damit der Blutfluss nicht behindert wird, denn: Die grossen Beinvenen verlaufen an der Rückseite der Kniegelenke.
- Wichtig für ältere Menschen: Der Sessel, das Sofa sollte nicht zu niedrig sein und die Sitzfläche nicht nach hinten kippen, sonst fällt das Aufstehen schwer.
- Die Rückenlehne, die am besten bis zu den Schultern reicht, sollte der Körperform angepasst sein und der Wirbelsäule in allen Abschnitten, besonders im Lendenwirbelbereich, guten Halt geben.
- Achten Sie bei Stoffbezügen auf die Qualität, sonst ist das Sofa schon bald fusslig und hat speckig glänzende Stellen. Stoffe von guter Qualität werden nach bestimmten Prüfverfahren auf ihre Strapazierfähigkeit getestet (angegeben in Scheuertouren). Ein guter Bezug hat mindestens 25 000 Scheuertouren.
- Teure und hochwertige Lederbezüge sind aus Anilin-Leder (im Fass oder anderweitig durchgefärbtes Leder) oder Semianilin-Leder (wird unter Mitverwendung geringer Mengen von Pigmentfarbstoffen nur oberflächlich Anilingefärbt). Die natürliche Oberflächenstruktur ist gut zu erkennen. Sogenanntes gedecktes Leder ist von minderer Qualität. Die natürliche Struktur ist mit Farbe zugedeckt. Oft wird aber nachträglich wieder eine Struktur aufgeprägt.
- Auch auf die Qualität des Innenlebens kommt es an: Bei guten Polstermöbeln besteht der Rahmen aus einem Hartholzgestell. Der Polsteraufbau ist aus einem Federkern und/oder Schaumstoff. Beide Konstruktionen werden entweder auf Gummigurte oder Nosag-Federn gesetzt. Die Qualität der Polsterung können Sie selber kontrollieren: Einige Minuten sitzen, danach aufstehen: Sieht man den Abdruck, ist das Material, meistens Schaumstoff, minderwertig. Durch billiges Füllmaterial lässt sich zudem das Möbelskelett ertasten.
14. März 2007 | VERA SOHMER
