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Artikel | Gesundheits-Tipp 4/2007

Herzinfarkte wegen Reizdarm-Medikament

Novartis darf Zelmac in den USA nicht mehr verkaufen. Es löste Herzinfarkte aus. Schweizer Behörden reagieren nicht.

Der Wirkstoff im Medikament Zelmac gefährdet Patientinnen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten. Das Reizdarm-Medikament hatte Schlaganfälle und Herzinfarkte ausgelöst. Zu diesem Schluss kam die amerikanische Zulassungsbehörde FDA. Novartis musste das Mittel - in den USA als Zelnorm im Handel - vom Markt nehmen. In der Schweiz ist das Medikament weiterhin zugelassen. Die Heilmittelbehörde Swissmedic will sich darauf beschränken, Hinweise abzugeben, dass Zelmac zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Patientinnen führe. Swissmedic rät Patientinnen mit Risikofaktoren, die Behandlung abzubrechen. Sprecherin Monique Helfer: «Allen anderen Patientinnen raten wir, die Situation mit dem Arzt zu besprechen.»

Auch Novartis sieht keinen Grund, das Mittel in der Schweiz vom Markt zu nehmen: Novartis- Sprecher Urs Bigler schreibt dem Gesundheitstipp, in den USA würde man das Mittel breiter einsetzen, und das Risiko sei in der Schweiz «wesentlich geringer.»

Zelmac soll Frauen helfen, die unter Reizdarm-Symptomen leiden wie Blähungen, Krämpfen und Verstopfungen. Seit viereinhalb Jahren bezahlen es die Krankenkassen. Doch das Medikament stand bei Experten schon seit der Einführung in der Kritik: Es soll nur wenig nützen. Etzel Gysling, Arzt und Herausgeber der Fachzeitschrift «Pharmakritik», sagt: «Man könnte gut darauf verzichten. Die Substanz hat zwar eine gewisse abführende Wirkung, doch es bringt nicht viel mehr als ein gewöhnliches Abführmittel.» In der EU wurde das Medikament aus diesem Grund nicht zugelassen. Novartis-Sprecher Bigler verweist auf die Behörden. Diese hätten befunden, dass Zelmac einen «medizinisch relevanten Nutzen» hätte.

Viele Fachleute sagen, Reizdarm sei ein übertrieben dargestelltes Krankheitsbild. Etzel Gysling: «Die Krankheit gibt es zwar, allerdings nur sehr selten.» Eine Studie kam vor wenigen Jahren zum Schluss, dass weniger als ein Prozent der Bevölkerung wegen Reizdarmbeschwerden ein Medikament brauche.

(gb)

18. April 2007


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