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Jassen, denken und tanzen: Julia Schweizer, 82, und ihre Kollegen machen das Beste gegen Demenz - sie sind aktiv. Wie stehts mit Ihnen? - Machen Sie den Test!
Gelb verbindet Julia Schweizer sogleich mit Eifersucht. «Rot ist die Liebe», sagt sie weiter, «und weiss ist der Schnee - oder das Brautkleid!» Julia Schweizer und ihre Kurs-Kollegen lachen. Sie konnte sich zu den Farben mühelos Begriffe vorstellen. Julia Schweizer ist 82 Jahre alt.
Um geistig ?t zu bleiben, geht die rüstige Rentnerin seit einem halben Jahr jeden Mittwochmorgen in einen Gedächtniskurs. Dort bespricht sie mit gleichaltrigen Frauen und Männern Gedichte, macht Konzentrationsübungen und löst Rätsel, oder die Gruppe turnt gemeinsam.
In ihrer Freizeit jasst und tanzt Julia Schweizer fürs Leben gern. Täglich trifft sie Freunde in ihrem Stammcafé, und sie liebt es, für einen Haufen Gäste ihre berühmten Gnocchi zu kochen. «Ich muss immer in Bewegung sein», sagt sie. «Sonst ist mir langweilig und ich roste ein.»
Was Julia Schweizer tut, ist richtig: «So beugt man am besten gegen Demenz oder Alzheimer vor», sagt der Zürcher Stadtarzt Albert Wettstein. «Um die Hirnzellen in Schwung zu halten, müssen sie mit geistiger Nahrung gefüttert werden», erklärt er.
Wissenschaftliche Studien belegen: Menschen, die rundum aktiv bleiben, erkranken seltener an Alzheimer und anderen Formen einer Demenz. Studien zeigen zudem, dass ältere Menschen ohne soziale Kontakte viel eher dement werden.
Auch eine gesunde Ernährung - viel Gemüse, Früchte und Fisch - hilft vorzubeugen. So bleiben die Blutgefässe gesund und Herz und Kreislauf in Schwung. Auch das schützt vor Demenz.
Je früher man mit einer gesunden Lebensweise beginnt, desto besser: Die Alzheimer-Krankheit beispielsweise hat eine lange Vorlaufphase - bis zu 30 Jahre.
Doch niemand ist vor einer Demenz gefeit: Je älter jemand ist, desto grösser ist das Risiko. Bei einem 70-Jährigen liegt es bei 5 Prozent, im Alter von 90 Jahren ist fast jeder Dritte betroffen.
Eine Demenz lässt sich früh erkennen
Zeichen von Demenz lassen sich früh erkennen: Stimmungsschwankungen, Misstrauen, Ängstlichkeit, Antriebslosigkeit oder Gedächtnislücken sind Warnsymptome.
Weitere Symptome sind:
- Sie haben Probleme beim Kofferpacken, Autofahren und Einkaufen.
- Sie verwenden in einem Gespräch falsche Begriffe.
- Ihnen fehlt die zeitliche und räumliche Orientierung.
- Sie ziehen sich für die Jahreszeit unpassend an.
- Sie verräumen die Dinge an falsche Orte (die Kleider gehören in den Schrank, nicht in die Toilette).
Ältere Menschen können heraus?nden, wie ?t ihr Hirn ist. Es gibt einen Test dazu: den Mini-Mental-Test (siehe nebenan).
Trotz ihres hohen Alters sind Julia Schweizer und ihre fünf Kurs-Kollegen alle geistig ?t. Im Gedächtniskurs mit dabei ist auch der 78-jährige Hans Gerber. Seit seine Frau vor fünf Jahren gestorben ist, lebt er im Altersheim Hardau in Zürich. Gerber ist sich bewusst: «All diese Tätigkeiten sind gut, um der Vergesslichkeit vorzubeugen. Davor gefeit ist man aber nicht.»
Er hofft, dass er lange aktiv bleiben kann. Angst vor einer Demenz hat er nicht. «Ich habe immer noch ein ausgefülltes und sehr schönes Leben. Wenn es mich dann eben erwischt, kann ich ja doch nichts dagegen tun.»
So beugen Sie einer Demenz vor
- Gehen Sie zu Fuss oder nehmen Sie das Velo. Lesen Sie anspruchsvolle Texte. Lernen Sie eine Fremdsprache oder machen Sie einen Jass.
- Pflegen Sie Freundschaften. Gespräche mit dem Partner, der Familie und Nachbarn sind geistig anregend.
- Ernähren Sie sich ausgewogen. Die sogenannte Mittelmeerkost ist ideal: fünf Portionen Früchte oder Gemüse pro Tag, Fett in Form von Oliven-, Raps- oder Sojaöl, wenig rotes Fleisch und andere tierische Fette, mehr als zwei Portionen Fisch pro Woche.
- Tragen Sie beim Velofahren einen Helm, Kopfverletzungen können Demenz fördern.
Information und Beratung bietet das Alzheimer-Telefon, Tel. 024 426 06 06 (täglich von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr) der Schweizerischen Alzheimervereinigung.
16. Mai 2007 | Gabriela Braun
