|
(0) |
In Bahnhöfen, die in einer Kurve liegen, kreischen die Züge unerträglich laut. Das Problem ist bekannt. Doch gehandelt wird kaum.
Wenn im Bahnhof Zürich-Stadelhofen oder in Zürich-Flughafen Züge ein- und ausfahren, quietschen sie derart laut, dass viele Fahrgäste die Ohren zuhalten. Aber nicht nur Reisende in Zürich leiden. Auch im Berner Hauptbahnhof kreischen die Züge unerträglich laut.
Der Grund: Bei allen drei handelt es sich um Bahnhöfe, die in einer engen Kurve liegen. Weil die inneren Zugräder einen kürzeren Weg zurücklegen als die äusseren, beginnen sie zu schleifen. Es kommt zu einem sogenannten Kurvenkreischen.
«Unsere Spezialisten für Lärmfragen beschäftigen sich schon seit längerem mit der Thematik», sagt SBB-Sprecherin Michèle Bamert. Doch das Lärmproblem auf den Bahnhöfen bleibt. «Ja, das Problem wird diskutiert. Aber es geschah bisher wenig», bestätigen denn auch mehrere Stellen, die sich mit Lärmfragen beschäftigen. Doch keiner will mit Namen zitiert werden. Die Bundesbahnen sind ein wichtiger Arbeitgeber.
Die SBB selbst verweisen auf erreichte Verbesserungen. «Generell können wir feststellen, dass die Züge leiser werden», sagt Sprecherin Bamert. Gerne heben sie Lärmschutzmassnahmen wie den Bau von 271 Kilometern Lärmschutzwänden hervor. Doch hier zahlen die SBB nichts. Bezahlt werden die Massnahmen aus Steuergeldern - nämlich dem Fonds zur Finanzierung von Infrastrukturvorhaben im öffentlichen Verkehr (Finöv). Auch die rund 270 Millionen Franken für leiseres Rollmaterial kommen aus diesem Topf.
Schmieranlagen bringen leichte Verbesserungen
Lärmschutzmassnahmen in den Bahnhöfen müssten die SBB selbst bezahlen.
Eine Möglichkeit wären dabei elektronisch gesteuerte Schmieranlagen für die Schienen. Doch bislang wurde erst eine einzige solche Anlage auf Stadelhofens Gleis 1 installiert. Michèle Bamert verspricht, man werde die Gleise der Zürcher Bahnhöfe Stadelhofen und Flughafen mit elektronisch gesteuerten Anlagen ausstatten. «Wir hoffen, dass die Anlagen noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden.»
Laut Messungen der SBB kann mit diesen Schmieranlagen die Dauer des Kreischens um 98 Prozent verkürzt und die Höhe des Kreischtons stark gemindert werden. saldo weiss aber: Diese Werte stammen von Messungen im Bahnhof Zürich-Tiefenbrunnen. Ob diese auch in Stadelhofen erzielt werden, ist ungewiss. Denn gemessen wurde nicht bei Zugein- und -ausfahrten im Bahnhof selbst, sondern nur in dessen Umgebung - und nur bei durchfahrenden Zügen.
Für Fredy Fischer, Chef der Sektion Bahnen in der Lärmschutzabteilung des Bundesamtes für Umwelt, steht fest: «Es ist Sache der Bahn, die Kunden in den Bahnhöfen zu schützen.» Seiner Ansicht nach haben die SBB zu handeln.
30. Mai 2007 | Pascal Tischhauser
